Es geht weiter mit der Neuveröffentlichung von älteren Werken des Literaturnobelpreisträgers von 2021 bei Penguin. Nachdem im letzten Jahr das aktuellste Buch von Abdulrazak Gurnah, Nachleben, im Original 2020 erschienen, veröffentlicht wurde, folgt nun ein Roman von 2006, Die Abtrünnigen. Wieder taucht der Autor tief in die Kolonialgeschichte Tansanias, Kenias und Sansibars ein und verwebt sie mit einer Liebesgeschichte und autobiografischen Elementen zu einem Roman über Familientradition, Kolonisation und Migration. Weiterlesen „Abdulrazak Gurnah – Die Abtrünnigen“
Autor: Petra Reich
Susanne Gregor – Wir werden fliegen
Ein Geschwisterroman, eine Flucht- und Migrationsgeschichte, ein Text über das Fortgehen und (Nicht)Ankommen, über die Suche nach Identität, Zugehörigkeit und den eigenen Weg im Leben – all das vereint Susanne Gregor in ihrem neuen Roman Wir werden fliegen, der an ihr voriges Buch Das letzte rote Jahr anknüpft, sich aber auch ganz wunderbar ohne Vorwissen lesen lässt (ich habe vom Vorgänger auch erst nach dem Lesen erfahren). Weiterlesen „Susanne Gregor – Wir werden fliegen“
Arno Frank – Seemann vom Siebener
Ein Spätsommertag im Freibad des kleinen fiktiven Ortes Ottersweiler in der Pfalz. Ein Tag, der nochmal alle Schönheit des Sommers auffährt, von dem man aber nicht weiß, ob es nicht vielleicht der letzte des Jahres sein wird. Neben zahlreichen mehr oder weniger liebenswerten Figuren steht das Provinzbad im neuen Roman von Arno Frank, Seemann vom Siebener, im Mittelpunkt. Hier warten keine Attraktionen auf die Besucher, keine Riesenrutsche, keine Erlebnisgastronomie. Liegewiese, 50 Meter-Becken, schon etwas marode Holz-Umkleidekabinen mit den üblichen Spannerlöchern, Kassenhäuschen und Kiosk mit Pommes und Langnese-Eiskarte – das war`s. Und dann ist da noch der 7er, der Sprungturm, dessen oberste Plattform seit einem tragischen Vorfall dauerhaft geschlossen ist. Weiterlesen „Arno Frank – Seemann vom Siebener“
Andrej Blatnik – Platz der Befreiung
Boy meets girl: Andrej Blatnik lässt seinen Protagonisten auf einer Demo im Sommer 1988 auf dem Platz der Befreiung auf eine ihn faszinierende junge Frau treffen. Es ist die erste große Massendemonstration in Slowenien. Drei Jahre später, im Juni 1991 verkündet das Land seine Unabhängigkeit, die es auch nach dem 10-Tage-Krieg behaupten kann, während andere jugoslawische Teilrepubliken in jahrelange, blutige kriegerische Auseinandersetzungen verfallen. Vor dem Hintergrund dieser Zeit der Unabhängigkeitserklärung bis in die Gegenwart hinein erzählt Blatnik vom Erwachsen- und Älterwerden von Protagonist und Land. Weiterlesen „Andrej Blatnik – Platz der Befreiung“
Olga Tokarczuk – Empusion
Es ist September 1913, am Vorabend des Ersten Weltkrieges, als ein junger, polnischer Student der Kanalisationsbautechnik aus Lemberg im Lungensanatorium Gröbersdorf (das heutige Sokolowsko) in Niederschlesien ankommt. Natürlich denkt die Leserin/der Leser sofort an Thomas Manns Zauberberg und seinen Helden Hans Castorp. Dass die Nobelpreisträgerin von 2019 Olga Tokarczuk mit ihrem neuen (und ersten Post-Nobel)Roman Empusion nicht nur einen Wiederaufguss oder eine Reminiszenz an den berühmten Sanatoriumsroman schreiben wollte, zeigen bereits der ungewöhnliche Titel und die beigefügte Gattungsbezeichnung „Eine natur(un)heilkundliche Schauergeschichte. Weiterlesen „Olga Tokarczuk – Empusion“
