Tom Malmquist – In jedem Augenblick unseres Lebens

Vor einigen Jahren, im März 2012, wurde die Welt des schwedischen Musikers und Poeten Tom Malmquist von Grund auf erschüttert. Innerhalb kürzester Zeit verlor er seine Lebensgefährtin Karin. Diese war hochschwanger, als sie plötzlich unter grippeartigen Symptomen zu leiden begann und Anzeichen einer Lungenentzündung entwickelte. Nach einigen Tagen verschlechterte sich ihr Zustand so dramatisch, dass sie als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert werden musste. Die schockierende Diagnose lautete: Akute myeloische Leukämie. In seinem 2015 im Original erschienenen autobiografischen Roman In jedem Augenblick unseres Lebens wirft Tom Malmquist den Leser genauso unvermittelt ins Geschehen, wie er sich damals selbst hineingeworfen gefühlt haben muss.

„Der Oberarzt tritt den Kipphebel an Karins Patientenbett fest.“

lautet der erste lapidare Satz. Weiterlesen „Tom Malmquist – In jedem Augenblick unseres Lebens“

Lektüre Mai 2017

Das Jahr rast auch durch die Bücherwelt. Überall machen Verlagsvorschauen auf die Herbstneuerscheinungen neugierig und endlich ist auch der Winter vorbei. Bei uns hat er sich bis gefühlt in die erste Maihälfte hineingezogen, war mit Nachtfrösten immer präsent und wich dann von jetzt auf gleich dem Sommer. Die Lektüre im Mai 2017 zog dann vermehrt nach draußen in den Garten. Weiterlesen „Lektüre Mai 2017“

Donna Leon – Stille Wasser

Donna Leon – Stille Wasser: Commissario Brunetti-Romane zu lesen, ist ein wenig wie ein Familientreffen.

Seit nunmehr 25 Jahren erscheint pünktlich jedes Jahr ein neuer Band, zuverlässig wie Ostern und Weihnachten. Zeit genug, die Charaktere, die seltsam alterslos sind – aber ist das in Familien nicht auch so, dass Eltern, Tanten und schließlich auch man selbst gefühlt nicht altern?- in und auswendig kennenzulernen. Venedig, oder Donna Leons Bild von Venedig, sind dem Leser schon fast so vertraut wie der eigene Heimatort. Um das zu unterstützen, gibt der Diogenes Verlag wunderbare kleine Stadtpläne heraus: Venedig mit Donna Leon und es gibt sogar eigene Internetseiten, die die Spuren des Commissario in seiner Lagunenstadt verfolgen. Weiterlesen „Donna Leon – Stille Wasser“

Jonas Hassen Khemiris – Alles, was ich nicht erinnere

Ein junger Mann ist bei einem Autounfall nahe Stockholm ums Leben gekommen. Das erfahren wir relativ bald im Roman von Jonas Hassen Khemiri „Alles was ich nicht erinnere“, auch, dass hier jemand ist, der dem Geschehen nachgeht, der Fragen stellt, über den verunglückten Simon, über jenen unheilvollen Tag im Jahr 2012, als das Auto in einer Linkskurve geradeaus fuhr und gegen einen Baum prallte. Weiterlesen „Jonas Hassen Khemiris – Alles, was ich nicht erinnere“

Madeleine Prahs – Nachbarn – #Backlist

Im August erscheint Madeleine Prahs Roman „Die Letzten“ bei DTV, auch eine „Nachbar“geschichte um ein Haus, das „leergewohnt“ werden soll. Prahs Debüt „Nachbarn“ hat mir 2014 ausgesprochen gut gefallen, ihre Personenschilderung fand ich ausgezeichnet. Deshalb freue ich mich sehr auf die Neuerscheinung und möchte hier mit meiner Rezension von 2014 ein wenig neugierig machen. In ihrem Debütroman „Nachbarn“ blättert Madeleine Prahs  die Geschichte von sechs Menschen auf. Weiterlesen „Madeleine Prahs – Nachbarn – #Backlist“

Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden

Der Titel des Romans, für den Marlon James 2015 den Man Booker Preis verliehen bekommen hat, Eine kurze Geschichte von sieben Morden, ist eine einzige Täuschung.

