Gabrielle Roy – Gebrauchtes Glück

Die franko-kanadische Schriftstellerin Gabrielle Roy (1909-1983) gilt als eine der bedeutendsten Autorinnen ihres Landes und ihr 1945 erstmals erschienener Debütroman Bonheur d’occasion  (deutsch: Gebrauchtes Glück) als Meilenstein und Klassiker. Man zählt ihn sogar zu den Auslösern der sogenannten „Stillen Revolution“, von der ich bisher noch nie gehört hatte. Laut Wikipedia ist damit der „tiefgreifende soziale und wirtschaftliche Wandel, geprägt von der Säkularisierung der Gesellschaft und der Schaffung eines Wohlfahrtsstaates“ in Québec gemeint. „Die Provinzregierung brachte zwischen 1960 und 1966 das zuvor von der römisch-katholischen Kirche dominierte Gesundheits- und Bildungswesen unter die Kontrolle des Staates, baute die staatlichen Dienstleistungen aus und tätigte umfangreiche Investitionen in Bildung und Infrastruktur. Sie erlaubte den Staatsangestellten, sich in Gewerkschaften zu organisieren, und ermöglichte der mehrheitlich französischsprachigen Bevölkerung, die Kontrolle über die Wirtschaft ihrer eigenen Provinz zu übernehmen.“ Weiterlesen „Gabrielle Roy – Gebrauchtes Glück“

Lektüre Dezember 2021

Vor der Lektüre aus dem Dezember 2021, allen, denen ich es bisher nicht gewünscht habe:

Ein wunderbares, glückliches, gesundes Neues Jahr!

Vieles zum vergangenen Buchjahr habe ich schon in meinem Rückblick erzählt. Die im Dezember gelesenen Bücher möchte ich noch ergänzen. Zumal das allerletzte Buch – Annie Ernaux – es in diesen Rückblick gar nicht hinein geschafft hat. Aber natürlich sehr erwähnenswert ist und auch noch einen eigenen Blogbeitrag erhalten wird. Noch hänge ich ein wenig in den Herbsttitel fest – mit großem Vergnügen, da warten noch einige Schätze auf mich -, aber die ersten Frühjahrsneuerscheinungen buhlen auch bereits um Aufmerksamkeit. Ich habe mich dieses Frühjahr auf relativ wenige Titel festgelegt und warte mal ab, was da noch an Überraschungen kommt. Die Auswahl ist ja sehr verlockend (nachzulesen in meinem Blick in die Vorschauen/ Neuerscheinungen). Weiterlesen „Lektüre Dezember 2021“

Colson Whitehead – Harlem Shuffle

Der Shuffle ist ein dreigeteilter, auf Triolen aufgebauter Rhythmus. Lässig klingt er, swingend, sehr rhythmisch. Bekannt ist der Harlem Shuffle vor allem durch die Coverversion der Rolling Stones aus dem Jahr 1986, der amerikanische Autor Colson Whitehead hat ihn nun für seinen neuen Roman verwendet. Dieser spielt – natürlich – im Schwarzen Harlem der späten Fünfziger und Sechziger Jahre. Whitehead fährt dafür zahlreiche Kolportageelemente auf – und unterwandert sie intelligent und unterhaltsam. Weiterlesen „Colson Whitehead – Harlem Shuffle“

Rückblick auf das Buchjahr 2021

Rückblick auf das Buchjahr 2021

Frohes neues Jahr Ihr Lieben! 

Ein weiteres dieser komischen C*jahre ist zu Ende gegangen. Vieles war wieder möglich – beispielsweise eine gut funktionierende Buchmesse in Frankfurt -, aber vieles haben wir uns noch 2020 anders vorgestellt.
Was ist wie immer, ist die Rückschau am Jahresende. Auf das Buchuniversum bezogen war es für mich ein ganz wunderbares Jahr, für das ich allen daran Beteiligten sehr danken möchte. Euch Leser:innen für euer Interesse, euch Autor:innen für eure großartigen Texte, euch Verlagsmenschen für euer Engagement und überhaupt allen, die die Literaturwelt am Laufen halten.
Bücher waren und sind immer auch Trost, Zuflucht, Anregung, Glücksquell. Weiterlesen „Rückblick auf das Buchjahr 2021“

Douglas Stuart – Shuggie Bain

Im vergangenen Jahr erhielt ein Debütroman den begehrten Booker Prize, die wohl bedeutendste Auszeichnung für englischsprachige Literatur. In seinem autofiktionalen Roman Shuggie Bain erzählt Douglas Stuart vom Aufwachsen in einem Glasgower Randgebiet mit alkoholkranker Mutter in den 1980er Jahren. Das ist erschütternd, warmherzig und trotz seines traurigen, entsetzlichen Inhalts oft sogar locker und heiter erzählt. Ob es literarisch tatsächlich diesem Preis gerecht wird, verglichen beispielsweise mit den Preisträger:innen der Jahre 2017 und 2018 (George Saunders/Lincoln im Bardo, Anna Burns/Milchmann) darf zumindest angezweifelt werden. Lesenswert ist das Buch aber unbedingt. Weiterlesen „Douglas Stuart – Shuggie Bain“

