Juan Gabriel Vásquez – Lieder für die Feuersbrunst

Juan Gabriel Vásquez ist der bedeutendste zeitgenössische kolumbianische Autor und sicher einer der wichtigsten Südamerikas. Mit dem magischen Realismus etwa seines Landsmannes Gabriel García Márquez hat der 1973 geborene, lange in Europa lebende Schriftsteller nichts zu tun. Die Romane von Juan Gabriel Vásquez zeichnen wie die Erzählungssammlungen Die Liebenden von Allerheiligen und die neu erschienenen Lieder für die Feuersbrunst ein sachlicher, verknappter Erzählstil aus, wie immer hervorragend übersetzt von Susanne Lange. Weiterlesen „Juan Gabriel Vásquez – Lieder für die Feuersbrunst“

Deutscher Buchpreis 2005-2020 – Ein Rückblick

Manche von euch haben es vielleicht schon gesehen: Ich darf dieses Jahr als eine von 20 offiziellen Buchpreisblogger:innen den Preis begleiten und nehme das zum Anlass: hier ein kleiner Rückblick auf 16 Jahre Deutscher Buchpreis und die Gewinner der Jahre 2005-2020. Weiterlesen „Deutscher Buchpreis 2005-2020 – Ein Rückblick“

Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter – Der Kranz

Als ich 2019 zum Gastlandauftritt Norwegens auf der Frankfurter Buchmesse in dessen Literaturgeschichte und den Autor:innen-Verzeichnissen stöberte, stieß ich immer wieder auf einen Namen: Sigrid Undset. 1928 erhielt die Norwegerin Sigrid Undset den Literaturnobelpreis, vor allem für ihre Mittelalter-Trilogie um eine eigenwillige Frau – Kristin Lavranstochter. Jetzt wird der Romanzyklus im Kröner Verlag neu herausgegeben und startet mit Teil 1 – Der Kranz. Weiterlesen „Sigrid Undset – Kristin Lavranstochter – Der Kranz“

Dorothy West – Die Hochzeit

Nur zwei Romane veröffentlichte die afroamerikanische Autorin Dorothy West neben zahlreichen Erzählungen in den 91 Jahren ihres Lebens. Der ersten, The living is easy, erschien 1948. Da war West 41 Jahre alt. Der Erfolg blieb aus, vielleicht weil das Publikum von einer Schwarzen Autorin etwas anderes erwartete. West, die aus einer der reichsten Familien Bostons stammte – der Vater wurde noch als Sklave geboren, kam dann aber mit Lebensmittelhandel zu Geld -, schrieb über das wohlhabende Schwarze Bürgertum. Chauffeure, Kricket-Turniere auf gepflegtem englischen Rasen, Ferien auf Martha´s Vineyard, das war nicht das, was man von Autor:innen der Harlem Renaissance erwartete. Dieser sozialen, kulturellen und künstlerischen Bewegung, die ein neues Selbstbewusstsein der Schwarzen Bevölkerung ausdrücken wollte, fühlte sich Dorothy West zugehörig. Allerdings war sie wenig politisch, die radikalen Black Panther und Malcolm X verachtete sie regelrecht. Erst die Überredungskünste einer Nachbarin auf Martha´s Vineyard, einer Lektorin namens Jackie Kennedy Onassis, ermutigten Dorothy West, ihren zweiten Roman Die Hochzeit zu vollenden. Er erschien 1995, drei Jahre vor Wests Tod und wurde, auch dank der Unterstützung von Oprah Winfrey, ein Erfolg und prominent verfilmt. Weiterlesen „Dorothy West – Die Hochzeit“

