Donna Leon – Heimliche Versuchung und Volker Klüpfel und Michael Kobr – Kluftinger – Ein Krimizwischenspiel

Entspannendes Krimi-Zwischenspiel mit zwei Reihen, die ich zwar nicht konsequent, aber schon sehr lange verfolge: Donna Leon Heimliche Versuchung und Volker Klüpfel und Michael Kobr – Kluftinger

Heimliche Versuchung

Vor 25 Jahren erschien bei Diogenes der erste Fall für Commissario Guido Brunetti. Damals war der Boom der Regionalkrimis noch weit entfernt. Zwar gab es schon immer Krimi-Autoren, die ganz bestimmten Regionen einen wichtigen Platz in ihrer Handlung einräumten, also mit viel Lokalkolorit arbeiteten, und natürlich bedingen die so beliebten Krimi-Reihen in der Regel einen konstanten Schauplatz, wie beispielsweise Magdalen Nabb immer wieder Florenz wählte oder Jacques Berndorf, der mit seinen Eifel-Krimis in Deutschland erfolgreich war. Weiterlesen „Donna Leon – Heimliche Versuchung und Volker Klüpfel und Michael Kobr – Kluftinger – Ein Krimizwischenspiel“

Lektüre Mai 2018

Ein richtiger Wonnemonat war dieser Mai meistenteils. Sommerliche Temperaturen, viel Sonnenschein und ein wahres Blütenfeuerwerk im Garten. Leider habe ich dennoch kaum dort gelesen, denn es gab viel hier draußen zu tun, die DSGVO hat einige Aufmerksamkeit erfordert und auch ansonsten stand allerlei an. Dennoch fiel die Lektüre im Mai 2018, dann eben abends auf der geschützten Terrasse oder auf dem Sofa, ganz ordentlich aus. Weiterlesen „Lektüre Mai 2018“

Tracy Chevalier – Der Neue

Sechs Titel sind mittlerweile im Rahmen des Hogarth Shakespeare Projekts auf Deutsch erschienen. Lediglich Jo Nesbøs Fassung des Macbeth und Gillian Flynns Hamlet stehen noch aus, auf letzteres müssen wir wohl auch noch bis 2021 warten. Zeit, um mit der Fassung des „Othello“ von Tracy Chevalier, „Der Neue“, schon einmal ein kurzes, ganz subjektives Resümee zu schreiben. Weiterlesen „Tracy Chevalier – Der Neue“

Alexander Schimmelbusch – Hochdeutschland

Von ganz weit oben hinab in die tiefsten Niederungen geht nicht nur der Blick auf dem Cover von Alexander Schimmelbusch Roman „Hochdeutschland“. Hier ist es der Blick auf eine bewaldete Hügellandschaft nach dem Bild „Der Morgen“ des romantischen Malers Caspar David Friedrich.

Auch von der Anhöhe im hessischen Falkenstein, einem Stadtteil von Königstein im Hochtaunus, wo neben den Gemeinden rund um den Starnberger See die höchsten Einkommen zu finden sind und diejenigen wohnen, die im nahen Frankfurt viel oder sehr viel Geld verdienen, schaut man auf bewaldete Landschaften hinab. Genauso geht aber auch der Blick weiter bis auf die Skyline von Mainhattan mit ihren Bankentürmen. Hier wohnt in einer Villa Victor, der Protagonist des Romans. Weiterlesen „Alexander Schimmelbusch – Hochdeutschland“

Virginia Reeves – Ein anderes Leben als dieses

Alabama in den Zwanziger Jahren. Die Südstaaten der USA vollziehen seit 1896 eine strenge Form der Rassentrennung gemäß dem Grundsatz „Separate but equal“ (getrennt aber gleich), den das Bundesgericht legitimiert hatte. Für viele bedeutet das eine „zweite Sklaverei“ nach der Befreiung durch den Bürgerkrieg 1865. Und sie sollte andauern bis 1954. Aber auch danach änderten sich gerade in Alabama die Zustände nur zögerlich, wurde 1956 der ersten afroamerikanischen Studentin, Autherine Lucy, der Zugang zur Universität verwehrt, jeder kennt den Fall von Rosa Parks, die noch 1956 verhaftet wurde, weil sie einem weißen Fahrgast nicht ihren Sitzplatz überlassen wollte und auch heute sind die USA noch von einer wahren Gleichbehandlung aller Bürger weit entfernt. Virginia Reeves erzählt in Ein anderes Leben als dieses aus dieser Zeit. Weiterlesen „Virginia Reeves – Ein anderes Leben als dieses“

Guadalupe Nettel – Nach dem Winter

Guadalupe Nettel – Nach dem Winter

„ Als unvollkommene Wesen, die in einer unvollkommenen Welt leben, sind wir dazu verurteilt, stets nur Stückchen vom Glück zu finden.“

                                                                     Julio Ramón Ribeyro

Zunächst gilt es, den Winter zu überstehen – für die Protagonisten wie für den Leser. Es ist ein kalter, unwirtlicher, einsamer Winter. Die beiden Hauptfiguren verbringen ihn weit fort von ihrer Heimat. Sie sind moderne Migranten.

