Es ist ein leider beinahe klassisches Szenario in unterschiedlichen Regionen der Welt. In nach der Kolonialzeit in die Unabhängigkeit gelangten Staaten brechen unterdrückte Konflikte zwischen verschiedenen ethnischen und/oder religiösen Gruppen vehement auf, beim Kampf um Macht und Vorherrschaft kommt es oft zu Konflikten, die häufig in Bürgerkriege, Massaker oder gar Völkermorde, wie 1994 in Ruanda (auch das üblich, Jahrzehnte nach Ende der kolonialen Unterdrückung) münden. Vielfach werden wie dort einstmals (vermeintlich oder real) von den Kolonialmächten bevorzugte Minderheiten im Land nun von der Bevölkerungsmehrheit diskriminiert, verfolgt oder sogar bekämpft. Zwischen 1983 und 2009 tobte ein solcher Bürgerkrieg auf Sri Lanka, dem vormaligen Ceylon, das 1948 die Unabhängigkeit von Großbritannien erlangte. Aktuell (und immer wieder) flackert der Konflikt zwischen der singhalesischen, vorwiegend buddhistischen Bevölkerungsmehrheit und den meistenteils hinduistischen Tamilen im Norden des Landes wieder auf. Welche Wunden der Bürgerkrieg neben den geschätzt bis zu 100.000 Todesopfern geschlagen hat und wie diese auch heute noch zu spüren sind, erzählt der sri-lankische Autor Anuk Arudpragasam eindrücklich in Nach Norden. Weiterlesen „Anuk Arudpragasam – Nach Norden“
Kategorie: Rezensionen
Volker Kutscher – Transatlantik
Der mittlerweile neunte Gereon-Rath-Roman von Volker Kutscher, Transatlantik, ist soeben erschienen. Die Veröffentlichung fällt zwar zusammen mit dem Sendestart der 4. Staffel des an der Serie orientierten bildgewaltigen „Babylon Berlin“, ich werde aber nicht müde zu betonen, dass Buch und Fernsehserie herzlich wenig miteinander zu tun haben. Die völlig frei adaptierte Verfilmung geht derart sorg- und gewissenlos mit ihrer Vorlage und vor allem den Protagonist:innen um, dass man die Bücher höchstens als Ideengeber betrachten kann. Die Romane von Volker Kutscher sind wesentlich historisch genauer, atmosphärisch treffender und vor allem tiefgründiger als die auf starke Effekte bauenden Filme. Weiterlesen „Volker Kutscher – Transatlantik“
Abdulrazak Gurnah – Nachleben
Seitdem der britisch-tansanische Autor Abdulrazak Gurnah im vergangenen Jahr den Literaturnobelpreis verliehen bekommen hat, sind bereits drei seiner auf Deutsch zuvor nur noch antiquarisch zu erhaltenden Roman neu im Penguin Verlag erschienen, das zuletzt erschienene Nachleben (Original 2020) in einer neuen Übertragung durch Eva Bonné. Die vorherigen Veröffentlichungen (Das verlorene Paradies und Ferne Gestade) haben genau wie der im kommenden Frühjahr erscheinende Titel Die Abtrünnigen ihre alten Übersetzungen beibehalten (lediglich durchgesehen), die von drei jeweils unterschiedlichen Übersetzer:innen stammen. Vier Bücher, vier Übersetzer:innen – das ist zwar verständlich (man will schnell liefern), aber auch bedauerlich. Der Atem der drei Verlage bei den drei zwischen 1992 und 2006 erstmals auf Deutsch veröffentlichten Titeln war anscheinend nicht lang genug, um dem Autor treu zu bleiben. Weiterlesen „Abdulrazak Gurnah – Nachleben“
Toril Brekke – Ein rostiger Klang von Freiheit
Als 2019 Norwegen Gastland der Frankfurter Buchmesse war, tauchte der Name Toril Brekke, zumindest für mich, nicht auf. Dabei hatte die 1949 geborene Autorin schon etliche ihrer Bücher in Deutschland veröffentlicht. Nur erschien leider keines davon neu oder in Neuauflage. Umso schöner, dass man nun mit Rostiger Klang der Freiheit ihren neuesten Roman von Toril Brekke in der Übertragung von Gabriele Haefs bei Stroux edition entdecken kann. Weiterlesen „Toril Brekke – Ein rostiger Klang von Freiheit“