Natürlich ist es alles andere als eine kurze Geschichte, die hier auf 853 großformatigen Seiten detailreich und ausufernd dargeboten wird. Und von statt sieben Morden erzählt das Buch von unzähligen gewaltsamen Toden, Hinrichtungen, Massakern, so vielen, dass man das Zählen bald aufgibt. Welche dieser Tötungen es tatsächlich dann in den Titel geschafft haben, bleibt offen. Ja, Marlon James erlaubt sich einen ironischen Kniff, indem er einem der Protagonisten, dem Journalisten Alex Price, das Buch „Eine kurze Geschichte von sieben Morden“ quasi unterschiebt. Als der auf die Sieben angesprochen wird, gibt er zu, es seien eigentlich elf Morde gewesen (woher auch immer diese Zahl kommt) von denen er berichten wollte, aber zu vieren davon hätte er nicht genug Informationen gefunden. Weiterlesen „Marlon James – Eine kurze Geschichte von sieben Morden“

Madeleine Thien – Flüchtige Seelen – #Backlist

Im September erscheint im Luchterhand Verlag der neue Roman der Kanadierin Madeleine Thien auf Deutsch. „Sag nicht, wir hätten gar nichts“ stand im letzten Jahr auf der Shortlist des Man Booker Preises und erzählt die Geschichte einer chinesischen Familie von 1940 bis in die Gegenwart. 2014 begeisterte mich „Flüchtige Seelen“ von Madeleine Thien.

Es gibt über den Vietnamkrieg eine ganze Menge zu lesen, zu schauen, zu erfahren, wenn auch meist aus amerikanischer Sicht. Die Grausamkeiten, die als indirekte Folge davon im Nachbarland Kambodscha geschahen, sind viel weniger bekannt. Weiterlesen „Madeleine Thien – Flüchtige Seelen – #Backlist“

(Fast) Alle Herbstvorschauen sind nun veröffentlicht!

Nahezu alle Verlagsvorschauen für den Herbst sind jetzt online und ich habe mich in den letzten Wochen durch sie durchgeblättert. Viele schöne und interessante Bücher habe ich gefunden. Die komplettierte Zusammenstellung findet ihr hier.

Jetzt gilt es, alles noch mal durchzuforsten und die absoluten Perlen herauszusuchen. Ich bin gespannt, wie die to read-Liste dann aussehen wird.

In einigen Vorstellungen habe ich erwähnt, dass ich das Buch auch deshalb lesen möchte, weil mir vorangegangene Bücher des Autors/der Autorin besonders gut gefallen haben. Um das ein bisschen zu „unterfüttern“, werde ich in der nächsten Woche ein paar „alte“ Rezensionen herauskramen und hier veröffentlichen. Vielleicht kann ich den ein oder anderen von euch neugierig machen.

Arno Frank – So, und jetzt kommst du

Das Unheil kommt auf leisen Sohlen. Anfangs lesen sich die Erinnerungen des Erzählers  in Arno Frank – „So, und jetzt kommst du“ noch eher heiter. Ja, sicher, der Vater ist ein „Lebemann“, wohl auch ein wenig verantwortungslos, sehr egozentrisch.

„Keiner, der´s hier oben hat“, und dazu tippt er sich an die Schläfe,“ muss schuften. Schuften müssen nur die Idioten.“

lautet eine seiner Lebensweisheiten, die er seiner Familie, vornehmlich seinem Sohn gegenüber gerne selbstgefällig preisgibt, meist mit dem Schlusssatz „So, und jetzt kommst du.“ Dabei ist er an der Meinung seines Sprösslings so wenig interessiert wie an der der Mutter. Er allein ist der Mittelpunkt seiner Welt. Weiterlesen „Arno Frank – So, und jetzt kommst du“