Meri Valkama – Deine Margot

Eine 1980 geborene Finnin schreibt einen Roman über den Untergang der DDR – das mag zunächst verwundern. Meri Valkama lebte allerdings, wie die Protagonistin in ihrem Debütroman Deine Margot, als Kind einige Jahre in Ost-Berlin, wo ihr Vater – auch das eine Übereinstimmung – als Korrespondent einer linken finnischen Zeitung tätig war. Weiterlesen „Meri Valkama – Deine Margot“

Mirrianne Mahn – Issa

Mirrianne Mahn ist Theaterfrau, Aktivistin und Stadtverordnete in Frankfurt am Main, nun hat sie mit Issa ihren Debütroman vorgelegt. Die in Kamerun geborene, im Hunsrück aufgewachsene und nun in Frankfurt lebende Mahn engagiert sich für Diversität und gegen Rassismus, ist meinungsstark und laut. Ihr Roman über fünf Frauen einer Familie, die ihre Wurzeln in Westafrika haben, deren jüngere Vertreterinnen aber Deutsche sind, auch wenn sie immer wieder das Gefühl vermittelt bekommen, nicht so richtig dazuzugehören, ist eher leise, zutiefst berührend, lustig, erkenntnisreich.

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Alem Grabovac – Die Gemeinheit der Diebe

Mit Die Gemeinheit der Diebe erzählt der Berliner Autor Alem Grabovac die Geschichte seines Debütromans Das achte Kind erneut, verlagert den Fokus ein wenig und schreitet zeitlich weiter voran, bis an die Entstehungszeit eben dieses Vorläuferromans. Es ist seine eigene Geschichte und die seiner Familie, die uns hier nur leicht fiktionalisiert begegnet. Und wieder vermag der Autor mit seiner sachlich-nüchternen Erzählweise tief zu berühren. Weiterlesen „Alem Grabovac – Die Gemeinheit der Diebe“

Vigdis Hjorth – Ein falsches Wort

Über 100 norwegische Autoren waren bei der Frankfurter Buchmesse 2019 im Rahmen des Gastlandauftritts anwesend und haben mit viel Leidenschaft ihre Bücher und die Literatur ihres Landes einem sehr interessierten Publikum vorgestellt. Das Medienecho war groß. Und doch haben einige Bücher nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen oder die man erwarten konnte. Vigdis Hjorth ist mit ihrem Roman Bergljots Familie ein solches Beispiel. Wie wunderbar, dass der S.Fischer Verlag mit der Veröffentlichung des neuesten Hjorth-Romans Vigdis Hjorth – Die Wahrheiten meiner Mutter auch die Veröffentlichung älterer Werke der Autorin in Angriff genommen hat. Unter dem Titel Ein falsches Wort erscheint nun auch der Roman über Bergljots Familie von Vigdis Hjorth, die sich über Erbstreitigkeiten völlig verliert. Weiterlesen „Vigdis Hjorth – Ein falsches Wort“

Gabriel Heim – Wer sind Sie denn wirklich Herr Gasbarra?

„Wer sind Sie denn wirklich, Herr Gasbarra?“ fragt Gabriel Heim, nie anerkannter Sohn des 1895 in Rom geborenen Autors, Dramaturgs und Übersetzers Felix Gasbarra, der in den 1920er Jahren mit Theatergrößen wie Erwin Piscator und Bertolt Brecht zusammenarbeitete, in seiner „Vatersuche auf zwei Kontinenten“. Er wird sich seinem unbekannten Erzeuger bei seinen intensiven Recherchen etwas annähern können, die Frage bleibt allerdings bis zum Ende unbeantwortet. Und nicht nur für ihn und uns Lesenden.

