Vigdis Hjorth zählt in Norwegen seit Langem zu den wichtigsten und erfolgreichsten Schriftsteller:innen des Landes. Ihre Romane wurden zwar schon zeitig ins Deutsche übersetzt, erschienen aber in einem kleinen Verlag und erlangten nicht so wirklich viel Aufmerksamkeit bei uns. Das hat sich seit dem Gastlandauftritt Norwegens auf der Frankfurter Buchmesse 2019 zum Glück geändert und mittlerweile kümmert sich der S. Fischer Verlag sehr erfolgreich um ihre Werke. Auch der neueste, recht schmale Roman von Vigdis Hjoth, Die Wiederholung, liegt hier nun vor.
Schlagwort: Familie
Kristine Bilkau – Halbinsel
Kristine Bilkau ist mit ihrem Roman Halbinsel die diesjährige Gewinnerin des Preises der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik. Mit ihrer einfühlsamen, unaufgeregten Geschichte über eine Mutter-Tochter-Beziehung erzählt sie ganz dicht an der Zeit und doch universell. Ganz große Leseempfehlung! Weiterlesen „Kristine Bilkau – Halbinsel“
Dmitrij Kapitelman – Russische Spezialitäten
Bereits in seinem 2021 erschienenen, autobiografisch inspirierten Roman Eine Formalie in Kiew führte uns der 1986 in Kiew geborene, seit seinem achten Lebensjahr in Deutschland lebende Dmitrij Kapitelman in ein in Leipzig von seinen Eltern betriebenes Geschäft, das russische Spezialitäten verkaufte. Pelmeni, Kwas, Wodka, Kaviar, gezuckerte Kondensmilch, Drei-Schweinchen-Wurst und verschiedene Weißkohlsorten, vor allem aber auch Nostalgie und Heimweh gab es in dem 1995 gegründeten und an den Folgen der Corona-Pandemie gescheiterten „Magasin“. Hier trafen sich Menschen aus der sowjetischen Diaspora, kauften Vertrautes, tauschten sich aus über Alltagsrassismus, Antisemitismus, erstarkende rechte Gewalt, aber auch einfach nur über das Leben in Deutschland, das ihre neue Heimat geworden ist und sich so offensichtlich dagegen sträubt. Weiterlesen „Dmitrij Kapitelman – Russische Spezialitäten“
Taffy Brodesser Akner – Die Fletchers von Long Island
Die US-Literaturkritik sparte nicht mit Lob: Es sei „Der große amerikanische, reformjüdische Familienroman“, Vergleiche mit Philip Roth und Jonathan Franzen wurden angestellt. Und tatsächlich ist Die Fletchers von Long Island, der zweite Roman der 1975 geborenen Journalistin Taffy Brodesser-Akner, ein hochvergnügliches Leseerlebnis – mit kleinen Abstrichen. Weiterlesen „Taffy Brodesser Akner – Die Fletchers von Long Island“
Anne Enright – Vogelkind
„The wren, the wren“ lautet der Originaltitel des neuen Romans Vogelkind der irischen Booker-Preisträgerin Anne Enright und ist auch der Titel eines Volkslieds über den kleinen, gesangsstarken Zaunkönig. „Vogelkind“, so nennt der Vater Phil seine Tochter Carmel. Und Vögel spielen eine sehr große Rolle, nicht nur hier in der Romanhandlung, sondern auch in den Naturgedichten von Phil McDaragh, der als einer der großen Dichter Irlands galt. Er ist ein fiktiver Charakter, aber Anne Enright streut immer wieder „seine“ Gedichte zwischen die einzelnen Kapitel, ergänzt durch altirische Lyrik. Weiterlesen „Anne Enright – Vogelkind“
Monika Zeiner – Villa Sternbald oder Die Unschärfe der Jahre
Das Jahr 2024 habe ich mit einem Roman begonnen, der mich total begeistert hat und der dennoch bei den Nominierungen zu den „großen“ deutschen Buchpreisen völlig leer ausging. Absolut unverständlich, da Unsereins von Inger-Maria Mahlke wirklich von überragender Qualität war – klug, witzig, anspielungsreich, formal perfekt. Und auch 2025 habe ich mit einem Roman gestartet, der bisher noch nirgends nominiert war, obwohl er von ebenso großer Kunstfertigkeit ist – Monika Zeiner mit Villa Sternbald.
