Es ist relativ wenig bekannt über Augusto Rudolpho Berns, den sich Sabrina Janesch in ihrem neuen historischen Abenteuerroman Die goldene Stadt zum Helden genommen hat. Tatsächlich ist er erst durch die hartnäckigen Nachforschungen eines amerikanischen Historikers im Jahr 2008 in die Wahrnehmung einer breiteren Öffentlichkeit und damit auch in die der Autorin gelangt. Vorherige Reisen nach Südamerika und eine Liebe zu willensstarken, abenteuerlichen und kreativen Menschen weckten Janeschs Interesse an diesem Charakter. Intensive Recherchen, Kontakte zu den Forschern in Amerika und eigene Reisen ließen das Bild entstehen, das sie ihren Lesern nun in diesem klassischen Roman darbietet. Weiterlesen „Sabrina Janesch – Die goldene Stadt“
Deutscher Buchpreis 2017 – Die Longlist
Deutscher Buchpreis 2017 – Bisher habe ich alle Siegertitel und viele der Longlist und Shortlist der vergangenen Jahre gelesen – bis auf Frank Witzel, dessen Autorenlesung ich tatsächlich nach etwas mehr als der Hälfte abgebrochen habe. Es war kein schlechter darunter, auch wenn ich die letztjährige Wahl nicht gerade begrüßt habe. Aber Bodo Kirchhoff ist einfach kein Autor für mich – und muss es ja auch gar nicht sein.
Auch dieses Jahr schaue ich wieder sehr gespannt auf das ganze Ereignis, werde mir auf jeden Fall die Leseproben-Broschüre besorgen, staune, welche Ausmaße die Idee der Buchpreisblogger mittlerweile angenommen hat, werde bei den Diskussionen mitmischen und mit einer kleinen Träne im Auge an letztes Jahr denken, wo ich bei der Verleihung des Preises im Frankfurter Römer dabei sein durfte. Ein wirklich tolles Erlebnis!
Ein Blick auf die diesjährige Longlist für den Deutscher Buchpreis 2017. Weiterlesen „Deutscher Buchpreis 2017 – Die Longlist“
Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt – #Backlist
Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt
„Magical mystery – War das nicht eigentlich ein Ding von den Beatles? Und ist das damals nicht irgendwie in die Hose gegangen?“

ist der running gag in Magical Mystery. Aber Raimund und Ferdi, die alten Veteranen der legendären Band „Glitterschnitter“ und nun unerwartet mit ihrem Techno-Label „Bumm-Bumm-Records“ zu Ruhm und Geld gelangt, wollen sich nicht von ihrer Idee abbringen lassen. Es soll so ein „Hippieding“ werden, die Rundumerneuerung des Techno, mit Liebe und Gemeinschaft, kurz: eine Raver-Tournee, bei der verschiedene DJs auf unterschiedlichen Events – das reicht von der Rollstuhldisko in Schrankenhusen-Borstel bis zum Mega-Rave in Essen – ihre Platten auflegen. Weiterlesen „Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt – #Backlist“
Mathias Énard – Erzähl ihnen von Schlachten Königen und Elefanten
Ebenso kunstvoll und kostbar wie die Preziosen am Hofe des Sultans Bayezid II. erscheint mir der schmale Roman von Mathias Énard, Erzähl ihnen von Schlachten Königen und Elefanten , der 2010 auf der Shortlist des Prix Goncourt stand und schließlich den Prix Goncourt des Lycéens gewann und für mich das schönste Buch ist, das ich in diesem Jahr bisher gelesen habe.