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Elisabeth Bronfen – Händler der Geheimnisse

Die Kultur- und Literaturwissenschaftlerin Elisabeth Bronfen hat mit Händler der Geheimnisse ihren ersten Roman veröffentlicht. Darin geht es mit einigen autobiografischen Anklängen um die Theaterwissenschaftlerin Eva Bromfield, die nach dem überraschenden Tod ihres Vaters tief in die Familiengeschichte und besonders die Nachkriegszeit hineingezogen wird. Trotz einiger sprachlicher Schwächen liest sich das Buch bis zum Ende ungeheuer spannend. Weiterlesen „Elisabeth Bronfen – Händler der Geheimnisse“

Sepp Mall – Ein Hund kam in die Küche

„Die große Option“ – so wurde vollmundig die 1939, nach dem „Anschluss“ Österreichs, von Adolf Hitler und Benito Mussolini getroffene Vereinbarung zu Südtirol genannt. Die Bevölkerung des nach Ende des Ersten Weltkriegs Italien zugeschlagenen ehemaligen österreichisch-ungarischen Gebiets südlich des Brennerpasses sollte „frei“ wählen können, ob sie sich der schon seit 1922 von den regierenden Faschisten betriebenen Italianisierung unterordnen wollen oder aber die „Heim ins Reich“-Option wählen und umgesiedelt werden. Von den etwa 250.000 „volksdeutschen“ Südtirolern, was 80 % der Bevölkerung ausmachte, wählte 85% die letztere Möglichkeit. Bis zur Besetzung Norditaliens durch die Deutschen im September 1943 wanderten 75.000 Südtiroler ins Deutsche Reich aus. So auch die Familie von der Sepp Mall in seinem für den deutschen Buchpreis 2023 nominierten Roman Ein Hund kam in die Küche erzählt. Weiterlesen „Sepp Mall – Ein Hund kam in die Küche“

Vigdis Hjorth – Die Wahrheiten meiner Mutter

Die Autorin Vigdis Hjorth zählt in ihrem Heimatland Norwegen zu den bekanntesten und mit fast 30 Veröffentlichungen auch zu den produktivsten literarischen Stimmen. In Deutschland gilt es die 1959 in Oslo geborene Schriftstellerin erst noch zu entdecken. Zwar sind einige ihrer Romane bereits ins Deutsche übersetzt in verschiedenen Verlagen erschienen, aber keiner davon wurde so richtig beachtet. Was vielleicht an den mit Verlaub ziemlich dämlichen deutschen Titeln gelegen haben könnte. Im Osburg Verlag fand sie dann ein Zuhause, das ihre Werke ernst nahm. Und nun sorgt hoffentlich der Wechsel in den renommierten S. Fischer Verlag dafür, dass sie auch einem breiteren Publikum bekannt wird. Hier erschien unlängst der neueste Roman von Vigdis Hjorth, Die Wahrheiten meiner Mutter. Er mor død (Ist Mutter tot?) heißt er im Original. Und um eine komplexe, schwierige Mutter-Tochter-Beziehung geht es. Weiterlesen „Vigdis Hjorth – Die Wahrheiten meiner Mutter“

Helga Flatland – Die Resonanzen

Als 2009 Alexander Rybak mit seiner Hardangerfiedel den ESC für Norwegen gewann, war dieses nordische Streichinstrument, das der Violine ähnelt, neben den vier Spielsaiten aber noch unter dem Griffbrett verlaufende Resonanzsaiten besitzt, hierzulande wenig bekannt. Für Norwegen ist es so etwas wie ein Nationalinstrument. Neben der Volksmusik, gibt es auch klassische Musik, die dafür komponiert wurde, so etwa auch Edward Grieg, dessen Peer Gynth-Suite ich im Sommer von der Geigerin Ragnhild Hemsing auf der Hardangerfiedel gespielt habe genießen können. Resonanzsaiten werden nicht direkt gespielt, sondern schwingen bei bestimmten Tonhöhen mit und variieren dadurch den Klang. „Etterklang“, der Nachhall, so ist der Roman von Helga Flatland im Original betitelt, Die Resonanzen trifft es in der deutschen Übersetzung von Ina Kronenberger und Elke Ranzinger aber auch ganz wunderbar. Resonanzen, die auch im menschlichen Miteinander entstehen, auch wenn sie nicht beabsichtigt waren. Weiterlesen „Helga Flatland – Die Resonanzen“