Auch sonst haben die beiden Romane etwas gemeinsam: sie erweisen dem Jubiläumsschriftsteller dieses Jahres, Thomas Mann, auf spielerische Weise ihre Referenz. Weiterlesen „Monika Zeiner – Villa Sternbald oder Die Unschärfe der Jahre“
Çiğdem Akyol – Geliebte Mutter
Aktuell werden viele Romane veröffentlicht, in denen sich die zweite oder dritte Einwanderergeneration mit ihren Eltern und Großeltern auseinandersetzt. Zentral ist dabei meist die Mischung aus kritischem, schonungslosem Blick und einer großen Zärtlichkeit und Zuneigung, dem Bestreben zu verstehen. Die Romane von Dinçer Güçyeter, Necati Öziri und Deniz Utlu sind hervorragende Beispiele dafür, wie dies literarisch sehr gelungen geschehen kann. Nun hat die Journalistin und Sachbuchautorin Çiğdem Akyol mit Canım Annem Geliebte Mutter ein weiteres sehr empfehlenswertes Buch über eine deutsch-türkische Familie geschrieben. Weiterlesen „Çiğdem Akyol – Geliebte Mutter“
Joachim Meyerhoff – Man kann auch in die Höhe fallen
Der ehemalige Burgschauspieler Joachim Meyerhoff ist schon seit geraumer Zeit in der Welt der Autoren angekommen. Sein ursprünglich als Bühnenprogramm konzipiertes autobiografisches Werk „Alle Toten fliegen hoch“ wird seit 2011 sehr erfolgreich in Buchform veröffentlicht. Amerika (über sein Austauschjahr in Amerika und den frühen Tod des Bruders), Wann wird es wieder so wie es nie war (über die Kindheit als Sohn des Leiters der Psychiatrie Schleswig), Ach diese Lücke, diese entsetzliche Lücke (über die Ausbildung zum Schauspieler und das Leben bei den exzentrischen Großeltern in München) sind All-Time-Favorites für mich. Allerdings bereits in Die Zweisamkeit der Einzelgänger begann der Zauber der Bücher für mich zu schwinden. Zuviel Selbstbespiegelung und einige fast gehässige Anekdoten über verflossene Beziehungen statt der Selbstironie und der immer auch liebevollen, spöttischen Blicke auf die Familie haben mir ein wenig den Spaß daran genommen. Auch der Nachfolgeband über seinen 2018 erlittenen Schlaganfall (Hamster im hinteren Stromgebiet) konnte mich aufgrund seiner – wenn auch verständlichen – Larmoyanz nicht überzeugen. Zum Glück findet Joachim Meyerhoff im nun sechsten Band Man kann auch in die Höhe fallen wieder zu seiner alten Stärke als begnadeter Erzähler zurück. Weiterlesen „Joachim Meyerhoff – Man kann auch in die Höhe fallen“
Anne Tyler – Drei Tage im Juni
Wenn ich richtig gezählt habe ist Drei Tage im Juni bereits der 25. Roman von Anne Tyler. In Deutschland werden die Werke der 1941 geborenen US-Amerikanerin oft ein wenig geringgeschätzt und allzu eifrig in die Unterhaltungsschublade gesteckt. Im englischsprachigen Raum, wo die Grenze zwischen E- und U-Literatur nicht ganz so eifersüchtig bewacht wird, hat Anne Tyler 1989 für ihren Roman Atemübungen den Pulitzer Prize erhalten und war 2015 mit Der leuchtend blaue Faden für den Booker Prize nominiert. Für mich ist sie mit ihren lebensklugen, warmherzigen und heiteren Romanen eine Lieblingsautorin, und das seit Jahrzehnten. Weiterlesen „Anne Tyler – Drei Tage im Juni“
André Kubiczek – Nostalgia
Viele Romane und auch Sachbücher kreisen zurzeit um Kindheiten und Jugenden in der DDR, meist um solche, die dort starteten und dann durch Mauerfall und Wiedervereinigung eine Zäsur erfuhren. André Kubiczek trägt mit seinem autofiktionalen Roman Nostalgia eine etwas andere Sicht darauf hinzu. Weiterlesen „André Kubiczek – Nostalgia“









