Das Archipel der Kanaren ist ein Ort im Abseits. Die sieben Hauptinseln liegen zwischen 100 und 500 Kilometer vor der Küste Nordwestafrikas, zu dem sie geologisch gehören, sind aber als eine von 17 Autonomen Gemeinschaften Teil des fast 1500 Kilometer entfernten Mutterlandes Spanien. So ein Blick vom Rand ermöglicht manchmal einen genaueren, präziseren Blick. Inger-Maria Mahlke legt ihn mit Archipel vor.
Diesen Blick hat die 1977 in Hamburg geborene Inger-Maria Mahlke auch als deutsche Schriftstellerin, wenn sie auf die Geschichte Teneriffas, der größten und bevölkerungsreichsten der Inseln, blickt. Dennoch ist es nicht der Blick der Zugereisten, gar der Touristin, denn Mahlke hat kanarische Wurzeln. Ihre Mutter stammt aus der geschichtsträchtigen ehemaligen Inselhauptstadt San Cristóbal de La Laguna, wo auch die Geschichte um mehrere Familien in „Archipel“ angesiedelt ist. Sie führt uns durch fast einhundert Jahre Inselhistorie, die immer auch spanische und letztlich europäische Historie ist. Ein im deutschsprachigen Roman eher abseitiges Thema, das aber so spannend dargebracht wird, dass es die Autorin damit auf die Shortlist des diesjährigen Deutschen Buchpreis geschafft hat, der am Montag verliehen wird. Weiterlesen „Inger-Maria Mahlke – Archipel“ →