Kathleen Collins – Nur einmal

Mit Kathleen Collins ist erneut eine US-amerikanische Autorin wiederzuentdecken. Wobei wiederzuentdecken genau genommen falsch ist. Die in den 60er und 70er Jahren entstandenen Kurzgeschichten der 1942 geborenen Afroamerikanerin, die nun im Kampa Verlag erschienen sind, haben über zwanzig Jahre nach deren frühem Tod in einer Kiste geschlummert, ehe sie 2016 von der Tochter Nina Collins in den USA erstmals veröffentlicht wurden.

Kathleen Collins war eine der ersten schwarzen Regisseurinnen der USA. Nach einem B.A. in Philosophie und Theologie und einem Studium der Filmgeschichte an der Pariser Sorbonne erhielt sie eine Professur für Filmgeschichte und Drehbuch am City College in New York. Anfang der 80er Jahre erschienen zwei Dramen und ein Roman. Der 1982 gedrehte  Film „Losing ground“ wurde erst 2015 in den Kinos uraufgeführt. Weiterlesen „Kathleen Collins – Nur einmal“

Annie Ernaux – Erinnerung eines Mädchens

In Erinnerung eines Mädchens erzählt Annie Ernaux von ihren Jugendjahren. Die heute 78 jährige französische Schriftstellerin wurde in Deutschland sehr spät entdeckt. Nach zwei Veröffentlichungen in den Nullerjahren über eine erotische Obsession, rutschte sie eher ein wenig in die Schmuddelecke. Erst 2017 wurde ihr im Original bereits 2008 erschienener autobiografischer Roman „Die Jahre“ auch hierzulande ein Riesenerfolg, zumindest bei der Literaturkritik. Dabei gilt Ernaux in Frankreich seit langem als eine der wichtigsten literarischen Stimmen. Schriftsteller wie Didier Eribon und Édouard Louis zählen sie zu ihren Vorbildern. Wie sie entstammt Annie Ernaux einfachen sozialen Verhältnissen, mit denen sie ein problematisches Verhältnis verbindet, wie sie schreibt sie stets stark autobiografisch, wie sie nimmt sie das Biografische aber nur, um wichtige politische und gesellschaftliche Strukturen in Frankreich zu beschreiben und analysieren. Die strikte Klassengesellschaft in Frankreich ist ihr Thema, die Schwierigkeit des sozialen Aufstiegs, die dramatische soziale Ungleichheit. Und immer wieder die Rolle der Frau. Weiterlesen „Annie Ernaux – Erinnerung eines Mädchens“

Bettina Wilpert – Nichts was uns passiert

Bettina Wilpert erzählt in ihrem Debütroman „Nichts, was uns passiert“ eine Geschichte, von deren enormer Brisanz in Zeiten der #MeToo-Debatte sie zum Zeitpunkt der Niederschrift nichts ahnen konnte. Sie greift ein Thema auf, das mehr als relevant ist, aber dennoch vergleichsweise selten in den Prosaarbeiten junger Autoren vorkommt: sexualisierte Gewalt und Vergewaltigung.

Dafür wählt sie einen sowohl exemplarischen als auch zumindest in der Literatur und unserem Denken eher außergewöhnlichen Fall. Wider besseres Wissen (80% der Vergewaltiger stammen aus dem sogenannten „sozialen Nahraum“ der Opfer) verbinden wir mit Vergewaltigung oft dunkle Straßen, Überfälle, körperliche Gewalt. Dass es in vielen Fällen ganz anders aussieht, das macht uns Bettina Wilpert mit ihrem Roman deutlich. Und dass es sich dennoch um eine Vergewaltigung handelt. Weiterlesen „Bettina Wilpert – Nichts was uns passiert“

Das Debüt 2018 – Bloggerpreis – Meine Entscheidung

Der von Dr. Bozena Anna Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger geführte Blog „Das Debüt“ hat zum dritten Mal einen Bloggerpreis Das Debüt 2018 ausgeschrieben. 69 Romane wurden von den Verlagen eingereicht. Aus einer von „Das Debüt“ zusammengestellten Shortlist sollten 13 Blogger und Bloggerinnen ihre drei Favoriten auswählen und mit je fünf, drei bzw. einem Punkt versehen. Daraus geht dann der Titel mit den meisten Punkten als Sieger hervor.

