Vigdis Hjorth zählt in Norwegen seit Langem zu den wichtigsten und erfolgreichsten Schriftsteller:innen des Landes. Ihre Romane wurden zwar schon zeitig ins Deutsche übersetzt, erschienen aber in einem kleinen Verlag und erlangten nicht so wirklich viel Aufmerksamkeit bei uns. Das hat sich seit dem Gastlandauftritt Norwegens auf der Frankfurter Buchmesse 2019 zum Glück geändert und mittlerweile kümmert sich der S. Fischer Verlag sehr erfolgreich um ihre Werke. Auch der neueste, recht schmale Roman von Vigdis Hjoth, Die Wiederholung, liegt hier nun vor.
Kategorie: Rezensionen
Penelope Lively – Nachtglimmen
Claudia Hampton war in ihren jungen Jahren Kriegsberichterstatterin in Ägypten, eine der ersten weiblichen, schrieb später populärwissenschaftliche Geschichtsbücher und ist nun Mitte Siebzig, leidet an Darmkrebs und liegt in einer englischen Klinik im Sterben. Eine „Geschichte der Welt“ mit ihr als Helden schwebt ihr durch den Kopf. Und wie so oft sind es Kindheitserinnerungen, mit denen Penelope Lively ihren 1987 mit dem renommierten Booker Prize ausgezeichneten Roman Nachtglimmern beginnt. Weiterlesen „Penelope Lively – Nachtglimmen“
Kristine Bilkau – Halbinsel
Kristine Bilkau ist mit ihrem Roman Halbinsel die diesjährige Gewinnerin des Preises der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Belletristik. Mit ihrer einfühlsamen, unaufgeregten Geschichte über eine Mutter-Tochter-Beziehung erzählt sie ganz dicht an der Zeit und doch universell. Ganz große Leseempfehlung! Weiterlesen „Kristine Bilkau – Halbinsel“
Katharina Hagena – Flusslinien
Er ist wieder da, dieser besondere Ton – ruhig, entschleunigend, heiter und dennoch melancholisch -, den Katharina Hagena bereits 2008 in ihrem sehr erfolgreichen Debütroman Der Geschmack von Apfelkernen anschlug und den sie auch in ihrem vierten, nun erschienenen Buch Flusslinien beibehält. Zwei Frauen, die eine alt, die andere sehr jung und ein junger Mann stehen darin im Mittelpunkt. Das eigentliche Zentrum aber ist die Elbe. Und in den zwölf Abschnitten, die zwölf Tagen entsprechen, werden sehr viele Geschichten erzählt. Weiterlesen „Katharina Hagena – Flusslinien“
Dmitrij Kapitelman – Russische Spezialitäten
Bereits in seinem 2021 erschienenen, autobiografisch inspirierten Roman Eine Formalie in Kiew führte uns der 1986 in Kiew geborene, seit seinem achten Lebensjahr in Deutschland lebende Dmitrij Kapitelman in ein in Leipzig von seinen Eltern betriebenes Geschäft, das russische Spezialitäten verkaufte. Pelmeni, Kwas, Wodka, Kaviar, gezuckerte Kondensmilch, Drei-Schweinchen-Wurst und verschiedene Weißkohlsorten, vor allem aber auch Nostalgie und Heimweh gab es in dem 1995 gegründeten und an den Folgen der Corona-Pandemie gescheiterten „Magasin“. Hier trafen sich Menschen aus der sowjetischen Diaspora, kauften Vertrautes, tauschten sich aus über Alltagsrassismus, Antisemitismus, erstarkende rechte Gewalt, aber auch einfach nur über das Leben in Deutschland, das ihre neue Heimat geworden ist und sich so offensichtlich dagegen sträubt. Weiterlesen „Dmitrij Kapitelman – Russische Spezialitäten“
Thomas Mann – Deutsche Hörer!