Es erzählt von jenem Sultan des Osmanischen Reichs, der 1506 den Künstler Michelangelo Buonarotti nach Istanbul einlud, damit der ihm eine Brücke über den Bosporus entwerfe. Aus dem Jahr 1502 stammt ein Modell des Landsmannes und Konkurrenten Leonardo da Vinci, die dem Herrscher aber nicht zusagte. Weiterlesen „Mathias Énard – Erzähl ihnen von Schlachten Königen und Elefanten“
Katherine Kressmann Taylor – So träumen die Frauen
Katherine Kressmann Taylor, geboren 1903, veröffentlichte ihren Briefroman „Adressat unbekannt“ erstmals 1938 in einer US-amerikanischen Zeitschrift. Die Geschichte zweier deutsch-amerikanischer Freunde, die durch die Übersiedelung des einen 1932 nach Deutschland und seine zunehmende Sympathie für den Nationalsozialismus zerbrach (der Zurückbleibende war jüdischer Abstammung) weckte bei Erscheinen einiges an Aufmerksamkeit und entfachte in den USA eine lebhafte Diskussion. Zum großen, weltweiten Erfolg, der das kleine Buch zu einem modernen Klassiker machte, gelangte es aber erst Jahrzehnte später. Hier liegt von Katherine Kressmann Taylor nun der Roman So träumen die Frauen vor. Weiterlesen „Katherine Kressmann Taylor – So träumen die Frauen“
Lektüre Juli 2017
Was war das für ein toller Lesemonat, der Juli. Zwar hat das Wetter nicht so gut mitgespielt wie im Juni und das Lesen fand überwiegend auf dem Sofa statt, dafür habe ich wirklich ein paar ganz ausgezeichnete Bücher ausgewählt gehabt, sowohl meinen SUB etwas erleichtert als auch schon auf eine Herbstneuerscheinungen vorgegriffen. Das war meine Lektüre Juli 2017: Weiterlesen „Lektüre Juli 2017“
Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders
Es hätte so ein tolles Buch für mich werden können. Es ist zwar müßig bei einem Buch zu beklagen, wie es hätte sein können – ein anderes Ende, andere Protagonisten, anderer Handlungsverlauf – müßig, und bei Rezensionen oft geradezu ärgerlich. Bei Stefan Ferdinand Etgeton zweitem Roman „Das Glück meines Bruders“, fällt es mir aber schwer, gerade das nicht zu tun. Zu gut hat mir der Anfang gefallen, zu schwach wurde es dann für mich ab einem bestimmten Punkt. Weiterlesen „Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders“
José Eduardo Agualusa – Eine Allgemeine Theorie des Vergessens
José Eduardo Agualusa ist ein angolanischer Schriftsteller portugiesischer Abstammung, der 1960 in Huambo (Angola) geboren wurde und in Angola, Portugal und Brasilien lebt. Bisher wurden vier seiner sehr erfolgreichen Romane auch ins Deutsche übersetzt (im A1- Verlag bzw. bei dtv erschienen). Mit der nun im C.H. Beck Verlag erschienene „Allgemeine Theorie des Vergessens“ stand José Eduardo Agualusa 2016 auf der Shortlist des Man Booker International Prize (den dann Han Kang mit „Die Vegetarierin“ gewann).
Es ist eine äußerst ungewöhnliche Geschichte, die Agualusa hier erzählt. Und sie soll auf wahren Begebenheiten beruhen. Weiterlesen „José Eduardo Agualusa – Eine Allgemeine Theorie des Vergessens“
Matthias Brandt – Raumpatrouille
Eine Kindheit in der alten Bonner Republik. Einige Autoren haben sich schon daran begeben, über eine solche zu schreiben, und besonders diejenigen LeserInnen, die selbst in den Sechziger und Siebziger Jahren großgeworden sind, werden dabei immer wieder auf eine leicht verklärte Zeitreise geschickt. Teewurst und Fürst-Pückler Eis, Kassettenrekorder und Telefone in Brokathülle, James Last und Ricky Shane, Wim Thoelke und Günter Netzer – wen überfällt da nicht dieses besondere Gefühl, das eine Mischung aus träg, langweilig, aber auch irgendwie schön wohlig war. Und das wohl weniger ein Zeitgefühl, denn es blendet überwiegend die negativen Vorkommnisse aus, als ein Gefühl der Kindheit war. Das Gefühl einer noch weitgehend unverplanten, nicht so eng getakteten Kindheit. Und so lässt auch Matthias Brandt seinen Protagonist in „Raumpatrouille“ mit dem Bonanzarad durch die Seiten fahren und diese Zeit auf wundersame Weise wiederauferstehen. Weiterlesen „Matthias Brandt – Raumpatrouille“
Jennifer Haigh – Licht & Glut
Rezension zu Jennifer Haigh – Licht & Glut: Tief unter der Nordostamerikanischen Erde, im sogenannten Marcellus Shale, lagern ungeheure Mengen an „unkonventionellem“ Erdgas. Erdgas also, das nicht in sogenannten Erdgasfallen lagert, die relativ leicht erschlossen werden können, sondern das in Rissen oder Poren des Schiefergesteins, teils auch an dies gebunden, vorliegt. Der Energiehunger der Welt ist trotz steigendem Umweltbewusstsein in manchen Gebieten und trotz fortschrittlichen, sparsameren Technologien ungebrochen und steigt nach wie vor. Fast zwangsläufig ist es da, dass solche Gasvorkommen nicht ungenutzt bleiben. Besonders in den USA ist das Fracking (eigentlich Hydraulic Fracturing) eine durchaus akzeptierte Methode der Energiegewinnung, gerade in der neueren Zeit, wo dort das Rad der Erkenntnis in Sachen Umweltschutz, Spätfolgen der rücksichtslosen Ausbeutung der Natur und daraus resultierender Schäden gnadenlos zurückgedreht erscheint. Zumindest bei Teilen der Bevölkerung. Es sind meist natürlich die Menschen, die direkt oder indirekt von der Energiewirtschaft abhängig sind, aber auch diejenigen, die sich davon eine bessere Zukunft versprechen. „Make America great again!“ Weiterlesen „Jennifer Haigh – Licht & Glut“