Naomi Fontaine – Die kleine Schule der großen Hoffnung

Indigene Autor:innen erlangen immer mehr Bedeutung für die Wahrnehmung kanadischer Literatur auch bei uns in Deutschland. Nicht nur das Desinteresse des (Weißen) Literaturbetriebs, sondern auch die überwiegend orale indigene Erzählkultur sorgten dafür, dass die Zahl der Veröffentlichungen bisher, gerade auch in Übersetzung, relativ überschaubar war. Es ist überfällig, dass sich daran etwas ändert und der Gastlandauftritt Kanadas bei der Frankfurter Buchmesse 2021 war dafür ein wichtiger Impuls. Waubgeshig Rice, Paul Seesequasis, Josephine Bacon, Tanya Tagaq, Richard Wagamese – alles Namen, die mir zuvor nicht bekannt waren, deren Werke ich mittlerweile aber sehr zu schätzen weiß. Naomi Fontaine gesellt sich mit ihrem autobiografisch inspirierten Roman Die kleine Schule der großen Hoffnung dazu. Weiterlesen „Naomi Fontaine – Die kleine Schule der großen Hoffnung“

Lektüre November 2021

Auch mit meinem Rückblick auf die Lektüre im November bin ich 2021 spät dran. Irgendwie hechte ich dieses Jahr den Daten immer ein wenig hinterher. Wie passend, dass ich erst im November das Sommer Buch von Ali Smith gelesen habe. 😉 Aber natürlich ist gute Lektüre sowieso zeitlos.

Zumindest ermöglichst mir das späte Posten meines Lektüreüberblicks, euch schon einmal Frohe Feiertage zu wünschen. Macht es euch so schön wie eben möglich in diesen doch ziemlich verstörenden Zeiten.

Frohe Weihnachten! Weiterlesen „Lektüre November 2021“

Hervé Le Tellier – Die Anomalie

Der Franzose Hervé Le Tellier hat mit seinem 2020 mit dem Prix Goncourt ausgezeichneten und seitdem enorm gut verkauften Roman Die Anomalie wahre Begeisterungsstürme in der Literaturkritik ausgelöst, stellt diese aber auch vor eine schwere Aufgabe: Wie einen Roman besprechen, der von seiner äußerst ungewöhnlichen Idee lebt, ohne zu spoilern, gleichzeitig aber auch die Leserschaft ausreichend neugierig zu machen, damit diese auch zum Buch greift? Ich persönlich fand es recht schade, dass ich schon im Voraus ziemlich genau wusste, um was es sich bei Die Anomalie handelt. Ich kann sagen, dass die Lektüre sich auch mit dem Vorwissen absolut lohnt. Wer aber das komplette Lesevergnügen möchte und sich auf dieses philosophisch-intellektuelle Experiment, das zudem sehr unterhaltsam und auch witzig ist, unvoreingenommen einlassen möchte, sollte möglichst weder Klappentext noch irgendwelche Rezensionen lesen. Leider auch nicht meine. Deshalb möchte ich mich hier zunächst von allen wagemutigen Leser:innen verabschieden. Weiterlesen „Hervé Le Tellier – Die Anomalie“

Verlagsvorschauen Frühjahr 2022 – Neuerscheinungen

Ein Blick in die Verlagsvorschauen Frühjahr 2022 und die Neuerscheinungen. (neu aktualisiert am 19. Januar 2022)

Vor einiger Zeit erreichte mich ein Frühlingsgruß aus dem Hause Dumont. Die Verlagsvorschau samt einer Auswahl von Frühjahrtiteln. Wie jede Saison irritiert mich das zunächst, bin ich doch noch völlig drin im Herbst/Winterprogramm und habe noch mindestens bis Februar genug spannenden Lesestoff vor mir. Meistens jedoch genügt nur ein flüchtiger Blick in den/die Kataloge und ich bin schon voller Vorfreude und Monate voraus. Die entsprechende Buchmesse hat dann meist auch schon ganze Arbeit geleistet und auf die kommenden Programme ordentlich neugierig gemacht. Das war bisher so und ist merkwürdigerweise diesen Winter anders. An der Buchmesse selbst liegt es nicht, die fand statt und war auf ihre besondere Weise ganz wunderbar: viele (vorsichtige) Begegnungen, viele, viele Lesungen, die Verleihung des Deutschen Buchpreises, zu der ich dieses Jahr als Buchpreisbloggerin geladen war – ich bin in der Rückschau so beglückt, dass das alles noch stattfinden konnte und das man da auch noch die nötige Leichtigkeit besaß. Sicher fehlten die begeisterten Verlagsmenschen, die uns Blogger:innern ihre kommenden Titel ans Herz legten, aber ich glaube einfach, ich bin pandemiebedingt ein wenig ausgebrannt. Deshalb erscheint mein üblicher Blick in die Verlagsvorschauen, auf die Titel des Frühjahr 2022, dieses Jahr ein wenig verspätet. Aber ich weiß, wie gern diese Beiträge aufgerufen werden. Und tatsächlich ist auch bei mir die Lust auf die Neuerscheinungen beim Durchschauen der Vorschauen angestiegen. Da der Gastlandauftritt Spaniens auf der Frankfurter Buchmesse 2022 sich auch bereits im Frühjahr ankündigt, habe ich entsprechende spanische, katalanische und baskische Neuerscheinungen entsprechend markiert.

Ich hoffe, auch ihr werdet ein wenig neugierig und wünsche euch viel Spaß beim Stöbern. Vor allem aber passt auf euch auf und bleibt gesund!

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Ali Smith – Sommer

„Wie tief die Dunkelheit auch sei, wir müssen das Licht selbst mitbringen“ (Stanley Kubrick) – mit unter anderen diesem Motto beginnt Ali Smith ihren Roman Sommer und beendet mit ihm zugleich ihre großartige Jahreszeiten-Tetralogie. Herbst, Winter, Frühling waren für sich schon beeindruckende Bücher, die in die Dunkelheit unserer unruhigen Tage hinabstiegen und versuchten, sie zumindest streckenweise zu beleuchten. Mit Sommer rundet sich das ganze Werk auf überraschende und geniale Weise. Weiterlesen „Ali Smith – Sommer“