Inkeri Markkula – Wo das Eis niemals schmilzt

Als Kanada 2020/21 Gastland der Frankfurter Buchmesse war, strömten wie üblich besonders viele Übersetzungen aus dem Land auf den deutschen Markt. Zeitgleich wurden in Kanada an etlichen ehemaligen Residential Schools heimliche Gräber gefunden, was die seit den 1990ern stattfindende öffentliche Auseinandersetzung mit den staatlichen und kirchlichen Verbrechen an indigenen Kindern in der Vergangenheit erneut befeuerte. An diesen „Schulen“, die im 19. Jahrhundert aus Missionseinrichtungen hervorgingen, ging es weniger um Wissensvermittlung als um Umerziehung. Die indigenen Kinder sollten den Bräuchen, Traditionen und vor allem der Sprache ihrer Vorfahren entzogen werden. Dafür wurden alle Minderjährigen, meist unter Zwang oder durch Wegnahme, zum Leben in diesen Residential Schools verpflichtet. Die Verhältnisse dort waren größtenteils furchtbar. Hunger, Prügelstrafen, Missbrauch waren dort gang und gäbe. Viele Kinder starben und wurden dort mehr oder weniger heimlich begraben.

Mir waren diese Fakten vorher kaum bekannt. Der Gastlandauftritt Kanadas mit vielen Büchern zu diesem Thema war deshalb sehr erhellend. Mit Inkeri Markkulas Roman Wo das Eis niemals schmilzt kommt dieses Thema nun von einer sámischen Schriftstellerin zu mir zurück. Weiterlesen „Inkeri Markkula – Wo das Eis niemals schmilzt“

Pierre Jarawan – Frau im Mond

Mit Frau im Mond, dem neuen Roman von Pierre Jarawan, öffnet man die Geschichte der armenisch-libanesisch-kanadischen Familie el Shami und mit ihr eine wahre Wundertüte an Erzählungen, Themen, Figuren, in der die Orientierung zu behalten zunächst einmal gar nicht so leicht fällt. Das ist dem Autor bewusst und auch so gewollt, wird die Geschichte im Roman doch einmal mit einer guten Baklava verglichen: viele Zutaten, viele Schichten. Noch anschaulicher wird das Erzählprinzip meiner Meinung nach aber, wenn man es mit einem der beschriebenen Themen vergleicht: der armenischen Teppichknüpfkunst. Wie dort werden auch hier immer wieder neue Fäden eingewebt, die entstehenden Muster wird man erst im weiteren Verlauf richtig erkennen können, aber am Ende ergeben Motive und Symbole ein stimmiges, komplettes Bild.

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Kim Thúy – Großer Bruder kleine Schwester

Kim Thúy war zehn Jahre alt, als sie 1978 mit ihren Eltern als sogenannte „Boat People“ aus Vietnam nach Kanada floh. Dort studierte sie Recht und Sprachwissenschaften, arbeitete als Rechtsanwältin, Übersetzerin und als Gastronomin, wovon ihr wunderbar persönliches Kochbuch Das Geheimnis der vietnamesischen Küche zeugt. Und Kim Thúy begann 2009 schmale, zarte, autobiografisch inspirierte Romane zu schreiben, Der Klang der Fremde (2009), Der Geschmack der Sehnsucht (2013) und Die vielen Namen der Liebe (2016). Bereits 2019 konnte ich die Autorin in Leipzig treffen und bin seitdem ein großer Fan dieser herzlichen, klugen und engagierten Frau. Anlässlich des Gastlandauftritts Kanadas zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse war Kim Thúy mit ihrem neuen Buch Großer Bruder kleine Schwester Mitglied der Delegation vor Ort. Weiterlesen „Kim Thúy – Großer Bruder kleine Schwester“

Neuerscheinungen aus Kanada zur Buchmesse – Singular Plurality-Singulier Pluriel

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Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

Nun ist es endlich soweit. Die Frankfurter Buchmesse 2021 öffnet heute ihre Tore und präsentiert das Gastland Kanada, seine Autoren und seine Literatur. Unter dem Motto Singular Plurality – Singulier Pluriel („einzigartige Pluralität“) stellt sich eine Literaturlandschaft von großer Vielfältigkeit vor, die sowohl ihre Unterschiede, als auch ihre Gemeinsamkeiten präsentieren möchte. Im Rahmen von Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada habe ich mich in den letzten Wochen auf eine kleine literarische Reise begeben, die ich heute mit einem kleinen Überblick über Neuerscheinungen aus Kanada zur Buchmesse in Deutschland, die mir besonders aufgefallen sind, die ich mochte und euch empfehlen kann, beenden möchte. Weiterlesen „Neuerscheinungen aus Kanada zur Buchmesse – Singular Plurality-Singulier Pluriel“

Margaret Laurence – Der steinerne Engel – Singular Plurality – Singulier Pluriel

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Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

Bald ist es nun endlich soweit und das Literaturland Kanada ist nach dem pandemiebedingt im vergangenen Jahr nur virtuell stattgefundenen Ehrengastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2021 zu Gast. Unter dem Motto Singular Plurality – Singulier Pluriel („einzigartige Pluralität“) stellt sich eine Literaturlandschaft von großer Vielfältigkeit vor, die sowohl ihre Unterschiede, als auch ihre Gemeinsamkeiten präsentieren möchte. Im Rahmen von Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada habe ich mich auf eine kleine literarische Reise begeben, auf die ich euch gerne mitnehmen möchte. Mit Margaret Laurence und ihrem Der steinerne Engel hat mich ein Klassiker der kanadischen Literatur sehr begeistern können. Eine Entdeckung, die ich hier gerne teilen möchte.

