litCOLOGNE 2017

Zur litCOLOGNE 2017

2001 startete in Köln ein literarisches Programm, das sich als absolute Erfolgsgeschichte herausstellen sollte: Mit damals 60 Veranstaltungen an 5 Tagen noch relativ überschaubar, gelang es aber schon zu Beginn, auch große Namen der Buchbranche anzuziehen: Leon de Winter war zu Gast, Louis Begley, Jostein Gaarder, Cornelia Funke und Nick Hornby.

Ein besonderer Augenmerk lag von Anfang an auf dem Kinderprogramm, der lit.kid.cologne. Unsere Kinder waren damals leider noch zu klein für die Einlesung sämtlicher damals erschienenen vier Harry Potter Bände durch Rufus Beck. Ein Jahr später trafen wir aber Hase Felix auf dem Köln-Bonner Flughafen, gingen mit dem jungen Pablo Picasso ins Museum Ludwig, später begegnete uns der kleine Pinguin Tamino im Kölner Zoo, wir gingen mit Mozart ins Musikgeschäft und mit den Kindern von Kokolores ins Elefantenhaus. Die Kinder waren jedes Mal sehr begeistert und auch wir Erwachsenen staunten über den Einfallsreichtum des Organisationsteams. Weiterlesen „litCOLOGNE 2017“

#indiebookday

Heute am 18. März 2017 ist es wieder soweit: Indiebookday!

Auf Initiative des kleinen, aber regen mairisch Verlags  wird seit 2013 jedes Jahr der indiebookday ausgerufen. Er soll an die wertvolle, unersetzbare Arbeit der vielen unabhängigen Klein- und Kleinstverlage erinnern und deren Bücher bewerben. Auf dass sie in der Veröffentlichungsflut und vor allem der immer intensiveren Bewerbung durch die „Großen“ nicht untergehen. Viel Idealismus und Herzblut steckt bei den „Kleinen“ mit drin und jedes Jahr werden kleine und große Schätze gehoben, was zum Glück auch immer mehr Anerkennung findet (man denke an die Erfolge beim Deutschen Buchpreis von Jung und Jung oder auch im vergangenen Jahr von der Frankfurter Verlagsanstalt). Dennoch verdienen die Unabhängigen noch viel mehr Aufmerksamkeit. Deshalb der Aufruf: Weiterlesen „#indiebookday“

Kim Thúy – Die vielen Namen der Liebe

Kim Thúy schreibt mit  Die vielen Namen der Liebe erneut einen zarten autofiktionalen Roman.

Schon früh wurde der kleinen Vi beigebracht, unsichtbar zu sein. Nicht nur, weil es in den Siebziger Jahren in Vietnam gefährlich sein konnte, aufzufallen. Nach Beendigung des Vietnamkrieges und dem Sieg des kommunistischen Nordteils des Landes, wurden unzählige Menschen, vor allem Intellektuelle, aber auch solche, die mit der vorherigen Regierung oder Amerikanern zusammengearbeitet hatten, verhaftet, verschleppt, hingerichtet. Ganzen Familien drohten Gefängnis oder oder die Inhaftierung in Umerziehungslagern. Weiterlesen „Kim Thúy – Die vielen Namen der Liebe“

Paul Auster – 4 3 2 1

Paul Austers Opus magnum, von ihm selbst Lebenswerk genannt, ein Buch mit über 1200 Seiten, zeitgleich im Original wie auf Deutsch erschienen, gleich auf Platz 2 der Spiegelbestsellerlisten geklettert (wenn auch nach wenigen Wochen schon wieder am Hinabgleiten, was auf eine eingeschworene Fan-Gemeinde hindeutet, die das Erscheinen herbeigesehnt hat und weniger auf „Gelegenheitskäufer“), hohe Rezensionsdichte in allen branchenrelevanten Medien, mal geliebt, mal als „zäh“ und „eindeutig zu lang“ bezeichnet – der pünktlich zum 70.Geburtstag von Paul Auster im Februar 2017 der geneigten Leserschaft vorgelegte Roman 4 3 2 1 hat es in sich. Weiterlesen „Paul Auster – 4 3 2 1“

Paul Auster – Bericht aus dem Inneren

Bereits ein Jahr nachdem Paul Auster seine autobiografischen Aufzeichnungen „Winterjournal“ veröffentlicht hatte, erschien der „Bericht aus dem Inneren“.

Da war wohl etwas noch nicht zu Ende erzählt, da wollten Dinge, Erinnerungen, Erkenntnisse niedergeschrieben werden, für die zuvor kein Raum war oder die dem Autor nach der Veröffentlichung noch auf der Seele lagen. So wurde der Bericht quasi zu einem Zwillingsbuch des Journals. Sollte in jenem ein „Katalog der Sinnesdaten“ erstellt werden, folgte nun ein Buch, das sich die Bewusstwerdung des Autors, seine Entwicklung vom vorbewussten Wahrnehmen des kleinen Kindes zum die Welt erfassenden Erwachsenen zum Thema nehmen mochte. Also eine Reise ins Innere. Weiterlesen „Paul Auster – Bericht aus dem Inneren“

Paula Fox ist tot

 

Paula Fox
Paula Fox 1923-2017

Durch eine ganz kleine Nachricht in meiner Tageszeitung, an den unteren Rand geheftet, erfuhr ich heute vom Tod der US-amerikanischen Schriftstellerin Paula Fox. „Kinderbuchautorin gestorben“ hieß es da in der Titelzeile.

