Amerikanische Autoren sind Meister im Genre des Familienromans. In immer wieder neuen Ausprägungen wird die kleinste gesellschaftliche Institution beleuchtet, analysiert und beschrieben. Mehr oder (meistens) weniger glücklich, als klassische Vater-Mutter-Kinder-Konstellationen, generationenübergreifend oder mittlerweile auch zunehmend als Patchwork oder queere Familien, aus allen sozialen und gesellschaftlichen Schichten, mit oder ohne biografischen Hintergrund begegnen der Leser*in unzählige Familiengeschichten von US-amerikanischen Schriftstellern. Der bekannte Literaturkritiker James Wood hat diesen mit „Upstate“ eine weitere hinzugefügt. Weiterlesen „James Wood – Upstate“
Schlagwort: Amerikanische Literatur
Stewart O’Nan – Henry persönlich
Die Familie Maxwell, eine ziemlich typische Mittelstandsfamilie. Sie stand bereits zweimal im Mittelpunkt von großartigen Romanen: 2002 erschien „Abschied von Chautauqua“, 2011 folgte „Emily allein“. Warf ersterer multiperspektivisch einen Blick auf alle Familienangehörigen, die sich anlässlich von Verkauf und Ausräumung des Ferienhauses am Lake Chautauqua/New York noch einmal dort versammelt hatten, konzentrierte sich „Emily allein“ eben auf jene, die im ersten Teil gerade ihren Ehemann Henry verloren hatte und jetzt, zehn Jahre später, als nunmehr 80jährige ihren Alltag bestritt. Im nun dritten Teil der Familiengeschichte geht Stewart O’Nan noch einmal in der Zeit zurück und lässt in „Henry persönlich“ den Verstorbenen wieder lebendig werden. Weiterlesen „Stewart O’Nan – Henry persönlich“
Tom Rachman – Die Gesichter
Pinch, der eigentlich so liebevoll klingende Kosename, den Bear Bavinsky seinem kleinen Sohn Charles verleiht, liegt auf diesem wie eine Last. Pinch, nach den leckeren kleinen Häppchen, Pinxtos, die der berühmte, genialische Maler-Vater einst im Baskenland so gern genascht hat. Ein Kosename, der unweigerlich verniedlicht, verkleinert, ein Gefühl, dem Charles so gerne entwachsen würde, und das er doch zumindest zu Lebzeiten des Vaters, nie los wird. Tom Rachman zeichnet in Die Gesichter die schwierige Vater-Sohn-Beziehung zwischen Pinch und Bear Bavinsky nach. Weiterlesen „Tom Rachman – Die Gesichter“
Kamila Shamsie – Hausbrand
Kamila Shamsie – Hausbrand:
„Die wir lieben…sind Feinde des Staates.“
Sophokles – Antigone
Schon im Motto ihres Romans „Hausbrand“ erzählt die britisch-pakistanische Autorin Kamila Shamsie eigentlich die ganze Geschichte.
„Homefire“ im Original trifft es, wie so oft genauer, denn es ist nicht das Haus, das hier brennt, sondern das Heim, die Familie, die Heimat, der Westen, Großbritannien. Und die große, klassische Geschichte, die hier neu gefasst wird, ist die der Antigone. Weiterlesen „Kamila Shamsie – Hausbrand“
Jennifer Egan – Manhattan Beach
Kaum eine Besprechung von Jennifer Egan lang ersehnten, neuen Roman „Manhattan Beach“ kommt ohne den Vergleich mit ihrem 2011 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichneten „Der größere Teil der Welt“ aus. Dieser hatte eine tolle Geschichte, war formal sehr experimentell gestaltet und dennoch ungemein lesbar und unterhaltend – ein Geniestreich, der sogleich zu einem der bedeutendsten Romane des beginnenden 21. Jahrhunderts ernannt wurde.