Ich durfte bereits zum zweiten Mal in der Jury mitwirken. Nachdem mich die Shortlist des letzten Jahres ziemlich gefordert hatte, da vier von fünf Titeln so gar nicht meinem Geschmack entsprachen, war ich dieses Jahr recht glücklich über die Auswahl. Sicher habe ich wieder den einen oder anderen Roman vermisst. Aber alle fünf Bücher konnten mein Interesse wecken und, obwohl ich mir das dieses Jahr ausdrücklich zugestanden habe, habe ich keinen Roman abgebrochen. Weiterlesen „Das Debüt 2018 – Bloggerpreis – Meine Entscheidung“

Lektüre Dezember 2018

Ein allerletzter Rückblick auf das Jahr 2018, genauer gesagt auf meine Lektüre im Dezember 2018. Zunächst einmal aber wünsche ich euch allen ein

Glückliches, gesundes neues Jahr 2019!

Danke, dass ihr hier so fleißig mitlest, liked und kommentiert!

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Der Dezember war ein sehr lesefreundlicher Monat für mich, deshalb habe ich ganze zehn Titel gelesen. Kein einziger war ein Ausreißer nach unten. Weiterlesen „Lektüre Dezember 2018“

Lesejahr 2018 – Rückblick – Lesungen

Hier folgt der zweite Teil vom Rückblick auf mein Lesejahr 2018, auf die besuchten Lesungen. Ich bin eine passionierte Besucherin von Lesungen und Veranstaltungen rund um Buch und Autoren. Nicht immer sind diese wirklich gelungen, erhellend, unterhaltsam. Manchmal stimmt der Moderator nicht oder hat einen schlechten Tag, manchmal ist die Autorin/der Autor nicht so sympathisch wie erhofft oder die Räumlichkeiten passen nicht. In den allermeisten Fällen aber bringt mir eine solche Veranstaltung sowohl das Buch als auch die Autorin/den Autoren näher, beantwortet Fragen oder stellt diese ganz neu. Und, ich gebe es zu, ich gehöre auch zu den Buchnerds, die sich am Ende Bücher signieren lassen. Ich habe schon Unmengen davon zuhause und wenn ich eines davon aufschlage, dann ist mir der Moment der Signatur, der Lesung, des Lesens selbst wieder ganz nah. Unzählige nette, überraschende, unvergessliche Momente mit Autoren sind dadurch entstanden. Weiterlesen „Lesejahr 2018 – Rückblick – Lesungen“

Lesejahr 2018 – Ein Rückblick – Beste Romane 2018

Wieder neigt sich ein Lesejahr seinem Ende zu – und ja, es verging wieder im Flug. Zeit, ein kleines Resümee zu ziehen. Hier mein Lesejahr 2018 Rückblick – Beste Romane 2018

Für mich war es ein sehr intensives Lesejahr, was weniger der Menge an Gelesenem geschuldet war – erstaunlicherweise habe ich exakt so viele Bücher wie 2017 gelesen, nämlich 83 -, als der Intensität, mit der ich mich mit den Werken auseinandergesetzt habe. Sehr viel habe ich nachgeschlagen und nachgeschaut, nicht bei jedem Buch natürlich, aber doch bei vielen. Mit 107 Beiträgen lag ich zwar deutlich unter der Zahl von 2017, dafür hatten alle Beiträge zusammen deutlich mehr Zeichen. Auch ein Indiz für eine noch eingehendere Beschäftigung. Weiterlesen „Lesejahr 2018 – Ein Rückblick – Beste Romane 2018“

Frohe Weihnachten

Ich wünsche euch allen frohe und entspannte Feiertage mit vielen glücklichen Momenten und auch Zeit für ein gutes Buch!

 

 

Weihnachten
Markt und Straßen stehn verlassen,
Still erleuchtet jedes Haus,
Sinnend geh’ ich durch die Gassen,
Alles sieht so festlich aus.

An den Fenstern haben Frauen
Buntes Spielzeug fromm geschmückt,
Tausend Kindlein stehn und schauen,
Sind so wunderstill beglückt.

Und ich wandre aus den Mauern
Bis hinaus in’s freie Feld,
Hehres Glänzen, heil’ges Schauern!
Wie so weit und still die Welt!

Sterne hoch die Kreise schlingen,
Aus des Schneees Einsamkeit
Steigt’s wie wunderbares Singen –
O du gnadenreiche Zeit!

Joseph von Eichendorff

 

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Elizabeth Strout – Alles ist möglich

Die US-amerikanische Autorin Elizabeth Strout wird gerne die „Chronistin des Alltäglichen“ genannt. Weil sie sich mit dem Alltag der Menschen in der Provinz beschäftigt und ihre Beziehungen untereinander analysiert, Mutter-Tochter- und Geschwisterbeziehungen, generell Familiengefüge untersucht. Undramatisch und unsentimental erzählt sie von deren Leben, den Erinnerungen, den Lasten, die sie mit sich herumschleppen, ihren Ängsten, Träumen, Hoffnungen, oder dem, was davon übrigblieb. Aber ist das wirklich nur alltäglich? Weiterlesen „Elizabeth Strout – Alles ist möglich“