Richard Russo – Ein Mann der Tat

Der US-amerikanische Autor Richard Russo wurde in Deutschland erst in den letzten Jahren so richtig bekannt. Sein 2010 bei Dumont erschienener, übrigens großartiger Roman „Diese alte Sehnsucht“ ging noch relativ unter. Erst mit der Veröffentlichung von „Diese gottverdammten Träume“, der breites Kritikerlob und mediale Öffentlichkeit bekam, aber auch die Herzen vieler LeserInnen eroberte, wurde er hierzulande richtig populär. Nun erscheint der neue Roman von Richard Russo – Ein Mann der Tat. Weiterlesen „Richard Russo – Ein Mann der Tat“

Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #1 – Meine persönliche Shortlist + UPDATE Die offizielle Shortlist

Im vergangenen Jahr 2016 wurde von Bozena Anna Badura, Janine Hasse und Sarah Jäger, die gemeinsam das Blog „Das Debüt“ 2017 führen, zum ersten Mal ein Preis für einen Debütroman ausgelobt, und zwar ein reiner Bloggerpreis, der von interessierten Bloggerkollegen aus einer von den Initiatorinnen zusammengestellten Shortlist ausgewählt wurde. Weiterlesen „Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #1 – Meine persönliche Shortlist + UPDATE Die offizielle Shortlist“

Volker Kutscher – Moabit

Die Romane von Volker Kutscher aus dem Berlin der Zwanziger und Dreißiger Jahre rund um den Kriminalkommissar Gereon Rath und Charly Ritter sind mittlerweile fast ein wenig Kult, nun erscheint Moabit. Seit diesem Frühjahr gibt es zusätzlich zu den mittlerweile erschienenen sechs Bänden eine von Arne Jysch illustrierte Graphic Novel von „Der nasse Fisch“ und die gerade angelaufene Fernsehserie „Babylon Berlin“, die auf den Büchern beruht, zeichnet als die bislang teuerste Fernsehproduktion und erlangte gewaltige Medienaufmerksamkeit obwohl sie bislang nur auf dem Bezahlsender Sky läuft. Weiterlesen „Volker Kutscher – Moabit“

Lektüre Oktober 2017

Oktober ist wie immer der Buchmessenmonat. Paradoxerweise immer ein Monat, in dem besonders wenig gelesen wird. Vorbereitungen, vorzuholende Arbeit, Planungen und die vielen Veranstaltungen sind meist ein Grund für viel zu wenig Lesezeit. Aber da sich der Monat ja um Bücher und Autoren dreht, ist das zu verschmerzen. Hier meine Lektüre im Oktober 2017. Weiterlesen „Lektüre Oktober 2017“

Mohsin Hamid – Exit West

Rezension zu Mohsin Hamid – Exit West :

Laut UN sind weltweit mehr als 65 Millionen Menschen auf der Flucht. Sei es vor Kriegen, Terror, politischen Verfolgungen, sexuellen Diskriminierungen, aus purer Not oder Perspektivlosigkeit, diese Menschen zieht es in den Westen, manchmal trotz Vorbehalten gegenüber den dort herrschenden Werten und der Lebensweise dort, immer aber mit der großen Hoffnung, ein besseres, ein erfüllteres Leben zu finden. Auch wenn die Wahrnehmung in der Öffentlichkeit nicht mehr so groß ist wie in den Jahren 2015/2016, als sich besonders viele Menschen aus dem Nahen Osten und dem nördlichen Afrika aufmachten, ihr Glück in Europa zu suchen, beherrscht das Thema die Nachrichten im Fernsehen und den Printmedien, bestimmt es Wahlkämpfe mit, entzweit es die Bevölkerungen der westlichen Staaten darüber, wie umzugehen ist mit diesem Phänomen, das nicht einfach verschwindet, das sich als eine feste Konstante des globalisierten 21. Jahrhunderts festzusetzen scheint. Weiterlesen „Mohsin Hamid – Exit West“

Leïla Slimani – Dann schlaf auch du

2016 gewann der Roman „Chanson Douce“ (Wiegenlied) der französisch-marokkanischen Schriftstellerin Leïla Slimani den bedeutendsten Literaturpreis Frankreichs, den Prix Goncourt – nun liegt er als Dann schlaf auch du auf Deutsch vor. Bereits davor war das Buch ein großer Publikumserfolg. Er schien einen Nerv zu treffen.

