Sebastian Barry – Tausend Monde

Paris im Henry County, Tennessee in den 1870er Jahren. Der Amerikanische Bürgerkrieg ist noch nicht lange beendet, die elf Südstaaten, die sich nach der Wahl des Sklavereigegners Abraham Lincoln zum Präsidenten von den Vereinigten Staaten abgespalten haben, sind besiegt. Die Sklaven wurden durch Verfassungszusätze zu freien Bürgern. Zumindest offiziell. Besonders in den ehemaligen Südstaaten schlägt ihnen aber immer noch roher Rassismus entgegen. Gleichzeitig ziehen immer noch marodierende Milizen, die von den Truppen der Konföderierten übriggeblieben sind, durchs Land. Vagabunden, die nach Kriegsende nicht wissen, wohin mit sich. Und die die Veränderungen im Staat nicht akzeptieren wollen. Hier siedelt Sebastian Barry seinen neuen Roman Tausend Monde an. Weiterlesen „Sebastian Barry – Tausend Monde“

Éric Plamondon – Taqawan

Kanada war und ist Gastland der Frankfurter Buchmesse, Dank Corona sowohl 2020 als auch 2021. „Singular Plurality“ ist das Motto, die einzigartige Vielfalt, die die Veranstalter in den Mittelpunkt ihres Auftritts stellen möchten. Die Gleichberechtigung zweier Amtssprachen – Englisch und Französisch -, die vorbildlich erscheinende Einwanderungspolitik (rund ein Fünftel der Kanadier ist neueren Zahlen zufolge im Ausland geboren worden) und die Vielfalt an indigenen Völkern schafft diese Pluralität, die sich offiziell dadurch auszeichnen soll, die Individualität aller friedlich nebeneinander koexistieren zu lassen. Das dies zumindest nicht immer so reibungslos vonstattenging, kann man im neuen Roman von Éric Plamondon, Taqawan, nachlesen. Weiterlesen „Éric Plamondon – Taqawan“

Isabella Hammad – Der Fremde aus Paris

Ein 730 Seiten starker Debütroman von einer jungen britisch-amerikanischen Autorin mit palästinensischen Wurzeln, der sich mit eben jenen Wurzeln beschäftigt, hat im vergangenen Jahr für einige Furore in der englischsprachigen Welt gesorgt. Die New York Times bezeichnet den Roman Der Fremde aus Paris von Isabella Hammad gar als einen der wichtigsten Romane des Jahres 2019. Was ist dran an diesen Lobeshymnen? Weiterlesen „Isabella Hammad – Der Fremde aus Paris“

Verlagsvorschauen Frühjahr 2021

Alle Jahre wieder – genauer gesagt zweimal im Jahr – wehen die Verlagsvorschauen für Frühjahr und Herbst ins Haus, so natürlich auch für 2021. Anders als in anderen Jahren folgte auf das neugierige Blättern, verzweifelte Stöhnen – wieder viel zu viele interessante Titel – und fleißige Aussieben in diesem Jahr kein fröhliches Wiedersehen der Bücher in den unendlichen Weiten der Messehallen. Der Austausch erfolgte fast ausschließlich digital, das aber umso reger. Besonders Instagram entwickelt sich dabei zum vorherrschenden Medium. Nirgendwo sonst bekommt man so viel Feedback, so viel Anregungen, ein so breites Schaufenster für Neuerscheinungen, aber auch Backlist.

Hier geht es zu den Verlagsvorschauen Herbst 2021 – Neuerscheinungen

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Joachim B. Schmidt – Kalmann

Raufarhöfn ganz im Nordosten von Island, 17 km bis zum Polarkreis, Durchschnittstemperatur im Juli knapp 11° C bei rund 4 Sonnenstunden, 173 Einwohner, seit den 1960er Jahren im Niedergang begriffen, als der Hering, die Haupteinnahmequelle, ausblieb und strikte Fangquoten der Überfischung Herr werden sollten. Dieses Raufarhöfn gibt es tatsächlich. Eine Einöde. Inwieweit sich die Bewohner mit den Menschen im dort spielenden Roman Kalmann von Joachim B Schmidt identifizieren können, wäre interessant zu wissen. Irgendwie sympathisch, aber auch sehr eigen und teilweise extrem schrullig werden sie beschrieben. Weiterlesen „Joachim B. Schmidt – Kalmann“

