Julia Weber – Immer ist alles schön – Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #2 –

Seit Bekanntgabe der offiziellen Shortlist für den Bloggerpreis Das Debüt 2017 hat die heiße Phase des Preises begonnen und die Jurymitglieder lesen sich durch die fünf kandidierenden Titel mit insgesamt ca. 1600 Seiten. Ich habe mit Julia Weber – Alles ist immer schön aus dem kleinen Schweizer Limmat Verlag begonnen – für mich leider ein denkbar schlechter Start. Weiterlesen „Julia Weber – Immer ist alles schön – Das Debüt 2017 – Bloggerpreis #2 –“

Volker Kutscher – Moabit

Die Romane von Volker Kutscher aus dem Berlin der Zwanziger und Dreißiger Jahre rund um den Kriminalkommissar Gereon Rath und Charly Ritter sind mittlerweile fast ein wenig Kult, nun erscheint Moabit. Seit diesem Frühjahr gibt es zusätzlich zu den mittlerweile erschienenen sechs Bänden eine von Arne Jysch illustrierte Graphic Novel von „Der nasse Fisch“ und die gerade angelaufene Fernsehserie „Babylon Berlin“, die auf den Büchern beruht, zeichnet als die bislang teuerste Fernsehproduktion und erlangte gewaltige Medienaufmerksamkeit obwohl sie bislang nur auf dem Bezahlsender Sky läuft. Weiterlesen „Volker Kutscher – Moabit“

Verena Boos – Kirchberg

Verena Boos erzählt in Kirchberg von einer Heimkehr.

Johanna kehrt nach Jahren, die sie in Berlin, New York und Italien gelebt hat, zurück in die kleine Gemeinde im Schwarzwald, in der sie bei ihren Großeltern aufgewachsen ist. Das alte Schulhaus steht nach dem Tod der Großeltern schon ein paar Jahre leer, aber es atmet noch Vertrautes. Auch die Nachbarn und der Jugendfreund Patrizio sind bald zur Stelle. Für Hanna ist es eine Reise in ihre Kindheit und Jugendzeit, in glückliche Jahre, aber auch zurück zu schmerzvollen Erinnerungen. Erinnerungen daran, dass ihre Mutter sie nicht hat haben wollen. Daran, dass die Großeltern sie nur knapp vor einer Adoption bewahrt haben. Daran, dass die Mutter sich auch später, auch heute, kaum um sie kümmert. Selbst heute nicht.

Es ist auch eine Flucht. Weiterlesen „Verena Boos – Kirchberg“

Madeleine Prahs – Die Letzten

Sie sind die Letzten in der Hebelstraße 13. Alle anderen haben sich locken lassen von den Angeboten des auf Mietsteigerung durch Kernsanierung spekulierenden Vermieters Thomas Grube. Oder sie haben resigniert, waren den Drohungen und Schikanen nicht länger gewachsen und sind dann doch ausgezogen. Nur drei der einst fünfzehn Parteien sind dem zunehmenden Druck noch nicht gewichen, den Bauarbeiten im Treppenhaus, der unterbrochenen Wasserversorgung, der drohenden Räumungsklage. Madeleine Prahs erzählt in Die Letzten von ihnen. Weiterlesen „Madeleine Prahs – Die Letzten“

Anna Kim – Fingerpflanzen

Es ist ein ganz eigenes Buch, das man mit dem neue Erzählungsband „Fingerpflanzen“ von Anna Kim in Händen hält. Zunächst fällt die besonders schöne Gestaltung auf. Englische Broschur mit einem sorgfältig, auch auf der Innenseite bedruckten Schutzumschlag. Farbiges, fein gemustertes Vorsatzpapier, hochwertiges Papier und eine durchgehende Bebilderung. Diese Bilder sind das nächste, das sofort ins Auge sticht. Sie stammen von dem norwegischen Künstler Kristian Evju, der in feinsten Graphitzeichnungen von fotographischer Präzision eine ganz eigene Stimmung zaubert. Die Illustrationen zeigen überwiegend Frauen bei ganz alltäglichen Verrichtungen und sind doch alles andere als realistisch. Durch kleine Beifügungen werden sie komplett verrückt, im wörtlichen Sinne. Durch eine leichte Verschiebung und/oder die Einarbeitung des stets gleichen grafischen Musters, rücken sie in eine höchst surreale, traumhafte Ebene. Weiterlesen „Anna Kim – Fingerpflanzen“

Sven Regener – Wiener Straße

Hier sind sie endlich alle wieder, die „Pfeifen“: Kneipenbesitzer Erwin Kächele und seine Frau Helga, Schwester Kerstin und deren Tochter Chrissie, die Künstler Karl Schmidt, H.R.Ledigt und natürlich P.Immel von der ArschArt, die „Instandbesetzer“ Kacki, Jürgen1,2,3 und Kollegen und natürlich Frank Lehmann, den es nach seiner Bundeswehrzeit in Neue Vahr Süd nach Berlin verschlagen hat. Im neuen Roman von Sven Regener – Wiener Straße.. Weiterlesen „Sven Regener – Wiener Straße“

Birgit Vanderbeke – Wer dann noch lachen kann

Birgit Vanderbeke – Wer dann noch lachen kann

„Du wirst das erzählen“ hat der Mikrochinese gesagt.