Das kann nicht nur am leicht reißerischen Auftakt liegen, der den Ausgang des Geschehens vorwegnimmt.

„Das Baby ist tot. Wenige Sekunden haben genügt. Der Arzt hat versichert, dass es nicht leiden musste. Man hat es in eine graue Hülle gelegt und den Reißverschluss über dem verrenkten Körper zugezogen, der inmitten der Spielzeuge trieb. Die Kleine war dagegen am Leben, als die Sanitäter kamen. Sie hatte sich gewehrt wie eine Wilde.“ Weiterlesen „Leïla Slimani – Dann schlaf auch du“

Madeleine Thien – Sag nicht wir hätten gar nichts

„Die Internationale“, jenes „Kampflied der sozialistischen Arbeiterbewegung“, das die Einheit der Arbeiter über alle Ländergrenzen hinweg beschwört, existiert selbst in unzähligen nationalen Textfassungen, die voneinander jeweils nicht unerheblich abweichen können. Ursprünglich stammt der Text von Eugène Pottier, der ihn 1871 nach dem Fall der Pariser Kommune verfasste. In der bekanntesten deutschen Version von 1910 heißt es, neben der allseits bekannten Zeile „Völker hört die Signale, Auf zum letzten Gefecht! Die Internationale erkämpft das Menschenrecht“, am Ende der ersten Strophe: „Ein Nichts zu sein, tragt es nicht länger/Alles zu werden, strömt zuhauf!“ (im Original: „Nous ne sommes rien, soyons tous“). In ihrer chinesischen Version wird daraus, in der englischen Übertragung, „Do not say we have nothing, we shall be the masters of the world“. Von hier stammt der Titel des große Romans von Madeleine Thien über mehr als sechzig Jahre chinesische Geschichte – Sag nicht wir hätten gar nichts – dankenswerter Weise in der deutschen Ausgabe beibehalten. Weiterlesen „Madeleine Thien – Sag nicht wir hätten gar nichts“

Lektüre September 2017

Der Kopf war so voll mit Buchmessenvor- und -nachbereitungen, Lesungen, Neuerscheinungsflut und nicht zuletzt Alltag, dass dieses Mal tatsächlich der Rückblick auf die Lektüre im September 2017 vergessen ging. So viele wunderbare Bücher waren dabei, dass ich das aber unbedingt nachholen möchte bevor schon wieder der Oktober dran ist. Weiterlesen „Lektüre September 2017“

Verena Boos – Kirchberg

Verena Boos erzählt in Kirchberg von einer Heimkehr.

Johanna kehrt nach Jahren, die sie in Berlin, New York und Italien gelebt hat, zurück in die kleine Gemeinde im Schwarzwald, in der sie bei ihren Großeltern aufgewachsen ist. Das alte Schulhaus steht nach dem Tod der Großeltern schon ein paar Jahre leer, aber es atmet noch Vertrautes. Auch die Nachbarn und der Jugendfreund Patrizio sind bald zur Stelle. Für Hanna ist es eine Reise in ihre Kindheit und Jugendzeit, in glückliche Jahre, aber auch zurück zu schmerzvollen Erinnerungen. Erinnerungen daran, dass ihre Mutter sie nicht hat haben wollen. Daran, dass die Großeltern sie nur knapp vor einer Adoption bewahrt haben. Daran, dass die Mutter sich auch später, auch heute, kaum um sie kümmert. Selbst heute nicht.

Es ist auch eine Flucht. Weiterlesen „Verena Boos – Kirchberg“

Madeleine Prahs – Die Letzten

Sie sind die Letzten in der Hebelstraße 13. Alle anderen haben sich locken lassen von den Angeboten des auf Mietsteigerung durch Kernsanierung spekulierenden Vermieters Thomas Grube. Oder sie haben resigniert, waren den Drohungen und Schikanen nicht länger gewachsen und sind dann doch ausgezogen. Nur drei der einst fünfzehn Parteien sind dem zunehmenden Druck noch nicht gewichen, den Bauarbeiten im Treppenhaus, der unterbrochenen Wasserversorgung, der drohenden Räumungsklage. Madeleine Prahs erzählt in Die Letzten von ihnen. Weiterlesen „Madeleine Prahs – Die Letzten“