Statue Père Lachaise
Père Lachaise – Gourlot  [CC BY-SA 3.0], from Wikimedia Commons
Claudio stammt aus Havanna, Kuba und ist als Lektor in New York tätig. Kein atemberaubender Job, aber es reicht für das Leben in der teuren Metropole. Seinen Traum vom besseren Leben erfüllt er sich durch eine Affäre mit einer reichen, älteren Frau, Ruth, die er einerseits verachtet, weil sie sich an ihn hängt, obwohl er sie oft nicht gut behandelt und sich nicht binden will, ihm sie ihm jeden Wunsch erfüllt. Andererseits bewundert er sie auch wegen ihrer Gelassenheit und der Souveränität, mit der sie dies tut. Claudio ist mit seiner lateinamerikanischen Machopose, seiner Arroganz und Egozentrik wahrlich kein Sympathieträger. Aber er ist einer der zwei Ich-Erzähler in Guadalupe Nettels Roman. Und nach und nach lernt der Leser ihn ein wenig zu verstehen, wenn auch nicht zu schätzen. Weiterlesen „Guadalupe Nettel – Nach dem Winter“

Johan Bargum – Nachsommer

Die Entdeckung des finnischen, schwedisch schreibenden Schriftstellers Johan Bargum für den deutschen Buchmarkt verdanken wir vermutlich der Frankfurter Buchmesse, dessen Gastland Finnland 2014 war, der Roman „Septembernovelle“ erschien damals, ein subtil-raffiniertes Drama auf hoher See, das folgerichtig im Hamburger Mare Verlag eine Heimat fand. Nun erschien von Johan Bargum ein genauso schmales Werk, Nachsommer, das wieder im Spätsommer angesiedelt ist (genauso lautet sein Originaltitel: „Sensommar“; warum im Deutschen der sehr nach Adalbert Stifter klingende „Nachsommer“ daraus wurde ist eines der Rätsel der Titelgebung) und das aufgrund seiner Meeresnähe, hier ein im finnischen Schärengarten gelegenes Sommerhaus, dankenswerterweise wieder bei Mare erscheint. Das schwedische Original stammt bereits aus dem Jahr 1993.

Nur 142 Seiten benötigt Johan Bargum für seine psychologisch ausgesprochen fein beobachtete Familienstudie. Weiterlesen „Johan Bargum – Nachsommer“

Esther Kinsky – Hain

Esther Kinsky beginnt ihren Roman Hain mit einer Tradition aus rumänischen Kirchen. Dort wird an verschiedenen Stellen für die Lebenden und die Verstorbenen gebetet. Viǐ und morțǐ. Stirbt ein Mensch, für den eine Kerze entzündet wurde, wird diese nach seinem Tod auf die andere Seite getragen.

Ein Bild für die Seelenverfassung der Ich-Erzählerin und für den Charakter des Erzählten. Es ist eine Zwischen-, eine Übergangszeit nach dem Tod des Lebenspartners, M., ein Hinübergehen von der Zeit der lebendigen Zweisamkeit zum Leben ohne ihn. „Hain“ ist ein Buch der Trauer. Weiterlesen „Esther Kinsky – Hain“

Kristine Bilkau – Eine Liebe in Gedanken

Kristine Bilkau – Eine Liebe, in Gedanken

„Ich möchte an meiner Straße am Fenster sitzen und glauben, dass jeder, der vorbeigeht, ein Leben lebt, glücklich oder unglücklich, aber tief.“

Ein Zitat der finnischen Malerin Helene Schjerfbeck, die im neuen Roman von Kristine Bilkau zwar nur indirekt vorkommt, das Buch aber auf eine besondere Weise begleitet.

Es gibt diese Bücher, die von Anfang an gefangen nehmen, die zur Leserin sprechen, als wären sie für sie geschrieben. „Eine Liebe, in Gedanken“ von Kristine Bilkau ist ein solches Buch.

Es erzählt eine Liebesgeschichte, die eine Lebensgeschichte ist, und es erzählt vom Abschied einer Tochter von ihrer Mutter und, weniger endgültig, einer Mutter von ihrer Tochter. Weiterlesen „Kristine Bilkau – Eine Liebe in Gedanken“

Kristine Bilkau – Die Glücklichen – Backlist

Wir können sie uns sehr gut vorstellen, ja vielleicht ähneln wir ihnen sogar, den beiden Protagonisten des Romans von Kristine Bilkau, sie sind „Die Glücklichen“ und scheinen wie selbstverständlich davon auszugehen, ein gewisses Recht auf dieses Glück zu haben, das ihnen nicht gerade in den Schoß gefallen, aber auch nicht hart erarbeitet scheint.

Sie gehören zu der Schicht der Jungen, Erfolgreichen, Wohlsituierten, die gerade in den Städten so omnipräsent scheint. Weiterlesen „Kristine Bilkau – Die Glücklichen – Backlist“