Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben

Hanya Yanagihara - Ein wenig Leben

Es ist schwer, über ein Buch zu schreiben, das im Moment in aller Munde ist. Einige Leser diskutieren die Optionen Weiterlesen oder Abbrechen. Das war für mich nie die Frage, obwohl der Text dem Leser so einiges zumutet.

Da ist natürlich zunächst der schiere Umfang des Textes, 958 Seiten, die müssen erst einmal gelesen werden.

Aber viel schwerer zu bewältigen ist das, worüber Hanya Yanagihara in „Ein wenig Leben“ schreibt. Das Buch ist mit so viel Leid, Trauer, Grausamkeit, Ungerechtigkeit und Verzweiflung angefüllt, dass es das Lesen wirklich zu einer Herausforderung macht, an den Nerven zehrt und die Leserin tatsächlich so manches Mal an ihre Grenzen führt. Weiterlesen „Hanya Yanagihara – Ein wenig Leben“

Richard Yates – Eine letzte Liebschaft

Richard Yates – Eine letzte Liebschaft

Richard Yates - Eine letzte Liebschaft

Neun letzte, bisher noch nicht in Buchform veröffentlichte Erzählungen des 1992 verstorbenen großen amerikanischen, zu Lebzeiten leider nie angemessen erfolgreichen Erzählers.

Yates ist der Meisters der erzählerischen Verdichtung, der Aufspürer auch feinster Risse in der Existenz, der gnadenlose und doch so mitfühlende Beobachter der ganz alltäglichen Selbsttäuschungen. Weiterlesen „Richard Yates – Eine letzte Liebschaft“

Jonathan Safran Foer – Hier bin ich

Jonathan Safran Foer – Hier bin ich

Jonathan Safran Foer - Hier bin ich„Hier bin ich“ heißt der neue Roman, den Jonathan Safran Foer nach langer Pause veröffentlicht hat. Sein bisher dritter.

„Hier bin ich“. So antworten die Stammväter in der Bibel, nachdem Gott sie gerufen hat. Sie sind ganz für ihn da. Ohne Vorbehalte, ohne Bedingungen. Sei es Abraham, der seinen Sohn Issak als Brandopfer darbringen soll, sei es Moses vor dem brennenden Dornbusch.

„Hier bin ich“ – diese Zusage zu bedingungsloser Solidarität seiner Eltern wünscht sich der 13 jährige Sam, als ihm wegen rassistischer und unflätiger Schmierereien droht, von der bevorstehenden Bar Mizwa, jener großen jüdischen Tradition an der Schwelle zum Erwachsensein, ausgeschlossen zu werden. Für seine Eltern eine mittlere Katastrophe, nicht nur weil schon alle Vorbereitungen inklusive der Anreise der israelischen Verwandtschaft abgeschlossen sind. Nein, obwohl nicht sonderlich religiös, hängt ihr jüdisches Selbstverständnis doch sehr an solchen Traditionen.

 

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John Williams – Augustus

John Williams – Augustus

John Williams - Augustus

Ein historischer Roman, der bereits 1971 erschienen ist, dessen Autor seit mehr als 20 Jahren tot ist und der nichts von dem enthält was (meist nicht die besten) Bücher dieses Genres sonst bei ihren LeserInnen so beliebt macht, nämlich das sinnenfrohe Eintauchen in das Leben vergangener Epochen, das Identifizieren mit den historischen Personen, gerne durch eine Entwicklungs- oder Liebesgeschichte, das opulente, breite Fabulieren. Dazu noch eine historische Epoche, die über 2000 Jahre zurück liegt – keines der bestsellerverdächtigen Zeitalter wie Mittelalter oder Tudorzeit.

Auch wenn der Autor damit 1973 den renommierten National Book Award gewann, wäre der bisher noch nicht ins Deutsche übersetzte und wohl auch im Original nicht besonders erfolgreiche Roman „Augustus“ sicher niemals bei uns erschienen, wenn das Vorgängerbuch „Stoner“ des Autors John Williams nicht ein so überraschender wie fulminanter Erfolg gewesen wäre. Welch Glück, dass es anders gekommen ist! Weiterlesen „John Williams – Augustus“

Ann Tyler – Die störrische Braut

Ann Tyler – Die störrische Braut

Die stoerrische Braut von Anne TylerIm Rahmen des Hogarth Shakespeare Projects, im Herbst 2015 anlässlich des 400. Todestages des großen Dramatikers 2016 gestartet, erschien im Oktober 2016 Ann Tylers Adaption von „Der widerspenstigen Zähmung“ („The taming oft he shrew“) unter dem Titel „Die störrische Braut“ auf Deutsch (Originaltitel: „Vinegar girl“). Weiterlesen „Ann Tyler – Die störrische Braut“

John Fante – 1933 war ein schlimmes Jahr

John Fante - 1933 war ein schlimmes Jahr

John Fante – 1933 war ein schlimmes Jahr: Ein kleines Buch kommt groß heraus. Spätestens durch das 4:0 im Literarischen Quartett „geadelt“, bekommt dieses nur 144 Seiten starke Buch, eher eine Erzählung als ein Roman, endlich eine größere Aufmerksamkeit.

