Wir verstehen nicht, was geschieht. Wie sollte man auch verstehen, was den geschätzt über fünf Millionen Sowjetbürgern nach ihrer Befreiung aus nazideutschen Konzentrations- und Arbeiterlagern, in die sie als Kriegsgefangene oder verschleppte Zwangsarbeiter:innen gerieten, in ihrer Heimat geschah. Hier erfuhren sie Stigmatisierung, Inhaftierung und häufig Verbannung und Tod, standen sie doch unter dem Generalverdacht, Vaterlandsverräter, Deserteure oder Spione zu sein. Laut Befehl 270 des Volkskommissars für Verteidigung der UdSSR vom 16. August 1941 durften sich sowjetische Soldaten, namentlich Offiziere nicht in Kriegsgefangenschaft begeben, sondern sollten sich im Zweifel selbst töten. Diese Direktive galt als Anlass, aus der Gefangenschaft zurückkehrende Soldaten in Filtrationslagern zu sammeln, zu verhören und häufig zu inhaftieren. So geschah es auch dem Physiker Lew Mischtschenko, dessen Schicksal Viktor Funk als Quelle für seinen Roman Wir verstehen nicht, was geschieht diente. Weiterlesen „Viktor Funk – Wir verstehen nicht was geschieht“
Lektüre Oktober 2022
Der Oktober – für alle Literaturmenschen natürlich in erster Linie der Buchmessenmonat. Auch ich habe auf die erste „richtige“ Messe seit Beginn der Corona-Pandemie hingefiebert. Zwar war die besondere Messe im vergangenen Jahr ohne viele Veranstaltungen, ohne Stand-Partys und Bloggertreffen, mit viel weniger Menschen und viel, viel Platz in den Hallen auch sehr schön (da man viel mehr Zeit hatte) und sogar die reine Presse-Messe 2020 hatte ihren Reiz, aber natürlich war diese Messe 2022 ein großes Fest. So viele Wiedersehen, so viele Einladungen, so viel Input wie lange nicht mehr. Ich möchte mich bei allen bedanken, die dazu beigetragen haben. Es folgt sicher auch noch ein Messe-Rückblick, aber ich muss mich immer noch sortieren. Die Lektüre fiel deshalb in diesem Oktober 2022 vielleicht ein bisschen weniger üppig aus als sonst, ich bin aber dennoch sehr zufrieden. Weiterlesen „Lektüre Oktober 2022“
Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche
Ibiza eine sonnenverwöhnte Insel im Mittelmeer. Nicht unbedingt bekannt durch Literatur, die von dort stammt. Der Berenberg Verlag macht sich schon seit einigen Jahren um das Werk des von dort stammenden Autors Vicente Valero verdient und hat mit Krankenbesuche jüngst den vierten seiner Romane, essayistischen und autobiografischen Texte, immer in der hervorragenden Übersetzung durch Peter Kultzen, veröffentlicht. Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche Weiterlesen „Vicente Valero – Die Fremden, Übergänge, Schachnovellen, Krankenbesuche“
Literatur aus Spanien – Neuerscheinungen II/2022
Gastland der Frankfurter Buchmesse 2022 – Neuerscheinungen – Literatur aus Spanien Weiterlesen „Literatur aus Spanien – Neuerscheinungen II/2022“
Literatur aus Spanien – Neuerscheinungen I/2022
Gastland der Frankfurter Buchmesse 2022 – Neuerscheinungen – Literatur aus Spanien
Nach den Pandemiejahren 2020 und 2021, die den Gastlandauftritt Spaniens um ein Jahr verschoben (Kanada konnte auf der unter eingeschränkten Corona-Bedingungen erst 2021 seinen Gastlandpavillon eröffnen), präsentieren nun unter dem Motto „Creatividad desbordande“ Verlage aus Spanien Neuerscheinungen aus den Bereichen Literatur, Sachbuch und Kinder/Jugendbuch in Frankfurt. Spanien ist ein starkes, vielfältiges Literaturland, das auch in meinen Regalen schon lange einen bedeutenden Platz einnimmt. 24,1 % der veröffentlichten Bücher sind in anderen Amtssprachen als Spanisch wie Galizisch, Katalanisch, Baskisch und anderen verfasst. Der Gastlandauftritt ist sehr weiblich geprägt. Besonders junge Autorinnen sind stark vertreten. Ein sehr umfassender, vielseitiger und interessanter Internetauftritt lädt zum Entdecken ein. Und auch ich möchte euch in einigen Beiträgen einladen, neue und ältere Literatur aus Spanien kenenzulernen. Weiterlesen „Literatur aus Spanien – Neuerscheinungen I/2022“
Julia Wolf – Alte Mädchen
Dreimal drei Frauen bevölkern die drei Abschnitte im neuen Roman von Julia Wolf, Alte Mädchen, der zwar völlig unabhängig, von der Autorin aber als abschließender Teil einer Trilogie (Alles ist jetzt -2015, Walter Nowak bleibt liegen – 2017) gedacht ist. Weiterlesen „Julia Wolf – Alte Mädchen“
Lektüre August und September 2022
Die letzten beiden Monate waren so arbeitsintensiv, dass ich tatsächlich den Monats-Lektüre Beitrag für den August 2022 vergessen habe und auch der September verspätet kommt. Deshalb folgen nun zwei Monate im Doppelpack. Weiterlesen „Lektüre August und September 2022“
Elena Medel – Die Wunder
Bereits mit 17 Jahren veröffentlichte sie, Jahrgang 1985, Gedichte und leitet mittlerweile einen eigenen Lyrikverlag. 2020 gelang Elena Medel dann ein Riesenerfolg mit ihrem Debütroman, der in 15 Sprachen übersetzt wurde und nun als Die Wunder in der Übersetzung von Susanne Lange auch auf Deutsch vorliegt, rechtzeitig zum Gastlandauftritt Spaniens bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober. Für idiesen feministischen Gesellschaftsroman über die jüngere Geschichte Spaniens erhielt Medel als erste Frau überhaupt 2020 den renommierten Premio Francisco Umbral. Weiterlesen „Elena Medel – Die Wunder“
Wolfgang Schiffer – Dass die Erde einen Buckel werfe
Wolfgang Schiffer wurde 1946 in Nettetal geboren und wuchs am Niederrhein auf. Es war eine einfache, wohl auch entbehrungsreiche Kindheit, der sich der Heranwachsende, der Gymnasiast, umgeben von Kindern aus „besseren Häusern“ auch manches Mal geschämt, hat, wie Wolfgang Schiffer in seinem schmalen, nachdenklichen Poesieband Dass die Erde einen Buckel werfe, bekennt. Weiterlesen „Wolfgang Schiffer – Dass die Erde einen Buckel werfe“
Malla Nunn – Ist die Erde hart
Die in Swasiland geborene und früh mit ihrer Familie nach Australien übergesiedelte Malla Nunn ist durch ihre Krimis um Detective Emmanuel Cooper, der im Apartheid-Südafrika der 1950er Jahre zusammen mit seinem Schwarzen Kollegen Detective Constable Shabalala ermittelt, bekannt. Kein schöner Ort zum Sterben war auch in Deutschland sehr erfolgreich.
Nun ist mit Ist die Erde hart ein Jugendroman von Malla Nunn von Else Laudan für die Ariadne Literaturbibliothek übersetzt worden. Und der lohnt sich auch für die erwachsenen Leser:innen. Weiterlesen „Malla Nunn – Ist die Erde hart“