Eine 90jährige – am Ende ihres Lebens. Das könnte eine Geschichte voller Wehmut werden, ein Roman vom Abschied, ein Rückblick auf ein erfülltes Leben oder eines voller Enttäuschungen und verpasster Chancen – melancholisch, traurig oder auch versöhnlich. Wenn, ja wenn Margaret Laurence in Der steinerne Engel nicht Hagar Shipley zur Hauptfigur gemacht hätte. Denn Hagar ist, hier passt der altmodische Ausdruck perfekt, eine richtige Kratzbürste. Weiterlesen „Margaret Laurence – Der steinerne Engel – Singular Plurality – Singulier Pluriel“

Richard Wagamese – Der gefrorene Himmel – Singular Plurality-Singulier Pluriel

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Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

Bald ist es nun endlich soweit und das Literaturland Kanada ist nach dem pandemiebedingt im vergangenen Jahr nur virtuell stattgefundenen Ehrengastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2021 zu Gast. Unter dem Motto Singular Plurality – Singulier Pluriel („einzigartige Pluralität“) stellt sich eine Literaturlandschaft von großer Vielfältigkeit vor, die sowohl ihre Unterschiede, als auch ihre Gemeinsamkeiten präsentieren möchte. Im Rahmen von Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada habe ich mich auf eine kleine literarische Reise begeben, auf die ich euch gerne mitnehmen möchte. Der leider 2017 bereits verstorbene Autor Richard Wagamese war für mich mit Der gefrorene Himmel eine Entdeckung, die ich hier gerne teilen möchte.

Ihr habe die Chance, dieses beeindruckende Buch zu gewinnen. Teilnahmebedingungen findet ihr am Ende dieses Beitrags.

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Singular Plurality – Singulier Pluriel: Das Literaturland Kanada zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse 2021

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Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada.

Bald ist es nun endlich soweit und das Literaturland Kanada ist nach dem pandemiebedingt im vergangenen Jahr nur virtuell stattgefundenen Ehrengastauftritt auf der Frankfurter Buchmesse 2021 zu Gast. Unter dem Motto Singular Plurality – Singulier Pluriel („einzigartige Pluralität“) stellt sich eine Literaturlandschaft von großer Vielfältigkeit vor, die sowohl ihre Unterschiede, als auch ihre Gemeinsamkeiten präsentieren möchte. Im Rahmen von Buch jetzt! Und lies dich nach Kanada habe ich mich auf eine kleine literarische Reise begeben, auf die ich euch gerne mitnehmen möchte. Ich habe in den Provinzen und Territorien des Landes Autor:innen für mich entdeckt, die ich teilweise schon lange kenne und schätze, die teilweise neu und spannend für mich sind. Und die die Vielfältigkeit des Landes für mich repräsentieren. Weiterlesen „Singular Plurality – Singulier Pluriel: Das Literaturland Kanada zu Gast auf der Frankfurter Buchmesse 2021“

Brian Moore – Schwarzrock

Bereits 1985 erschien „Schwarzrock“ des 1921 in Belfast geborenen, in Kanada und den USA lebenden und dort in Malibu 1999 verstorbenen Brian Moore im Original. Und 1987 auf Deutsch bereits im Diogenes Verlag. Von Moores zwanzig Romanen wurden fünf verfilmt und auch sonst gilt Moore als einer der erfolgreichsten Autoren im angloamerikanischen Raum. Hier in Deutschland ist er ein wenig in Vergessenheit geraten. Sein Stammverlag Diogenes führt nur noch drei seiner Titel als Printausgaben. Darunter nun diese Neuerscheinung, die wir nicht nur dem Gastlandauftritt Kanadas zu den Frankfurter Buchmessen, sondern auch dem bevorstehenden hundertsten Geburtstag Moores am 21. August 2021 zu verdanken haben. Weiterlesen „Brian Moore – Schwarzrock“

Jean-Paul Dubois – Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise

Jean-Paul Dubois hat 2019 den französischen Prix Goncourt mit einem sehr amerikanischen Roman gewonnen. Der 1950 in Toulouse geborene Dubois war ab 1984 zwanzig Jahre lang Amerikabeobachter für das französische Nachrichtenmagazin Le nouvel observateur und bezeichnet sich selbst als großer Verehrer von amerikanischen Autoren wie Philip Roth und John Updike. Aber nicht nur die stilistische Nähe macht „Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“ zu einem „amerikanischen“ Roman, Jean-Paul Dubois wählt als einen zentralen Handlungsort den nordamerikanischen Kontinent. Dort, im Bordeaux-Gefängnis in Montréal, Québec, Kanada, sitzt sein Ich-Erzähler eine Haftstrafe ab. Weiterlesen „Jean-Paul Dubois – Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise“

Tanya Tagaq – Eisfuchs

Wer je den Kehlkopfgesang der Inuit hören konnte (anlässlich der Übergabe der Gastlandrolle der Frankfurter Buchmesse von Norwegen an Kanada hatte ich die Gelegenheit dazu), wird ihn nicht mehr vergessen. Zutiefst fremdartig, hart, drängend, fast ein wenig gewaltvoll, zugleich werbend, lockend und zärtlich ist diese Art des Gesangs ein wenig verstörend und für unsere Ohren ganz sicher eines nicht: schön. All das trifft auch auf den Debütroman der kanadischen Sängerin und Performerin Tanya Tagaq, „Eisfuchs“ zu. Weiterlesen „Tanya Tagaq – Eisfuchs“