Lektüre November 2020

Meine Lektüre im November 2020 war zeitweise mit einem kleinen Anflug von Panik begleitet. Der Bücherstapel mit Frühjahrs/Sommertiteln schmilzt nur langsam (obwohl ich viel, gern und ausdauernd lese) und gleichzeitig trudeln schon wieder die Vorschauen für das Frühjahr 2021 herein (ja, ich lasse mich tatsächlich immer noch durch so etwas leicht stressen – hoffnungsloser Fall 😉 ). Ende des Monats wurden dann auch die fünf Romane bekanntgegeben, die um den diesjährigen Bloggerpreis Das Debüt konkurrieren. Das bedeutet nochmal mehr Lesepensum. Zum Glück waren/sind fast alle Bücher, und das galt auch für die Lektüre im November 2020, des Lesens wert. Mittlerweile schrecke ich aber auch vor dem Abbruch eines Buches (zugegeben nur im Extremfall) nicht zurück. Weiterlesen „Lektüre November 2020“

Olga Tokarczuk – Letzte Geschichten

Drei Letzte Geschichten verwebt Olga Tokarczuk durch die drei Protagonistinnen, drei Frauen, drei Generationen einer Familie. Daraus entsteht dennoch kein Familienroman. Zu lose sind die Verbindungen zwischen Großmutter, Mutter und Tochter. Zwar ist in der einen Geschichte die Mutter auf dem Weg zu ihrem Elternhaus und Postkarten der in der Welt herumreisenden Tochter werden erwähnt, aber die drei Frauen begegnen sich nicht, kommen sich nicht nahe, von ihren Beziehungen ist kaum die Rede. Und auch sonst sind die drei Episoden nur lose verbunden, spielen auf völlig anderen, bis auf die mittlere, die in 1993 verortet ist, nur vage benennbaren Zeitebenen. Weiterlesen „Olga Tokarczuk – Letzte Geschichten“

Das Debüt 2020 – Der Bloggerpreis für Literatur

Bereits zum vierten Mal darf ich Mitglied der Jury für Das Debüt 2020 sein – Der Bloggerpreis für Literatur, bei dem ein besonders bemerkenswerter Debütroman auszeichnet wird. Das freut mich sehr! Doch was ist der Debütpreis?

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David Grossman – Was Nina wusste

Was für eine Geschichte erzählt uns der israelische Schriftsteller David Grossman da in seinem neuen Roman „Was Nina wusste“! Welch einen weiten Bogen spannt er da vom Kibbuz im gegenwärtigen Israel über die nordkroatische Kleinstadt Čakovec vor und während des Zweiten Weltkriegs zur kargen Felseninsel Goli Otok im adriatischen Meer. Dabei macht er noch Stippvisiten an den Polarkreis ins norwegische Tromsø und den Big Apple New York und spannt dazwischen die dramatische, leidenschaftliche Geschichte dreier Frauen – Großmutter, Mutter und Tochter. Weiterlesen „David Grossman – Was Nina wusste“

Tayari Jones – Das zweitbeste Leben

„Mein Vater, James Witherspoon, ist ein Bigamist.“ So lässt Tayari Jones ihren etwas ungewöhnlichen Familienroman Das zweitbeste Leben beginnen. Sie gibt Dana Yarboro die Stimme, einer der beiden Töchter, die James Witherspoon mit seinen beiden Ehefrauen hat. Denn Dana weiß seitdem sie klein ist, dass sie und ihre Mummy „ein Geheimnis“ sind. Jeden Mittwochabend isst der Vater mit seiner kleinen Zweitfamilie, oft begleitet von seinem Freund und Quasi-Bruder Raleigh. Er möchte zu seiner Tochter und deren Mutter stehen, Verantwortung übernehmen. Auch wenn dies in der Regel durch Geld geschieht, mit dem er den Lohn der Krankenschwester aufbessert, die Ausbildung Danas und kleine Extraausgaben bezahlt. Weiterlesen „Tayari Jones – Das zweitbeste Leben“