Sara Klatt – Das Land, das ich dir zeigen will

Sara Klatt, die Autorin von Das Land, das ich dir zeigen will, ist 1990 in Hamburg geboren und dort aufgewachsen. Ihr Großvater wanderte nach dem Krieg von Berlin nach Israel aus, wurde dort aber nicht heimisch. Schon früh erzählte er seiner Enkelin von dort. Sie stellt ein Motto aus der Bibel ihrem Roman voran, der unverhohlen Autobiografisches erzählt.

„Und der Herr sprach zu Abraham:
Gehe aus deinem Vaterland und von deiner
Freundschaft und aus deines Vaters Hause
in ein Land, das ich dir zeigen will.“

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Jhumpa Lahiri – Das Wiedersehen

Jhumpa Lahiri wurde 1967 als Tochter bengalischer Eltern in London geboren und wuchs in Rhode Island auf. Bereits ihr literarisches Debüt, die Kurzgeschichtensammlung Melancholie der Ankunft, wurde ein großer Erfolg und wurde 2000 mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnet. Lahiri lebte mit ihrer Familie einige Zeit in Rom und bezeichnet das Italienische als ihre Wahlsprache, in der sie bereits den letzten Roman Wo ich mich finde verfasst hat. Nun hat Jhumpa Lahiri auch die Römischen Geschichten in Das Wiedersehen auf Italienisch geschrieben, die von Julika Brandestini ins Deutsche übersetzt wurden. Weiterlesen „Jhumpa Lahiri – Das Wiedersehen“

Lektüre Juli 2024

Unverändert viel gelesen, aber nahezu nichts besprochen: so lautet (leider) das Fazit zu meiner Lektüre im Juli 2024.

Viel Gartenzeit, Arbeitszeit, Abifeiern des Sohnes und Vor- und Nachbereitung des Literaricum Lech haben dazu geführt, dass ich erstmals in einen Lektüre-Rückblick starte, ohne vorher eines der Bücher besprochen zu haben. Doch Stopp – eine Ausnahme gibt es. Ein Buch, das ich zwar auf meinem Monatslesebild glatt vergessen habe, das aber keinesfalls vergessen gehört und zu einem meiner liebsten bei der Lektüre im Juli 2024 gehörte: Abdulrazak Gurnahs Das versteinerte Herz. Mein Monatsliebling war Das Land, das ich dir zeigen will von Sara Klatt. Eine Autorin, die mir bisher völlig unbekannt war und die mich mit ihrer Rückbesinnung auf Großvater und Eltern und ihre Aufenthalte in Israel sehr positiv überrascht und schlichtweg begeistert hat. Große Empfehlung.

Aber es gab noch mehr Empfehlenswertes:

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Literaricum Lech – Lolita

In der vergangenen Woche (18. bis 21. Juli 2024) fand in Lech am Arlberg die vierte Ausgabe des Literaricum Lech mit dem Roman Lolita statt. In der herrlichen Landschaft der Vorarlberger Hochalpen treffen sich auf bis über 1750 Metern Höhe Literat:innen, Kritiker:innen und interessiertes Lesepublikum um sich wie jedes Jahr einem Klassiker der Weltliteratur an drei Festivaltagen aus verschiedenen Perspektiven zu nähern. Nach eigenem Motto wird Bildung und Unterhaltung auf hohem Niveau geboten. Das kann ich uneingeschränkt bestätigen. Eingeladen von Lech Zürs Torismus konnte ich drei Tage lang interessante und hochkarätige Veranstaltungen rund um Vladimir Nabokovs Lolita besuchen, mit den Autor:innen und Pressekolleg:innen sprechen und tolle Leute kennenlernen. Das Wetter spielte auch mit, ein paar Wolken, ein paar Tropfen Regen, ansonsten strahlte die Sonne und verbreitete richtiges Feriengefühl. Weiterlesen „Literaricum Lech – Lolita“

Abdulrazak Gurnah – Das versteinerte Herz

Wenige Literaturnobelpreisträger konnten mich bisher so begeistern wie Abdulrazak Gurnah, dem 2021 der Preis verliehen wurde und den hierzulande bis dahin kaum jemand kannte. Alle Übersetzungen waren zum Zeitpunkt der Verkündung nur noch antiquarisch zu bekommen. Sehr schnell hat sich allerdings der Penguin Verlag verdient gemacht, alle Romane von Abdulrazak Gurnah auch in Deutschland verfügbar zu machen und veröffentlicht diese seitdem nach und nach, so nun auch den 2017 im Original erschienenen Roman Gravel Heart, in der Übersetzung Das versteinerte Herz. Weiterlesen „Abdulrazak Gurnah – Das versteinerte Herz“

