Bov Bjerg – Deadline

Den jüngst erschienenen Roman Deadline des erfolgreichen Schriftstellers Bov Bjerg begleitet eine häufig erzählte Geschichte. 2008 als Debüt des Lesebühnenautors und Literaturinstitutsabsolventen beim Mitteldeutschen Verlag in einer Auflage von 750 Exemplaren erschienen, verkauften sich davon lediglich 224. Die Restauflage, die bei der steigenden Bekanntheit des Autors spätestens nach seinem sehr erfolgreichen Roman Auerhaus (im vergangenen Jahr erhielt Serpentinen dann sogar eine Shortlist-Platzierung beim Deutschen Buchpreis), durchaus nochmal Beachtung hätte finden können, wurde bei einem Lagerbrand 2013 komplett vernichtet. Nun also die Neuauflage im neu gegründeten Kanon-Verlag – wie passend. Weiterlesen „Bov Bjerg – Deadline“

Hanne Ørstavik – Ti amo

Wie soll man damit umgehen, dass ein nahestehender, geliebter Mensch stirbt? Ein Mensch, mit dem man Tag für Tag das Leben und das Bett teilt? Wie soll man damit umgehen, dass dieser Mensch nicht über seinen Tod, nicht über sein Sterben, kaum über seine Krankheit und sein Befinden sprechen möchte? Wie soll man mit der großen Einsamkeit und dem Schmerz, die diese Sprachlosigkeit hervorruft, umgehen? Fragen, die sich Hanne Ørstavik in ihrem schmalen Text Ti amo stellt. Weiterlesen „Hanne Ørstavik – Ti amo“

Mithu Sanyal – Identitti

Race, class, gender – Begriffe, die in der interessierten Öffentlichkeit immer mehr an Bedeutung gewinnen und heftig und kontrovers diskutiert werden. Auch immer zahlreichere Buchveröffentlichungen gibt es zu den Themen, sowohl im Sachbuchsegment als auch im literarischen Bereich. Zu Recht wurde im Frühjahr kritisiert, dass sich keines davon unter den für den Preis der Leipziger Buchmesse nominierten Bücher befand, geschweige denn, dass eine/r der Autor:innen einen anderen Hintergrund hat als: Deutsch, Weiß, Cis und Hetero. Besonders das Fehlen von zwei Romanen, die im Frühjahr für viel Aufsehen sorgten und größtenteils positive bis begeisterte Kritiken und viel Publikumszuspruch erhielten, wurde beklagt: Sharon Dodua Otoos Adas Raum und Identitti von Mithu Sanyal. Zumindest letzteres befindet sich nun auf der deutlich diverseren Longlist zum Deutschen Buchpreis 2021. Zu meiner großen Freude ist Identitti zudem mein Patenbuch, das ich (hoffentlich) bis zur Bekanntgabe der Gewinner:in am 18. Oktober als offizielle Buchpreisbloggerin medial begleiten darf. Weiterlesen „Mithu Sanyal – Identitti“

Christian Dittloff – Niemehrzeit

Trauerbücher und Texte über den endgültigen Abschied von geliebten Menschen gibt es viele. Und auch Christian Dittloff macht von Anfang an klar, dass er mit seiner Niemehrzeit. Das Jahr des Abschieds von meinen Eltern in einer langen Tradition steht. Zitate aus Peter Härtlings Nachgetragene Liebe und Motti von Annie Ernaux, Joan Didion und Roland Barthes leiten in das Buch hinein. Besonders des Letzteren „Nie mehr, nie mehr!“ hatte sicher nicht unbeträchtlich Anteil an der Wahl des Buchtitels. Weiterlesen „Christian Dittloff – Niemehrzeit“

Ayelet Gundar-Goshen – Wo der Wolf lauert

„Ich sehe im Geist diese winzigen Fingerchen, die eines Neugeborenen, und versuche zu begreifen, wie sie zu den Fingern eines Mörders heranwachsen konnten.“ Ein Satz, der seine Leser:innen magnetisch hineinzieht in den neuen Roman der israelischen Bestseller-Autorin Ayelet Gundar-Goshen – Wo der Wolf lauert. Weiterlesen „Ayelet Gundar-Goshen – Wo der Wolf lauert“

