Tsitsi Dangarembga – Verleugnen

Mit Verleugnen ist nun auch der letzte Band der Tambudzai-Trilogie der Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga auf Deutsch erschienen. Ich habe ihn nach der eigentlichen Reihenfolge, in der er im Original 2006 als The book of not nach dem ersten Teil Aufbrechen (Original Nervous conditions, 1988) folgte, gelesen, kenne also den im letzten Jahr ebenfalls in der Übersetzung durch Annette Grube erschienenen dritten Teil Überleben bisher noch nicht. Weiterlesen „Tsitsi Dangarembga – Verleugnen“

Viktor Funk – Wir verstehen nicht was geschieht

Wir verstehen nicht, was geschieht. Wie sollte man auch verstehen, was den geschätzt über fünf Millionen Sowjetbürgern nach ihrer Befreiung aus nazideutschen Konzentrations- und Arbeiterlagern, in die sie als Kriegsgefangene oder verschleppte Zwangsarbeiter:innen gerieten, in ihrer Heimat geschah. Hier erfuhren sie Stigmatisierung, Inhaftierung und häufig Verbannung und Tod, standen sie doch unter dem Generalverdacht, Vaterlandsverräter, Deserteure oder Spione zu sein. Laut Befehl 270 des Volkskommissars für Verteidigung der UdSSR vom 16. August 1941 durften sich sowjetische Soldaten, namentlich Offiziere nicht in Kriegsgefangenschaft begeben, sondern sollten sich im Zweifel selbst töten. Diese Direktive galt als Anlass, aus der Gefangenschaft zurückkehrende Soldaten in Filtrationslagern zu sammeln, zu verhören und häufig zu inhaftieren. So geschah es auch dem Physiker Lew Mischtschenko, dessen Schicksal Viktor Funk als Quelle für seinen Roman Wir verstehen nicht, was geschieht diente. Weiterlesen „Viktor Funk – Wir verstehen nicht was geschieht“

Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche

Ibiza eine sonnenverwöhnte Insel im Mittelmeer. Nicht unbedingt bekannt durch Literatur, die von dort stammt. Der Berenberg Verlag macht sich schon seit einigen Jahren um das Werk des von dort stammenden Autors Vicente Valero verdient und hat mit Krankenbesuche jüngst den vierten seiner Romane, essayistischen und autobiografischen Texte, immer in der hervorragenden  Übersetzung durch Peter Kultzen, veröffentlicht. Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche Weiterlesen „Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche“

Julia Wolf – Alte Mädchen

Dreimal drei Frauen bevölkern die drei Abschnitte im neuen Roman von Julia Wolf, Alte Mädchen, der zwar völlig unabhängig, von der Autorin aber als abschließender Teil einer Trilogie (Alles ist jetzt -2015, Walter Nowak bleibt liegen – 2017) gedacht ist. Weiterlesen „Julia Wolf – Alte Mädchen“

Elena Medel – Die Wunder

Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte sie, Jahrgang 1985, Gedichte und leitet mittlerweile einen eigenen Lyrikverlag. 2020 gelang Elena Medel dann ein Riesenerfolg mit ihrem Debütroman, der in 15 Sprachen übersetzt wurde und nun als Die Wunder in der Übersetzung von Susanne Lange auch auf Deutsch vorliegt, rechtzeitig zum Gastlandauftritt Spaniens bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Für idiesen feministischen Gesellschaftsroman über die jüngere Geschichte Spaniens erhielt Medel als erste Frau überhaupt 2020 den renommierten Premio Francisco Umbral. Weiterlesen „Elena Medel – Die Wunder“

Wolfgang Schiffer – Dass die Erde einen Buckel werfe

Wolfgang Schiffer wurde 1946 in Nettetal geboren und wuchs am Niederrhein auf. Es war eine einfache, wohl auch entbehrungsreiche Kindheit, der sich der Heranwachsende, der Gymnasiast, umgeben von Kindern aus „besseren Häusern“ auch manches Mal geschämt, hat, wie Wolfgang Schiffer in seinem schmalen, nachdenklichen Poesieband Dass die Erde einen Buckel werfe, bekennt. Weiterlesen „Wolfgang Schiffer – Dass die Erde einen Buckel werfe“

Malla Nunn – Ist die Erde hart

Die in Swasiland geborene und früh mit ihrer Familie nach Australien übergesiedelte Malla Nunn ist durch ihre Krimis um Detective Emmanuel Cooper, der im Apartheid-Südafrika der 1950er Jahre zusammen mit seinem Schwarzen Kollegen Detective Constable Shabalala ermittelt, bekannt. Kein schöner Ort zum Sterben war auch in Deutschland sehr erfolgreich.
Nun ist mit Ist die Erde hart ein Jugendroman von Malla Nunn von Else Laudan für die Ariadne Literaturbibliothek übersetzt worden. Und der lohnt sich auch für die erwachsenen Leser:innen. Weiterlesen „Malla Nunn – Ist die Erde hart“

Patrick Modiano – Unterwegs nach Chevreuse

Nachdem 2014 der Franzose Patrick Modiano den Literaturnobelpreis erhalten hatte, wurden der eher medienscheue Autor und seine stets schmalen, leisen, immer ein wenig flirrenden Romane endlich auf breiterer Ebene wahrgenommen. Fast dreißig sind es mittlerweile, Reden, Theaterstücke, Illustriertes mal beiseitegelassen. Die Literaturkritik interessiert sich immer noch (meist sehr angetan) für jedes neue Werk, das seit den späten 1960er Jahren fast immer pünktlich jedes zweite Jahr erscheint. Das Lesepublikum hingegen scheint sehr gespalten. Ein (etwas kleinerer) Teil, und dazu zähle ich seit langem mich, fiebert auf jede neue Veröffentlichung hin und verfolgt diese mit anhaltender Faszination. Der andere Teil spricht von Langeweile, Oberflächlichkeit, Redundanzen. Weiterlesen „Patrick Modiano – Unterwegs nach Chevreuse“

Sarah Jäger – Schnabeltier deluxe

Auf der Suche nach anspruchsvollen Texten für junge Leser:innen, die man auch als Erwachsener noch mit großem Vergnügen und Gewinn lesen kann, kommt man nicht um Sarah Jäger herum. Für ihren Debütroman, Nach vorn, nach Süden, der eine turbulente Roadnovel mit einer tiefgründigen Geschichte über Identitätsfindung verbindet und für den sie Preisträgerin des Kranichsteiner Jugendliteratur-Stipendiums 2021 wurde und den Luchs-Preis von DIE ZEIT und Radio Bremen erhielt, gilt das ebenso wie für den zweiten Roman Die Nacht so groß wie wir. Für diese Geschichte einer Abitursfeier-Nacht, die zugleich eine einfühlsame Freundschaftsgeschichte ist, wurde Sarah Jäger für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2022 in der Kategorie Jugendbuch nominiert. Es gilt die Daumen zu drücken. Und nun ein drittes Buch von Sarah Jäger, das den etwas merkwürdigen Titel Schnabeltier deluxe trägt. Was es damit auf sich hat, klärt sich erst ganz am Ende dieses wunderbaren Romans und soll hier nicht verraten werden. Weiterlesen „Sarah Jäger – Schnabeltier deluxe“