Erschienen ist es im Original 1985 posthum und bereits 1986 in deutscher Übersetzung, damals im Eichborn Verlag unter dem Titel „Es war ein merkwürdiges Jahr“. Vielleicht glaubte man, durch das Nennen der Jahreszahl 1933 im deutschsprachigen Raum falsche Assoziationen zu wecken. Auch Fantes andere Werke sind auf Deutsch veröffentlicht worden sind, vorwiegend im Goldmann Verlag. Diese nur noch antiquarisch zu bekommenden Exemplare erzielen mittlerweile hohe Preise, was das Interesse des Lesepublikums wiederspiegelt und hoffentlich zu weiteren Neuauflagen führen wird. Seit 2003 zeichnet der Schweizer Autor Alex Capus für die Übersetzung verantwortlich, so auch für „1933 war ein schlimmes Jahr“.

 

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Nathan Hill – Geister

Nathan Hill – Geister

Nathan Hill - Geister

Wähle dein eigenes Abenteuer

Der kleine Samuel hat diese Bücher geliebt. Konnte man doch an entscheidenden Schnittstellen als Leser entscheiden wie es weiter ging, notfalls zurückblättern und doch die andere Abzweigung wählen. Jedes Mal ergab sich eine andere, aber jedes Mal sinnvolle Geschichte.

Schon sehr bald dämmerte es ihm aber, dass es im realen Leben nicht immer so einfach läuft. Dass man nicht immer die freie Wahl besitzt, Entscheidungen zu treffen, geschweige denn, einmal getroffene problemlos zu revidieren. Sehr oft ist man noch nicht einmal in der Lage, Einfluss zu nehmen auf Dinge, die doch das ganze eigene Leben prägen werden. Weiterlesen „Nathan Hill – Geister“

Lauren Groff – Licht und Zorn

Lauren Groff – Licht und Zorn

Lauren Groff - Licht und Schatten

„Zorn ist mein Nachtmahl: so mich selbst verzehrend,

verschmacht ich an der Nahrung.“

Ein Zitat aus Shakespeares „Coriolanus“, das im hintersten Viertel von Lauren Groffs Roman „Licht und Zorn“ auftaucht und für mich genauso für den gesamten Text steht wie der Titel.

Es ist ein unbändiger Zorn, der am Anfang mehr erahnt werden muss, kurz aufblitzt, aber spätestens in der zweiten Hälfte immer mehr Herrschaft gewinnt, über die Seiten, die Personen, das Geschehen. Woher dieser Zorn stammt, sei hier nicht näher verraten, er ist Teil der überraschenden Wende, die die Geschichte im Verlauf nimmt. Weiterlesen „Lauren Groff – Licht und Zorn“

Elizabeth Strout – Die Unvollkommenheit der Liebe

Elizabeth Strout – Die Unvollkommenheit der Liebe

Elizabeth Strout - Die Unvollkommenheit der Liebe

Auf dem Buchcover leuchtet das Chrysler Building in der New Yorker Nacht. Im Vordergrund flirren einige Lichter.
Auch ein wenig flirrend, leicht surreal ist die Episode, von der Lucy Barton, die Ich-Erzählerin in Elizabeth Strouts Roman „Die Unvollkommenheit der Liebe“, hauptsächlich erzählt.

Es sind 5 Tage und 5 Nächte, in denen sie ihre Mutter am Krankenbett besuchte. Nach einer Routineoperation traten plötzlich Komplikationen auf. Ein unerklärliches, lang andauerndes, lebensbedrohliches Fieber wütete in Lucy, fesselte sie schließlich neun Wochen ans Krankenhaus. Besonders einprägsam blieb die Zeit mit ihrer Mutter, die tage- und nächtelang an ihrem Bett saß und erzählte, niemals zu schlafen schien.

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Wendi Stewart – Ein unbesiegbarer Sommer

Wendi Stewart – Ein unbesiegbarer Sommer

Wendi Stewart - Ein unbesiegbarer SommerZu Beginn der Sechziger Jahre.
Drei Kinder wachsen in der Kanadischen Provinz auf.
Sie alle leiden in der ein oder anderen Art an ihrer Kindheit, an den Erwachsenen, denen diese Kindheit anvertraut wurde. Weiterlesen „Wendi Stewart – Ein unbesiegbarer Sommer“