John Hersey – Hiroshima
Am 31. August 1946 erschien eine Sonderausgabe der Zeitschrift New Yorker. Sie war einer einzigen Reportage gewidmet und in Windeseile ausverkauft. Bis heute hat sich der Text Hiroshima von John Hersey weltweit über 30 Millionen Mal verkauft. Die Reportage über sechs Überlebende des Atombombenabwurfs auf Hiroshima am 6. August 1945 war ein Schock für die amerikanische Öffentlichkeit. Auch mit Hilfe von Zensur und Propaganda wurden die entsetzlichen Wirkungen und Spätfolgen der Bombe heruntergespielt, verharmlost, als unabdingbar für das Kriegsende und den Frieden dargestellt. Wenige Amerikaner wussten um die Wahrheit. Weiterlesen „John Hersey – Hiroshima“
Lektüre Mai 2023
Der Mai ist vorüber und es nähert sich die Jahres-Halbzeit. Auch wieder Zeit über die besten Bücher dieser ersten Hälfte nachzudenken. Und auch bei der Lektüre im Mai 2023 gab es da einige Kandidaten. Weiterlesen „Lektüre Mai 2023“
Éric Vuillard – Ein ehrenhafter Abgang
Ein Reiseführer für Französisch-Indochina aus den 1920er Jahren mit einem passenden Sprachführer, der fast ausschließlich Redewendungen im Imperativ enthielt, war es nach eigenem Bekunden, der den französischen Autor Éric Vuillard zu seinem neuesten Buch, Ein ehrenhafter Abgang, inspirierte. Und wieder hat er aus Fakten und Fiktion ein für ihn so typisches Genre geschaffen, das irgendwo zwischen historischem Sachbuch und dokumentarischem Roman angesiedelt ist. Schon in seinem mit dem Prix Goncourt gekürten Buch Die Tagesordnung, in Der 14. Juli und Der Krieg der Armen hat er diese Art der Komposition angewendet, die man vielleicht am besten als literarische Inszenierung historischer Ereignisse beschreiben kann. Dafür montiert er Fakten, die er präzise aus Dokumenten wie Briefen, Reden, Memoiren recherchiert hat, mit einer erfundenen Innen- und Gefühlswelt der beteiligten Personen. Bei aller Faktentreue entsteht daraus dann ein weniger sachliches als engagiertes Stück Literatur. Weiterlesen „Éric Vuillard – Ein ehrenhafter Abgang“
Anthony McCarten – Going Zero
Dass der gebürtige Neuseeländer Anthony McCarten auch ein sehr erfolgreicher, mehrfach oscarprämierter Drehbuchautor ist, merkt man seinem neuen, atemlosen Thriller Going Zero an. Intelligent, spannend und überraschend jagt der 61-Jährige seine Leser:innen durch die Seiten. Und das ganz ohne die sonst üblichen eindeutigen Schurken und (fast) ohne Gewalt. Weiterlesen „Anthony McCarten – Going Zero“
Teresa Präauer – Kochen im falschen Jahrhundert
Wie in einem Bühnenstück lässt die Österreicherin Teresa Präauer fünf bzw. sieben Protagonisten in ihrem fabelhaften Roman Kochen im falschen Jahrhundert zu einem Abendessen in der frisch renovierten und frisch bezogenen Altbauwohnung der Gastgeberin zusammentreffen. Eine Quiche soll es geben, dazu einen frischen Salat und reichlich perlenden Crémant d’Alsace. Für diese recht einfach gestrickte Menüfolge macht sie sich verblüffend viel Gedanken. Ja, man darf sogar von einer gewissen Angst vor diesem Abend, respektive vor seinem Scheitern, sprechen. Denn es sitzen ja nicht nur die Eingeladenen am Tisch, sondern all die Erwartungen, die gesellschaftlichen Normen, der zeitgeistige Kult ums Essen und der vielleicht unbewusste Wunsch, sich und die eigene Einstellung zur Welt und zum Leben durch dieses Abendessen quasi zu materialisieren. Weiterlesen „Teresa Präauer – Kochen im falschen Jahrhundert“