2025 ist ein Thomas- Mann-Jahr: Dem 150. Geburtstag am 6. Juni schließt sich im August sein 70 Todestag an. Anlass für viele Neuausgaben seiner Werke. Mit einer besonderen habe ich „mein“ Thomas-Mann-Jahr eingeläutet, nachdem ich seit Jahren nichts von ihm gelesen habe. Allzu schwer habe ich mich nach begeisternder Lektüre der Buddenbrocks und einiger Erzählungen mit dem Zauberberg getan. Zugegeben, ich stand auch der Person Thomas Man nicht ganz offen gegenüber. Arrogant, elitär, snobistisch und kühl, ja sogar reaktionär und unpolitisch – das war mein vorherrschendes Bild. Wie sehr ich mich besonders in den beiden letzten Punkten bei Thomas Mann geirrt habe, zeigt die Neuauflage von 59 Reden, die der Autor zwischen Oktober 1940 und Mai 1945 über abenteuerliche Wege aus seinem Exil in Kalifornien an Deutsche Hörer! gerichtet hat. Weiterlesen „Thomas Mann – Deutsche Hörer!“
Taffy Brodesser Akner – Die Fletchers von Long Island
Die US-Literaturkritik sparte nicht mit Lob: Es sei „Der große amerikanische, reformjüdische Familienroman“, Vergleiche mit Philip Roth und Jonathan Franzen wurden angestellt. Und tatsächlich ist Die Fletchers von Long Island, der zweite Roman der 1975 geborenen Journalistin Taffy Brodesser-Akner, ein hochvergnügliches Leseerlebnis – mit kleinen Abstrichen. Weiterlesen „Taffy Brodesser Akner – Die Fletchers von Long Island“
Lektüre März 2025
Meine Lektüre im März 2025 war von einem neuen Leserhythmus geprägt. Da bei mir immer wieder hochinteressante Sachbücher liegengeblieben sind, weil sich Romane vorgedrängt haben, die ich zum größten Teil besprechen möchte – LiteraturReich ist ja in erster Linie ein Literaturblog -, habe ich mir eine und später eine zweite Extra-Lesezeit eingerichtet. Seit Anfang März habe ich mir morgens zum Frühstück Reden von Thomas Mann aus dem Band Deutsche Hörer! vorgenommen und war sehr erstaunt darüber, wie leidenschaftlich und von tiefem Hass gegenüber dem Naziregime der mir doch eher als kühl und pedantisch erschienene Mann dort via BBC seit 1940 an die Deutschen appellierte. Sehr eindrückliche Lektüre, ich glaube ich habe noch nie so viele Markierungen verwendet.
Die zweite zusätzliche Lesezeit für die Lektüre habe ich mir schon seit Anfang 2025 abends vor dem Einschlafen geschaffen. Dort lag vorher die Podcast-Zeit, die besteht immer noch, aber erst nach der (meist leider recht kurzen) Zeit, die ich ausdrücklich Sachbüchern widme. Sind das auch jeden Abend nur 15 oder 20 Seiten, möchte ich die mittlerweile nicht missen, denn Sachbücher geben mir im Moment viel, wobei ich das Genre im März auf Essays, Kolumnen und sogar Anthologien erweitert habe.
Anne Enright – Vogelkind
„The wren, the wren“ lautet der Originaltitel des neuen Romans Vogelkind der irischen Booker-Preisträgerin Anne Enright und ist auch der Titel eines Volkslieds über den kleinen, gesangsstarken Zaunkönig. „Vogelkind“, so nennt der Vater Phil seine Tochter Carmel. Und Vögel spielen eine sehr große Rolle, nicht nur hier in der Romanhandlung, sondern auch in den Naturgedichten von Phil McDaragh, der als einer der großen Dichter Irlands galt. Er ist ein fiktiver Charakter, aber Anne Enright streut immer wieder „seine“ Gedichte zwischen die einzelnen Kapitel, ergänzt durch altirische Lyrik. Weiterlesen „Anne Enright – Vogelkind“
Christine Wunnicke – Wachs
Historische Romane sind gern opulent, faktenreich, sinnlich und seitenstark. Es sei denn, sie stammen von Christine Wunnicke. Nicht dass ihre Romane dies alles – mit einer Ausnahme – nicht auch sind. Und doch sind die stets um ziemlich skurrile Gestalten und etwas abseitige Begebenheiten kreisenden Geschichten der 1966 geborenen Autorin ganz anders als man bei diesem Genre erwarten würde. Vor allem haben sie meist unter 200 Seiten. Und das ist auch bei dem neuesten Buch von Christine Wunnicke, Wachs betitelt und mit zunächst irritierendem, mit Zeichnungen von Passionsblumenblüten und einer Guillotine geschmücktem Cover im Berenberg Verlag erschien, nicht anders. Weiterlesen „Christine Wunnicke – Wachs“