Yanick Lahens – Sanfte Debakel

Vor ein paar Wochen wurde bekannt, dass der Haitianische Präsident Jovenes Moïse in seinem Haus erschossen wurde. Leser:innen des packenden Romans Sanfte Debakel von Yanick Lahens dürften davon nicht allzu überrascht sein und tatsächlich auch die Meldung von „spanisch sprechenden Angreifern“ zumindest in Zweifel ziehen. Welches Gewaltpotential, welches rücksichtslose Machtstreben und welche Menschenverachtung inmitten von Teilen der haitianischen Gesellschaft herrscht, wie hilflos ihnen die Bevölkerung ausgesetzt ist und wie wenig greifbare Hoffnung zur Zeit herrscht, das macht die 1953 geborene Autorin, die zu den wichtigsten intellektuellen Stimmen des Landes gehört, eindrücklich deutlich. Weiterlesen „Yanick Lahens – Sanfte Debakel“

Leïla Slimani – Das Land der Anderen

Seitdem Leïla Slimani 2016 für ihren Roman Dann schlaf auch du mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde, gilt die 1981 in Rabat/Marokko geborene Autorin als eine der renommiertesten und einflussreichsten Autor:innen Frankreichs. Psychologisch genau, offen, nüchtern und eher knapp war auch bereits ihr erster Roman All das zu verlieren, der auf Deutsch erst 2019 veröffentlicht wurde. Nun erscheint von Leïla Slimani ein etwas anderes, auf drei Teile angelegtes Romanprojekt, das episch breiter eine Familiengeschichte zwischen Frankreich und Marokko erzählt, die sehr derjenigen der Autorin ähnelt – Das Land der Anderen ist der erste Band. Weiterlesen „Leïla Slimani – Das Land der Anderen“

Brandon Taylor – Real Life

Ein Sommerwochenende am See. Eine Universitätsstadt irgendwo im Mittleren Westen der USA. Eine Clique von Doktoranden der Biochemie nebst Anhang, die sich treffen, um die Woche bei eins, zwei kühlen Bier ausklingen zu lassen. So idyllisch und einem Campusroman ähnlich wie das klingt, ist der Debütroman Real Life von Brandon Taylor, mit dem der 1989 geborene Autor 2020 gleich auf der Shortlist zum Booker Prize stand, keineswegs. Weiterlesen „Brandon Taylor – Real Life“

Julian Barnes – Der Mann im roten Rock

Samuel Pozzi
Samuel Pozzi Gemälde von John Singer Sargent, Public domain, via Wikimedia Commons

Es beginnt mit einem Gemälde von John Singer Sargent. Das 1881 entstandene, in opulenten Rottönen gehaltene Ölgemälde zeigt lebensgroß einen in einen edlen Morgenrock gekleideten, in exquisiter Pose verharrenden Mann. Es ist Samuel Jean Pozzi (1846-1918), bekannter Pariser Arzt, Chirurg und Hygieniker, seit 1909 Inhaber des ersten Lehrstuhls für Gynäkologie in Frankreich. Julian Barnes nimmt ihn, Der Mann im roten Rock, als Türöffner für seine Reise in eine Epoche, die gemeinhin auch die Schöne genannt wird. Die „Zeit des Friedens zwischen der katastrophalen französischen Niederlage von 1870-71 und dem katastrophalen französischen Sieg 1914-18“ gilt als Blütezeit der Kunst, als Zeit der Ästhetisierung des Daseins und des Glamours „mit mehr als einem Hauch von Dekadenz“ – für die, die es sich leisten konnten. Weiterlesen „Julian Barnes – Der Mann im roten Rock“

Robin Robertson – Wie man langsamer verliert

Das erstaunliche Prosagedicht des schottischen Lyrikers Robin Robertson stand 2018 auf der Shortlist des Man Booker Prize – nun ist es unter dem Titel Wie man langsamer verliert in der sehr gelungenen Übersetzung von Anne-Kristin Mittag auf Deutsch erschienen. Im Original ist dem Titel noch ein anderer vorangestellt. The Long Take or A Way To Lose More Slowly verrät die große Affinität des Romans zum Film. Eigentlich kein Wunder, denn ein Großteil des Romans spielt in Los Angeles zur Glanzzeit von Hollywood. Weiterlesen „Robin Robertson – Wie man langsamer verliert“