Edward St. Aubyn – Dunbar und seine Töchter

Das Hogarth Shakespeare Projekt, jener Versuch, die Stücke des berühmten William Shakespeare durch renommierte zeitgenössische Autoren in die Gegenwart zu versetzen und damit ihre Zeitlosigkeit zu demonstrieren und gleichzeitig eine Würdigung dessen Werkes darzustellen, geht in Deutschland in eine neue Runde. Nach Jeannette Wintersons, Howard Jacobsons, Ann Tylers und Margaret Atwoods Beiträgen erscheint die Version von „King Lear“: Edward St Aubyn – „Dunbar und seine Töchter“. Weiterlesen „Edward St. Aubyn – Dunbar und seine Töchter“

David Constantine – Wie es ist und war

David Constantine ist ein britischer Autor Jahrgang 1944, der dreißig Jahre in Oxford und Durham gelehrt, deutsche Klassiker ins Englische übersetzt und anschließend fast zehn Jahre eine Literaturzeitschrift herausgegeben hat. Daneben entstanden ein Roman und zahlreiche Gedichte und Kurzgeschichten, von denen eine sogar recht prominent mit Tom Courtenay and Charlotte Rampling verfilmt wurde („45 years“) Weiterlesen „David Constantine – Wie es ist und war“

Alice Adams – Als wir unbesiegbar waren

Vier junge Menschen am Ende ihrer Schulzeit in Bristol, zwei Männer, zwei Frauen, deren Lebenswege sich fortan trennen werden, nachdem sie einen Großteil ihrer Jugendzeit eine unzertrennliche Clique bildeten. Bruder und Schwester sind vertreten, unterschiedliche Gesellschaftsklassen und Vermögensverhältnisse, romantische Unterströmungen sind spürbar. Das klingt vertraut, das hat man gefühlt schon hundertmal gelesen. Auch Alice Adams vermag da in Als wir unbesiegbar waren leider nicht zu überraschen. Sie wagt zu wenig, bleibt zu sehr in vorhersehbaren Bahnen, tappt immer wieder in die Klischeefalle. Ihre Geschichte ist zwar durchaus gut erzählt, auch sprachlich solide, bietet aber nichts Neues und zeigt auch in der Konstruktion einige Schwächen. Weiterlesen „Alice Adams – Als wir unbesiegbar waren“

Rachel Cusk – Transit

Transit – Durchreise, Passage, vielleicht auch Übergang. Auch: der Vorbeizug eines Himmelskörpers oder auch mehrerer. Wie schon beim letztem Buch von Rachel Cusk „Outline“, darf man den Titel Transit gerne als Leitmotiv für den Roman nehmen.

Faye, die Autorin in mittleren Jahren, die wir aus dem Vorgänger bereits kennen, Mutter zweier Söhne, die in beiden Büchern jeweils nur in besorgniserregenden Anrufen vorkommen, geschieden, und zwar nicht, wie man das oft so schön sagt, in gegenseitigem Einvernehmen, sondern, wir spüren es, auch wenn es nirgends thematisiert wird, mit einigen Blessuren einhergehend, diese Faye ist auch in „Transit“ die Erzählerin und das Zentrum des Romans.

Auch von der grundlegenden Struktur her ähneln sich die beiden Bücher sehr – sind sie doch auch Teil einer geplanten Trilogie. Weiterlesen „Rachel Cusk – Transit“

Rachel Cusk – Outline

Eine Frau auf dem Flug nach Athen. Sie ist unterwegs zu einem Kurs in Kreativem Schreiben, den sie unterrichten soll, vielleicht ein klein wenig auch auf der Flucht, man meint es herauszuhören, aus einem nicht ganz einfachen Leben in London. Neben ihr sitzt ein älterer Grieche, man kommt ins Gespräch. Es ist das erste einer langen Reihe von Gesprächen, die Faye, die Autorin, im Laufe dieser Woche in Athen führt und die wir als Leser von Rachel Cusk in Outline mitverfolgen

Diesem eigentlichen Beginn des Romans ist noch eine kurze Szene vorangestellt, deren Bedeutung sich zunächst kaum erschließt. Die Erzählerin trifft sich vor ihrem Abflug mit einem „Milliardär“, um mit ihm über eine in Planung befindliche Literaturzeitschrift zu sprechen. Dazu kommt es nicht, der Mann plaudert stattdessen über sich, „Der Milliardär erzählte mir bereitwillig aus seinem Leben.“ „The billionaire had been keen to give me the outline of his life story“ heißt es im Original und es ist ein bisschen schade, dass bei der Übersetzung das Leitmotiv zusammen mit dem Schlüsselwort des Romans, das ja auch titelgebend ist, verschwindet. Weiterlesen „Rachel Cusk – Outline“