Dabei liegt er auf dem Leuchtglobus, der nicht leuchtet, weil die Glühbirne gleich am Anfang kaputt gegangen und von den Eltern nie ersetzt worden ist. Der steht neben dem Bett der kleinen Ich-Erzählerin. Der Mikrochinese ist ihr imaginierter Vertrauter und Ratgeber, genauso wie ihre „Altstimme“, ihre Stimme, die aus der Zukunft zu ihr spricht, ihr erwachsenes Ich verkörpert und ihr zumindest die Hoffnung gibt, „das hier“ zu überleben, irgendwie zu überstehen. Denn manchmal sieht es so aus, als würde die Grenze überschritten. Die Grenze, von der man weiß,

„wenn sie da drüberrutschen, ist es zu Ende.“ „Das war ganz ähnlich wie bei der Kubakrise und dem Dritten Weltkrieg, und jetzt ist es wieder so mit allem, was die Menschen mit der Erde machen.“

Die Grenze, die die namenlose Ich-Erzählerin (ihre Altstimme nennt sie Karline) fürchtet, ist die Grenze der Gewalt, der „väterlichen Hand“. Es ist der Vater, der seine verträumte, unruhige, rastlose Tochter immer wieder mit äußerster Brutalität körperlich züchtigt. Verstörend ist es, zu hören, wie der Vater sie nicht nur aufs übelste beschimpft, sondern sie oft derart verprügelt und misshandelt, dass sie um ihr Leben fürchtet. Weiterlesen „Birgit Vanderbeke – Wer dann noch lachen kann“

Sabrina Janesch – Die goldene Stadt

Es ist relativ wenig bekannt über Augusto Rudolpho Berns, den sich Sabrina Janesch in ihrem neuen historischen Abenteuerroman Die goldene Stadt zum Helden genommen hat. Tatsächlich ist er erst durch die hartnäckigen Nachforschungen eines amerikanischen Historikers im Jahr 2008 in die Wahrnehmung einer breiteren Öffentlichkeit und damit auch in die der Autorin gelangt. Vorherige Reisen nach Südamerika und eine Liebe zu willensstarken, abenteuerlichen und kreativen Menschen weckten Janeschs Interesse an diesem Charakter. Intensive Recherchen, Kontakte zu den Forschern in Amerika und eigene Reisen ließen das Bild entstehen, das sie ihren Lesern nun in diesem klassischen Roman darbietet. Weiterlesen „Sabrina Janesch – Die goldene Stadt“

Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt – #Backlist

Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt

„Magical mystery – War das nicht eigentlich ein Ding von den Beatles? Und ist das damals nicht irgendwie in die Hose gegangen?“

Beatles – Magical Mystery Tour by YFNL (CC BY-SA 2.0) on Flickr

ist der running gag in Magical Mystery. Aber Raimund und Ferdi, die alten Veteranen der legendären Band „Glitterschnitter“ und nun unerwartet mit ihrem Techno-Label „Bumm-Bumm-Records“ zu Ruhm und Geld gelangt, wollen sich nicht von ihrer Idee abbringen lassen. Es soll so ein „Hippieding“ werden, die Rundumerneuerung des Techno, mit Liebe und Gemeinschaft, kurz: eine Raver-Tournee, bei der verschiedene DJs auf unterschiedlichen Events – das reicht von der Rollstuhldisko in Schrankenhusen-Borstel bis zum Mega-Rave in Essen – ihre Platten auflegen. Weiterlesen „Sven Regener – Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt – #Backlist“

Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders

Es hätte so ein tolles Buch für mich werden können. Es ist zwar müßig bei einem Buch zu beklagen, wie es hätte sein können – ein anderes Ende, andere Protagonisten, anderer Handlungsverlauf – müßig, und bei Rezensionen oft geradezu ärgerlich. Bei Stefan Ferdinand Etgeton zweitem Roman „Das Glück meines Bruders“, fällt es mir aber schwer, gerade das nicht zu tun. Zu gut hat mir der Anfang gefallen, zu schwach wurde es dann für mich ab einem bestimmten Punkt. Weiterlesen „Stefan Ferdinand Etgeton – Das Glück meines Bruders“