Maria Leitner – Hotel Amerika

In der Buchreihe „Reclam´s Klassikerinnen ist in diesem Jahr ein Buch (wieder)erschienen, dass sehr passend zu meiner letzten Lektüre, Uwe Wittstocks Marseille 1940 ist. Die Autorin von Hotel Amerika, die 1892 geborene, deutschsprachige Ungarin Maria Leitner, musste selbst als Jüdin Deutschland und 1940 dann auch das besetzte Paris verlassen. Ihr gelang zwar die Flucht aus dem Internierungslager Gurs in Südfrankreich, am 14. März 1942 starb sie aber in Marseille in der Psychiatrie an Hunger. Ihr war die Ausreise trotz Unterstützung von Varian Fry nicht gelungen. Die USA gewährten ihr als erklärter „Linken“ (ihre Brüder waren 1919 Mitglieder der kurzlebigen ungarischen Räterepublik) kein Visum, obwohl sie auf der Liste des Emergency Rescue Committees stand. Weiterlesen „Maria Leitner – Hotel Amerika“

Lolita beim Literaricum Lech 2024

Einer der umstrittensten Romane des 20. Jahrhunderts steht im Mittelpunkt des vierten Literaricum Lech 2024 – Lolita von Vladimir Nabokov

Am 18. Juli 2024 beginnt das vierte Literaricum in Lech am Arlberg – dieses Jahr mit Lolita im Mittelpunkt.
Ein feines, kleines Literaturfestival inmitten herrlicher Berglandschaft, das seit 2021 jedes Jahr einen Klassiker der Weltliteratur in den Mittelpunkt stellt. Der Simplicius Simplicissimus, Bartleby, der Schreiber und Stolz und Vorurteil waren bereits Thema, jeweils umrahmt von einem tollen Podiumsprogramm mit bekannten Autor:innen und ihren aktuellen Büchern, mit Menschen aus der Literaturkritik und spannenden Themen.
Kuratiert wird das Programm von der wunderbaren Nicola Steiner und ich durfte die letzten beiden Jahre bereits dabeisein. Die Mischung aus Literatur, Kultur und herrlicher Bergwelt, der nahe Kontakt mit allen Beteiligten und das Wiedersehen mit mittlerweile liebgewonnenen Lesebegeisterten machen für mich das Literaricum zu einem Jahreshighlight, an das ich immer gerne zurückdenke. Deshalb hier ein kleiner Rückblick auf die Jahre 2022 und 2023. Weiterlesen „Lolita beim Literaricum Lech 2024“

Margaret Atwood, Douglas Preston (Hrsg.) – Vierzehn Tage

Die Kanadische Autorin Margaret Atwood und der US-amerikanische Thriller-Autor Douglas Preston haben ein ganz besonderes Buch über eine ganz besondere Zeit herausgegeben – Vierzehn Tage ist ein Gemeinschaftsroman von 36 Autor:innen aus den USA und Kanada über zwei Frühjahrswochen in New York im Jahr 2020. Sehr fern erscheint uns heute diese doch eigentlich noch so nahe liegende Zeit, hinweggefegt durch sich ständig überschlagende Ereignisse: Russlands Angriffskrieg, der 7. Oktober 2023, das Leid in Gaza, der Antisemitismus, der Rechtsruck. Gefühlt begann diese unruhige, beängstigende Zeit im Februar/März 2020 mit der Corona-Pandemie. Weiterlesen „Margaret Atwood, Douglas Preston (Hrsg.) – Vierzehn Tage“

Uwe Wittstock – Marseille 1940

Nach Februar 33. Der Winter der Literatur beschäftigt sich Uwe Wittstock in seinem neuen erzählenden Sachbuch Marseille 1940. Die große Flucht der Literatur mit einem weiteren Krisenjahr. Nachdem er in der typischen mosaikartigen Erzählweise die bedrohlichen Ereignisse unmittelbar nach Hitlers Machtübernahme anhand verschiedener Autoren wie Joseph Roth, Alfred Döblin und Thomas Mann beleuchtet hat, verpackt er nun die tragischen Ereignisse nach der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht im Juni 1940 wieder in viele kleine Episoden, wieder ganz nah an den Personen, chronologisch fortschreitend, unglaublich dicht, detailliert und spannend. Quellen waren wieder vor allem Selbstzeugnisse von Schriftsteller:innen und anderen Kulturschaffenden, wie Briefe, Tagebücher, Aufzeichnungen und Erinnerungen. Weiterlesen „Uwe Wittstock – Marseille 1940“

Stumme Zeit – Mit Silke von Bremen durch Keitum

Die Heimatforscherin und Sylt-Gästeführerin Silke von Bremen hat mit Stumme Zeit einen Deütroman geschrieben, der zurück in die 1970er Jahre führt, als der Massentourismus begann, die Insel zu erobern. In langen Rückblicken führt er aber auch in eine sehr dunkle, in die stumme Zeit des Nationalsozialismus. Hauptprotagonistin ist Helma, die seit ihrer Geburt 1936 in einem Dorf auf Sylt lebt. Die Lage nahe dem Wattenmeer und die Präsenz von vielen alten Kapitänshäusern lässt auf das Dorf Keitum schließen, einst Hauptstadt von Sylt und ein Stück lebendige Inselgeschichte aus der Zeit des 18. Jahrhundert, als der Walfang noch die Haupterwerbsquelle von Sylt war. Weiterlesen „Stumme Zeit – Mit Silke von Bremen durch Keitum“