Barney Norris – Hier treffen sich fünf Flüsse

Vier Flüsse fließen rund um Salisbury in den River Avon. Es ist eine uralte Landschaft hier im „grünen Süden Englands“. Unweit wurden vor mehr als 4000 Jahren die hölzernen und steinernen Kultstätten von Woodhenge und Stonehenge errichtet, wurde Old Sarum zu einer der bedeutendsten Städte der Angelsachsen, nachdem schon die keltischen Druiden und Römer hier siedelten. Im Mittelalter wurde Salisbury, New Sarum, rund um die neuerbaute, prächtige Kathedrale ein bedeutender Mittelpunkt. Schauplatz von Hier treffen sich fünf Flüsse von Barney Norris. Weiterlesen „Barney Norris – Hier treffen sich fünf Flüsse“

Howard Jacobson – Shylock

Howard Jacobson – Shylock

Howard Jacobson - ShylockIm Rahmen des Hogarth Shakespeare Projects, im Herbst 2015 anlässlich des 400. Todestages des großen Dramatikers 2016 gestartet, erschien im April 2016 Howard Jacobsons Adaption von „Der Kaufmann von Venedig“ („The merchant of Venice“) unter dem Titel „Shylock“ auf Deutsch (Originaltitel: „Shylock is my name“).

„Der Kaufmann von Venedig“ ist sicher das problematischste, oder besser gesagt, das am meisten umstrittene Drama William Shakespeares. Ist es nun ein antisemitisches Stück oder will es nur den herrschenden Antisemitismus zeigen? Seit Jahrhunderten streiten sich darum die Gelehrten, die Leser, die Theatergänger. Einige finden das Stück mittlerweile als unaufführbar. Dass das ganz und gar nicht der Fall ist, davon konnte ich mich letztes Jahr in einer wunderbaren Aufführung im Globe Theatre überzeugen. Weiterlesen „Howard Jacobson – Shylock“

Jeanette Winterson – Der weite Raum der Zeit

Jeanette Winterson – Der weite Raum der Zeit

Der weite Raum der Zeit von Jeanette Winterson

Im Rahmen des Hogarth Shakespeare Projects, im Herbst 2015 anlässlich des 400. Todestages des großen Dramatikers 2016 gestartet, erschien im April 2016 Jeanette Wintersons Adaption von „Das Wintermärchen“ („The Winter´s tale“) unter dem Titel „Der weite Raum der Zeit“ auf Deutsch (Originaltitel: „Gap of time“).

Dieses Stück des großen Dramatikers gehört zu den eher seltener gespielten. Zunächst den Komödien zugeordnet, zählt es nun präziser zu den Romanzen Shakespeare. Hier paaren sich durchaus komödiantische Züge mit eher düsteren Themen und Grundkonstellationen. Typisch ist die in lang vergangener Zeit und märchenhaft verfremdeten Orten spielende Handlung. Weiterlesen „Jeanette Winterson – Der weite Raum der Zeit“

Jane Gardam – Letzte Freunde

Jane Gardam – Letzte Freunde

Jane Gardam Letzte Freunde Es ist wieder eine Beerdigung, die den Ausgangspunkt des Abschlussbandes der „Old-Filth-Trilogie“ von Jane Gardam bildet.

Nach Betty Feather und wenige Jahre danach Terry Veneering ist nun Old Filth selbst, der ehemalige Kronanwalt Edward Feathers bei einem Besuch in seiner alten Heimat Malaysia ums Leben gekommen.

Seine Kindheit als Raj-Waise, sein zunächst unglückliches Aufwachsen in einer Pflegefamilie in England, seine glückliche Ausbildung in „Sirs“ Schule, seine Studien, die Ehe mit Betty und die langen Jahre in Hongkong, schließlich die Rückkehr ins beschauliche Dorset und der dortige Lebensabend waren Teil der ersten beiden Bände. Waren es in ihnen bereits die unterschiedlichen Perspektiven, der gänzlich andere Blick auf dieselben Begebenheiten, die immer wieder neue Aspekte und ganz andere Wahrheiten zutage förderten, setzt Jane Gardam dies in diesem dritten Band fort. Weiterlesen „Jane Gardam – Letzte Freunde“