Gloria Naylor – Linden Hills
Die US-amerikanische Autorin Gloria Naylor (1950-2016) war mir bisher nicht bekannt, obwohl drei ihrer Romane, die ein Quartett rund um das Leben von afroamerikanischen Frauen in den USA bilden, bereits in den 1990er Jahren auch auf Deutsch veröffentlicht wurden. Linden Hills, der zweite Roman, den Gloria Naylor 1985 schrieb, fehlte bisher und wird nun in der Übersetzung von Angelika Kaps vom Unionsverlag veröffentlicht, der auch den ersten, mit dem National Book Award First Novel 1983 ausgezeichneten Roman, Die Frauen von Brewster Place, neu herausgegeben hat. Im nächsten Jahr soll der dritte, Mama Day, erscheinen. Weiterlesen „Gloria Naylor – Linden Hills“
Tsitsi Dangarembga – Verleugnen
Mit Verleugnen ist nun auch der letzte Band der Tambudzai-Trilogie der Friedenspreisträgerin Tsitsi Dangarembga auf Deutsch erschienen. Ich habe ihn nach der eigentlichen Reihenfolge, in der er im Original 2006 als The book of not nach dem ersten Teil Aufbrechen (Original Nervous conditions, 1988) folgte, gelesen, kenne also den im letzten Jahr ebenfalls in der Übersetzung durch Annette Grube erschienenen dritten Teil Überleben bisher noch nicht. Weiterlesen „Tsitsi Dangarembga – Verleugnen“
Viktor Funk – Wir verstehen nicht was geschieht
Wir verstehen nicht, was geschieht. Wie sollte man auch verstehen, was den geschätzt über fünf Millionen Sowjetbürgern nach ihrer Befreiung aus nazideutschen Konzentrations- und Arbeiterlagern, in die sie als Kriegsgefangene oder verschleppte Zwangsarbeiter:innen gerieten, in ihrer Heimat geschah. Hier erfuhren sie Stigmatisierung, Inhaftierung und häufig Verbannung und Tod, standen sie doch unter dem Generalverdacht, Vaterlandsverräter, Deserteure oder Spione zu sein. Laut Befehl 270 des Volkskommissars für Verteidigung der UdSSR vom 16. August 1941 durften sich sowjetische Soldaten, namentlich Offiziere nicht in Kriegsgefangenschaft begeben, sondern sollten sich im Zweifel selbst töten. Diese Direktive galt als Anlass, aus der Gefangenschaft zurückkehrende Soldaten in Filtrationslagern zu sammeln, zu verhören und häufig zu inhaftieren. So geschah es auch dem Physiker Lew Mischtschenko, dessen Schicksal Viktor Funk als Quelle für seinen Roman Wir verstehen nicht, was geschieht diente. Weiterlesen „Viktor Funk – Wir verstehen nicht was geschieht“
Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche
Ibiza eine sonnenverwöhnte Insel im Mittelmeer. Nicht unbedingt bekannt durch Literatur, die von dort stammt. Der Berenberg Verlag macht sich schon seit einigen Jahren um das Werk des von dort stammenden Autors Vicente Valero verdient und hat mit Krankenbesuche jüngst den vierten seiner Romane, essayistischen und autobiografischen Texte, immer in der hervorragenden Übersetzung durch Peter Kultzen, veröffentlicht. Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche Weiterlesen „Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche“
Literatur aus Spanien – Neuerscheinungen II/2022
Gastland der Frankfurter Buchmesse 2022 – Neuerscheinungen – Literatur aus Spanien Weiterlesen „Literatur aus Spanien – Neuerscheinungen II/2022“
Julia Wolf – Alte Mädchen
Dreimal drei Frauen bevölkern die drei Abschnitte im neuen Roman von Julia Wolf, Alte Mädchen, der zwar völlig unabhängig, von der Autorin aber als abschließender Teil einer Trilogie (Alles ist jetzt -2015, Walter Nowak bleibt liegen – 2017) gedacht ist. Weiterlesen „Julia Wolf – Alte Mädchen“









