Romane, in deren Zentrum ein Haus steht, sind so selten nicht. Ich denke da beispielsweise an das großartige „Heimsuchung“ von Jenny Erpenbeck. Und selbst solche, in denen die Erzählstimme selbst zumindest teilweise von einem Haus übernommen wird, gibt es bereits (u.a. „Heimflug“ von Brittany Sonnenberg). Auch der 1969 geborene Autor Andreas Schäfer wählt für seinen neuen Roman „Das Gartenzimmer“ eine 1909 erbaute Villa im Südosten Berlins, man könnte Dahlem vermuten, als Mittelpunkt. Die Straße, in der sie Schäfer platziert ist genauso fiktiv wie ihr junger Architekt Max Taubert, dessen Erstlingswerk sie ist, und die Bewohner. Aber dennoch gibt es Vorbilder aus der realen Welt. Weiterlesen „Andreas Schäfer – Das Gartenzimmer“
Autor: Petra Reich
Colum McCann – Apeirogon
Apeirogon – der Titel des neuen Romans von Colum McCann bezeichnet eine geometrische Figur, die eine zählbar unendliche Menge an Seiten besitzt. Dies ist aber nicht die einzige mathematische Metapher, die der Autor verwendet, so kommen verschiedene Male auch die „befreundeten Zahlen“ vor, die jeweils gleich der Summe der echten Teiler der anderen Zahl sind (z.B. 220 und 284), das Apeirogon ist aber Programm. Weiterlesen „Colum McCann – Apeirogon“
Lily King – Writers & Lovers
Darf man einer Autorin vorwerfen, offensichtlich alles richtig gemacht zu haben? Ist es kritikwürdig, dass im neuen Roman von Lily King alles zu gut passt, er den Leserinnen zu sehr aus der Seele spricht, zu sehr gewisse Erwartungen erfüllt? Writers & Lovers ist nach eigener Aussage der „Roman, den ich als Zwanzig- und Dreißigjährige so schmerzlich vermisst hatte“, den Lily King vor dreißig Jahren selbst gerne gelesen hätte. Und da sich die Zeiten in manchen Dingen leider so wenig geändert haben, ist es wohl auch der Roman, den heute viele (nicht nur Zwanzig- und Dreißigjährige) gerne lesen möchten. Weiterlesen „Lily King – Writers & Lovers“
Lektüre Juli 2020
Ein Sommer ohne Urlaubsreise – bedeutet das nun mehr oder weniger Zeit für die Lektüre im Juli 2020? Keine Ahnung, wieviel ich in einem normalen Familienurlaub geschafft hätte, so wurden es immerhin 2355 Seiten, acht Bücher und ein Hörbuch. Der hochgelobte Roman von Lily King Writers & Lovers war der einzige, der hinter meinen Erwartungen doch ziemlich weit zurückblieb. Ansonsten alles 100% Leseempfehlungen und zwei Highlights, die über den Monat hinausragen: Lejla Kalamujić mit ihrem Roman Nennt mich Esteban und Colum McCann mit Apeirogon. Weiterlesen „Lektüre Juli 2020“
Zora del Buono – Die Marschallin
Zora del Buono schreibt über Zora Del Buono. Dabei ist die Groß- bzw. Kleinschreibung in der Mitte des Namens von Bedeutung. Denn die Großmutter Zora Del Buono, deren Lebensgeschichte die Schweizer Autorin des gleichen Namens vor ihrem Lesepublikum ausbreitet, die titelgebende „Marschallin“, ist überzeugte Kommunistin und jeder Adelsdünkel ihr, zumindest offiziell, ein Gräuel.