Nachfolgende Werke werden wohl immer an diesem Buch gemessen werden. Dennoch gelang es Jennifer Egan 2013 mit „Black Box“ erneut zu überraschen und auch zu überzeugen. Dies war ein „Twitter-Roman“, bestehend aus Abschnitten mit maximal 140 Zeichen, der einen spannenden Thriller-Plot lieferte. Innovativ und trotzdem gut konsumierbar. Weiterlesen „Jennifer Egan – Manhattan Beach“
Mark Thompson – El Greco und ich
Mark Thompson – El Greco und ich
„Wenn man sich eines im Leben klar machen muss, dann wohl die Tatsache, dass wir alle auf die Probe gestellt werden. Irgendwann. Vielleicht früher oder vielleicht später. Oder vielleicht dazwischen. Wer weiß schon, wann oder wo?“
JJ, der Ich-Erzähler und sein bester Freund Toni Papadakis sind zehn, als sie aus Unachtsamkeit mit ihren heimlich gerauchten Zigaretten ein ganzes Sportfeld in Brand setzen. Aber der sehr kluge Toni, El Greco genannt, weiß, dass das noch nicht die Probe sein kann. Das da noch härteres im Leben folgen wird. Weiterlesen „Mark Thompson – El Greco und ich“
James Baldwin – Beale Street Blues
„If Beale Street could talk“ – eine Zeile des Bluesklassikers von 1916, in der vielleicht bekanntesten seiner vielen Interpretationen von Louis Armstrong gesungen, gibt dem vorletzten Roman von James Baldwin aus dem Jahr 1974 seinen Originaltitel – deutsch Beale Street Blues. Weiterlesen „James Baldwin – Beale Street Blues“
Meg Wolitzer – Das weibliche Prinzip
„#Metoo“, „Womans March“, „Power to the polls“, „Get her elected“ – es scheint als erlebe der Feminismus nach einer Zeit, in der sich erstaunlicherweise gerade viele junge Frauen demonstrativ davon distanzierten, meinten, seine Ziele seien doch weitgehend erreicht, wieder neuen Schwung. Gerade in Amerika, wo mittlerweile ein expliziter Frauenverächter an der Macht sitzt, regt sich Gegenwehr. Hier spürt man vielleicht besonders deutlich, dass sich in den Denk- und Verhaltensmustern der Geschlechter doch gar nicht so grundlegend etwas verändert hat wie man gemeinhin glaubte. Meg Wolitzer will mit Das weibliche Prinzip dagegen anschreiben. Weiterlesen „Meg Wolitzer – Das weibliche Prinzip“
Brit Bennett – Die Mütter
Brit Bennett – Die Mütter
„Aubrey fragte sich, ob sie die Einzigen waren, die das Gefühl hatten, ihre Mütter nicht zu kennen. Vielleicht waren Mütter an sich unermesslich und unmöglich zu kennen.“
Mit „Die Mütter“ schrieb die junge amerikanische Autorin Brit Bennett gleich mit ihrem Debüt einen Roman, der es auf die New York Times Bestsellerliste schaffte. Die dunkelhäutige Kalifornierin ließ ihn in ihrer Heimatstadt Oceanside im San Diego County spielen. Und auch ihr Studienort Ann Arbour in Michigan ist Schauplatz der Geschichte. Sie begann bereits mit 17 Jahren, daran zu schreiben, neun Jahre später wurde er veröffentlicht. Und die Hauptprotagonistin ist ebenfalls 17 Jahre alt. Aber auch wenn sicher viele persönliche Erfahrungen eingeflossen sind, ist es doch kein autobiografischer Roman, hat Bennett, die aus gutbürgerlichem Haus stammt – der Vater war der erste schwarze Staatsanwalt der Stadtverwaltung – doch einen ganz anderen familiären Hintergrund als die Figur der Nadia Turner. Weiterlesen „Brit Bennett – Die Mütter“
George Saunders – Lincoln im Bardo
Welch ein aberwitziges, wildes, zärtliches, berührendes Buch! Mit seinem ersten Roman Lincoln im Bardo hat der in den USA fast Kultstatus innehabende Autor von Kurzgeschichten und Essays, George Saunders, ein absolut ungewöhnliches und kühnes Werk geschaffen, für das er 2017 sogleich den renommierten Man Booker Prize erhielt.
Es ist ein Roman ohne Erzähler. Ganz gleich ob 150 oder 166 Personen (die mitzählenden Kritiker sind sich nicht ganz einig und ich habe wieder ganz anders gezählt), ihre Zahl ist schier unüberschaubar. Und ein Großteil von ihnen ist bereits zum Zeitpunkt der Handlung tot. Weiterlesen „George Saunders – Lincoln im Bardo“








