„Ein Roman über Liebe und Kybernetik“ verspricht der Klappentext und irritiert hoffentlich im besten Sinn und macht neugierig. Kybernetik, was war das noch gleich? Kybernetik beschäftigt sich mit der Regulation von komplexen Systemen. Neben komplizierten Maschinen ist der menschliche Körper ein solches System, aber weiter gedacht auch Gesellschaften, generell Beziehungen zwischen Lebewesen. Meist geschieht diese Regulierung über einen Regelkreis, den Vergleich von Soll- und Ist-Werten und der Aktivierung von Regelmechanismen, wenn diese voneinander abweichen. Das Herz ist eines der Organe, die sich (zumindest in begrenztem Umfang) selbst regulieren können. Aber funktioniert eine solche Selbstregulation auch in Gesellschaften? Der Neoliberalismus würde sagen: Ja. Den Konterpart könnte die sozialistische Planwirtschaft einnehmen, die nicht nur wirtschaftliche Systeme zentral regeln will. Peggy Mädler schaut sich diesen Dualismus in ihrem neuen Roman Selbstregulierung des Herzens genau an. Und das auf hinreißende, gar nicht technokratisch trockene Art und Weise. Weiterlesen „Peggy Mädler – Selbstregulierung des Herzens“
Schlagwort: Mauerfall
Kristof Magnusson – Die Reise ans Ende der Geschichte
Die 90er Jahre sind gerade schwer „in“. Vielleicht weil die frühen Millenials jetzt in das Alter kommen, in dem man beginnt, zurückzuschauen auf die eigenen „Wilden Jahre“. Vielleicht aber auch, weil die 1990er als eine (vielleicht zu Unrecht) besonders sorglose, optimistische Zeit gelten und das in den heutigen chaotischen, als bedrohlich empfundenen Tagen nostalgische Gefühle hervorruft. Natürlich gab es damals die Jugoslawienkriege, die tief erschütterten ob der Grausamkeiten, die quasi vor unserer Haustür in Europa geschahen. Etwas weiter weg war der Völkermord in Ruanda mit dem uns eigenen Menschenverstand gar nicht mehr zu begreifen.
Aber: ganz ehrlich – für wen von uns standen nicht der Fall des Eisernen Vorhangs, die deutsche Wiedervereinigung und das vermeintliche Ende des kalten Krieges, der bedrohlichen atomaren Konfrontation von Russland und Nato, also „das Ende der Geschichte“ (nach Francis Fukuyama) im Vordergrund? Für die meisten war es eine Zeit der Aufbruchsstimmung, des Neubeginns, der rundum positiven Grundstimmung in der Politik wie in der Bevölkerung – zumindest in Westdeutschland. Weiterlesen „Kristof Magnusson – Die Reise ans Ende der Geschichte“
Meri Valkama – Deine Margot
Eine 1980 geborene Finnin schreibt einen Roman über den Untergang der DDR – das mag zunächst verwundern. Meri Valkama lebte allerdings, wie die Protagonistin in ihrem Debütroman Deine Margot, als Kind einige Jahre in Ost-Berlin, wo ihr Vater – auch das eine Übereinstimmung – als Korrespondent einer linken finnischen Zeitung tätig war. Weiterlesen „Meri Valkama – Deine Margot“
Lutz Seiler – Stern 111
2014 erhielt er für seinen Roman Kruso den Deutschen Buchpreis. Nun erschien von Lutz Seiler Stern 111, der den zur Zeit des Zusammenbruchs der DDR auf der kleinen Insel Hiddensee spielenden Vorgänger zwar nicht fortsetzt, aber an bestimmte Punkte anknüpft und einen Teil des Personals wiederauftauchen lässt. Weiterlesen „Lutz Seiler – Stern 111“
Madeleine Prahs – Nachbarn – #Backlist
Im August erscheint Madeleine Prahs Roman „Die Letzten“ bei DTV, auch eine „Nachbar“geschichte um ein Haus, das „leergewohnt“ werden soll. Prahs Debüt „Nachbarn“ hat mir 2014 ausgesprochen gut gefallen, ihre Personenschilderung fand ich ausgezeichnet. Deshalb freue ich mich sehr auf die Neuerscheinung und möchte hier mit meiner Rezension von 2014 ein wenig neugierig machen. In ihrem Debütroman „Nachbarn“ blättert Madeleine Prahs die Geschichte von sechs Menschen auf. Weiterlesen „Madeleine Prahs – Nachbarn – #Backlist“