Nach einem kurzen Prolog beginnt der Roman 1919 in einem kleinen Dorf im Nordwesten Sloweniens, Bovec. Hier am Grenzfluss Isonzo ((italienisch), Soča (slowenisch), Sontig (deutsch), Lusinç (friaulisch) – je nach aktuellem Besatzer), fand die letzte von insgesamt zwölf Isonzoschlachten im Ersten Weltkrieg statt. Dank Einsatz von Giftgas konnten die Österreicher mit Unterstützung der Deutschen die Italienischen Truppen zurückdrängen. Die Schlachten forderten Hunderttausende an Toten und formten dieses Grenzgebiet nachhaltig. Weiterlesen „Zora del Buono – Die Marschallin“
Common Ground – Literatur aus Südosteuropa
Literatur aus Südosteuropa ist für viele Leser*innen, unter anderem auch für mich, relatives Neuland. Eine Handvoll Autor*innen fallen einem da vielleicht ein, Ismail Kadare aus Albanien; der in Bosnien-Herzegowina geborene und in Serbien verstorbene Literaturnobelpreisträger Ivo Andrić oder Danilo Kiš. In jüngerer Zeit haben der Rumäne Mircea Cărtărescu, Drago Jančar aus Slowenien oder Ivana Sajko aus Kroatien mit Veröffentlichungen in Deutschland auf sich aufmerksam gemacht. In meinem Bücherregal stehen noch Aleksandar Tišma, Jurica Pavičić und Miljenko Jergović, letzterer ein bosnischer Autor, der aber auf Kroatisch schreibt. 14 Länder, 10 Sprachen – das Projekt Common Ground möchte die Literatur aus Südosteuropa für deutsche Leser*innen zugänglicher machen. Weiterlesen „Common Ground – Literatur aus Südosteuropa“
Petina Gappah – Im Herzen des Goldenen Dreiecks
Im vergangenen Jahr gehörte der neue Roman von Petina Gappah, Aus der Dunkelheit strahlendes Licht, der von Tod und Überführung des Afrikaforsches David Livingston erzählte, zu meinen Lese-Highlights, jetzt veröffentlicht der Arche Verlag den Erstling der Autorin von 2009, den Erzählungsband Im Herzen des Goldenen Dreiecks. Weiterlesen „Petina Gappah – Im Herzen des Goldenen Dreiecks“
Charlotte Wood – Ein Wochenende
Jude, Wendy und Adele – drei Frauen weit in den Siebzigern, Freundinnen seit gefühlt ewig – treffen sich, um wie seit Jahrzehnten ein sonnendurchflutetes, heißes australisches Weihnachten am Meer zu verbringen. Doch Charlotte Wood lässt die alten Damen kein gemütliches Fest feiern, sie treffen sich in Ein Wochenende, um das Strandhaus ihrer kürzlich verstorbenen Freundin Sylvie, Vierte im Bunde, auszuräumen, damit es von deren Tochter verkauft werden kann. Erinnerungen werden wach und die Beziehungen untereinander neu ausgelotet. Weiterlesen „Charlotte Wood – Ein Wochenende“
Anuradha Roy – Der Garten meiner Mutter
„All the lieves we never lived“ – der Originaltitel des neuen Romans der Autorin Anuradha Roy Der Garten meiner Mutter – trifft es mal wieder viel genauer. Es geht in dem poetischen, bildstarken Text um die vielen ungelebten Leben, die Möglichkeiten und Abzweigungen, die zu Beginn offenstehen, das Gelingen und das Scheitern, um Einsamkeit und Sehnsucht. Weiterlesen „Anuradha Roy – Der Garten meiner Mutter“
Jessie Greengrass – Was wir voneinander wissen
Eine junge Frau ist zum zweiten Mal schwanger. Und während sie die zunehmende Entfernung von ihrer kleinen Erstgeborenen durch deren Größerwerden zugleich bestaunt und betrauert, erinnert sie sich an Zeiten der Erschütterung. Damals, als sie sich die Frage stellen musste: Will ich überhaupt ein Kind? Kann ich die Verantwortung für es übernehmen, kann ich es so lieben, wie eine Mutter ihr Kind lieben muss? Oder damals, als ihre Mutter starb, sie gerade mal Anfang Zwanzig war. Zeiten, in denen die Ich-Erzählerin in Was wir voneinander wissen von Jessie Greengrass nach Antworten suchte, nach Erkenntnis, nach Zusammenhängen. Weiterlesen „Jessie Greengrass – Was wir voneinander wissen“