Nun war die 1923 in New York geborene Paula Fox tatsächlich auch dies: eine wunderbare Kinder- und Jugendbuchautorin. Paul ohne Jakob, Ein Dorf am Meer und vor allem Ein Bild von Ivan haben meine Kinder und auch die Kritiken begeistert. Aber Paula Fox war auch eine herausragende Schriftstellerin jenseits dieser Alterszuweisung.

Ihre sechs Romane und die autobiografischen Werke erschienen in größeren Abständen, der erste „Pech für George“ 1967, „Zigarette“, ein Band mit Erzählungen und Essays 2011. Das allein ist, fehlt zudem eine gewisse Exzentrizität, den Auflagenzahlen nicht sehr zuträglich. Dennoch war Paula Fox in den 70 er Jahren in den USA recht erfolgreich, wurde ihr Roman „Was am Ende bleibt“ mit Shirley McLaine verfilmt.

Eine Renaissance erfuhr ihr Werk in den 90 er Jahren durch die Entdeckung und konsequente Werbung durch einen jungen Schriftstellerkollegen. (Auf diese Weise entdeckte man zum Beispiel auch Raymond Carver oder Richard Yates zum Glück wieder). Jonathan Franzen war es, der an die Werke Paul Foxs erinnerte. Dies führte auch zu einer gewissen Bekanntheit in Deutschland. Weiterlesen „Paula Fox ist tot“

Lektüre Februar 2017

Der Februar 2017 wurde für mich sehr von der Lektüre Paul Austers dominiert.

Nicht nur sein neues Werk 4 3 2 1 mit 1259 Seiten hat mich viele Lesestunden über begleitet, sondern auch seine beiden autobiografischen Werke „Winterjournal“ und „Bericht aus dem Inneren“ habe ich aus diesem Anlass noch einmal hervorgeholt und zumindest das erstere mit großem Gewinn erneut gelesen. Der „Bericht“ konnte mich nicht ganz so fesseln. Dennoch ein lohnendes Unterfangen, denn die enge Orientierung an Autobiografischem auch in 4 3 2 1 kam dadurch besonders intensiv und im direkten Vergleich spannend hervor. Am 17. März werde ich eine Lesung Austers besuchen. Ich bin sehr gespannt. Weiterlesen „Lektüre Februar 2017“

Paul Auster – Winterjournal

Paul Auster – Winterjournal

„Sprich jetzt, bevor es zu spät ist, und hoffentlich kannst du so lange sprechen, bis nichts mehr zu sagen ist. Schließlich verrinnt die Zeit. Vielleicht solltest du deine Geschichten fürs Erste einmal beiseite legen und zu ergründen versuchen, wie das für dich war, in diesem Körper zu leben – vom ersten Tag , an den du dich erinnern kannst, bis heute. Ein Katalog der Sinnesdaten. Was man eine Phämenologie des Atmens nennen könnte.

Zur Zeit der Entstehung des Winterjournals 2011 ist Paul Auster gerade 64 geworden, in den „Winter seines Lebens“ eingetreten. So viele seiner Familienangehörigen, Freunde und Weggefährten leben nicht mehr. Nicht zum ersten Mal Zeit, sich seines eigenen Lebens zu vergewissern, sich zu erinnern. Immer wieder tauchten auch in der Vergangenheit autobiografische Texte in Austers Werk auf, nicht zuletzt begann mit einem solchen, „Der Erfindung der Einsamkeit“ seine Karriere als Prosaschriftsteller, nachdem er einiges an Lyrik vorgelegt hatte. Auch in seinen Romanen findet man viel Material aus Austers eigenem Leben. Dieses in seinen autobiografischen Schriften wiederzufinden, ist ein Mehrwert bei der Lektüre. Weiterlesen „Paul Auster – Winterjournal“

Leipzig liest zur Leipziger Buchmesse 2017

Die Leipziger Buchmesse nähert sich in großen Schritten. Nachdem letzte Woche bereits die Finalisten für den Preis der Leipziger Buchmesse 2017 bekannt gegeben wurden, steht nun auch das Programm für Leipzig liest 2017, nach eigenem Bekunden „Europas größtes Lesefest“, zum Anschauen und Planen bereit.

Seit vielen, vielen Jahren besuche ich die Frankfurter Buchmesse und das sie begleitende Lesungsprogramm „Open Books“, ebenfalls als „Lesefest“ tituliert. Erst zum dritten Mal werde ich nun in Leipzig zu Gast sein. Weiterlesen „Leipzig liest zur Leipziger Buchmesse 2017“

Bill Clegg – Fast eine Familie


Bill Clegg - Fast eine Familie

 

Bill Clegg – Fast eine Familie

„Und kein Mensch wird sich an uns erinnern – wer wir waren und was hier geschehen ist. Sand wird über die Pacific Avenue und gegen die Fenster des Moonstone wehen, und neue Menschen werden kommen und den Strand hinunter zum großen Ozean gehen. Sie werden verliebt sein oder verloren, und sie werden keine Worte haben. Und das Rauschen der Wellen wird für sie klingen wie für uns, als wir es das erste Mal gehört haben.“

So endet Bill Cleggs Roman „Fast eine Familie“ (Original: „Did you ever have a family?“)

Es ist der erste Roman nach der Veröffentlichung zweier Memoirs, die er über seine Drogensucht, den Entzug und seine Rehabilitierung geschrieben hat. Mittlerweile arbeitet Clegg wieder als äußerst erfolgreicher Literaturagent.

In den Schlussworten des Romans klingt dessen Stimmung sehr schön an: Er ist zart und lyrisch, ruhig und gemessen. Ein wenig korrespondiert der Ton mit den leicht betäubten, trauernden Menschen von denen er erzählt. Weiterlesen „Bill Clegg – Fast eine Familie“