Lektüre August 2021

Nach der Vorstellung meiner Urlaubslektüre folgen nun die Kurzvorstellungen der restlichen im August gelesenen Bücher. Hier habe ich nun mit der Lektüre von Herbstneuerscheinungen begonnen und bereits einige sehr schöne Titel entdeckt. Die nächsten Wochen werden dann wohl für einige Longlist-Titel, vor allem auch für mein Patenbuch beim #Buchpreisbloggen – Mithu Sanyals-Identitti – verwendet werden. außerdem steht noch ein Projekt zum Buchmessen-Gastland 2021 – Kanada an. Darauf dürft ihr auch gespannt sein. Also reichlich zu tun hier auf LiteraturReich. Ich freue mich sehr darauf. Nun aber erst einmal zu meiner Lektüre im August 2021. Weiterlesen „Lektüre August 2021“

Donna Leon – Flüchtiges Begehren

Seit fast dreißig Jahren ermittelt der kultivierte, gebildete und mit besten Manieren versehene Guido Brunetti für die Questura in Venedig. Anders als viele seiner literarischen Ermittlerkollegen ist Brunetti frei von persönlichen Abgründen oder Lastern, liebt gutes Essen, seine Familie und die klassischen Autoren. Seinen Plinius oder Tacitus in der Hand, ein gutes Glas Wein in der Nähe, hat er seit jeher ein entspanntes Verhältnis zu seiner Arbeit. Das kommt seinen LeserInnen zugute, können sie ihn doch so auf seinen ausgedehnten Spaziergängen durch die Gassen Venedigs und in die vielen kleinen Cafés und Trattorien begleiten. So auch im neuesten Fall von Donna Leon: Flüchtiges Begehren.

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Sommerlektüre 2021

Sommerlektüre 2021- Von Räubern, einem Monat in Siena, Kunst und der Unschärfe der Welt

Kleiner Nachtrag zu meiner Sommerlektüre. Vor meinem Urlaub hatten sich zum Glück so einige Rezensionen aufgestaut, so dass ich in den 18 Tagen Italien tatsächlich nicht „arbeiten“ musste und bereits Fertiges veröffentlichen konnte. Gelesen habe ich natürlich dennoch und damit es nicht einen noch größeren „Nachurlaubsstau“ gibt, fasse ich meine Urlaubslektüre mal in einem Sammelbeitrag zusammen. Tolle Bücher, jedes hätte eigentlich einen eigenen langen Post verdient – alles uneingeschränkte Empfehlungen!

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Zadie Smith – Grand Union

Geschrieben hat sie Short Stories schon immer. Nun veröffentlicht Zadie Smith ihren ersten Erzählungsband, Grand Union. Handlungsorte sind Smiths Heimatstadt London, New York, wo sie an der New York University kreatives Schreiben unterrichtete und verschiedene Ort in Europa. So divers wie die Schauplätze sind auch die Themen, Perspektiven und Erzählweisen. Von ganz klassischen Short Stories über dystopische Settings zu sehr experimentell angelegten Geschichten bietet die Sammlung ein Kaleidoskop von Betrachtungen unseres gegenwärtigen Lebens, das so schnelllebig, schwer zu greifen und zu verstehen ist. Themen, die überall aufblitzen sind die aus ihren bisher fünf Romanen bekannten: Rassismus, Klassismus und Sexismus. Weiterlesen „Zadie Smith – Grand Union“

Deutscher Buchpreis 2021 – Die Longlist

Deutscher Buchpreis 2021 – Die Longlist

Wer mir schon eine Weile folgt, weiß, dass ich den Deutschen Buchpreis schon sehr lange verfolge, viele Titel der jeweiligen Long- und Shortlists gelesen und teilweise auch besprochen habe. Ich freue mich über das Interesse an Literatur, in diesem Fall deutschsprachiger, das durch diesen Preis jedes Jahr angefacht wird, gerade auch was die Medienaufmerksamkeit betrifft. Und wenn natürlich auch nie der eine “beste” Roman erwählt werden kann, da es diesen bei der Divergenz der Lesevorlieben und -erwartungen gar nicht geben kann, habe ich persönlich doch in den letzten Jahren durch den Preis einige Bücher entdeckt, die mir sonst vielleicht verborgen geblieben wären. Umso mehr freue ich mich, dass ich in diesem Jahr als eine von zwanzig offiziellen Buchpreisblogger:innen dabei sein darf und ein zugelostes Patenbuch in den Mittelpunkt meiner Aufmerksamkeit rücken wird. Beiträge dazu werden hier in den nächsten Wochen bis zur Preisverleihung am 18. Oktober, bei der ich auch dabei sein werde, erscheinen. Weiterlesen „Deutscher Buchpreis 2021 – Die Longlist“