Nach einigen recht melancholischen Bänden ihrer Commissario Brunetti-Reihe überrascht es beinehe, dass der neue Roman von Donna Leon fast ein wenig heiter daherkommt, obwohl sich die mittlerweile achtzigjährige Autorin in ihrem 32. Fall einem dunklen Kapitel der jüngeren italienischen Geschichte widmet, Wie die Saat, so die Ernte. Weiterlesen „Donna Leon – Wie die Saat so die Ernte“
Literaricum Lech 2023 – Ein Interview mit Nicola Steiner
Seit 2014 kennen wir die 1973 in Berlin geborene Literaturredakteurin als kompetente und sehr sympathische Moderatorin des Schweizer «Literaturclub» und als Teil eines der beiden Moderatorenteams (gemeinsam mit Franziska Hirsbrunner) von «Zwei mit Buch», der Nachfolgesendung von «52 beste Bücher» im SRF. Zuvor arbeitete Nicola Steiner nach einem Studium der Sprachen, Wirtschafts- und Kulturraumstudien an der Universität Passau bei den Verlagen Hanser und Schöffling & Co. und bei der Zeitschrift «Du» und als Redakteurin für die Sendung «Sternstunde Philosophie», ebenfalls beim SRF, und war freie Mitarbeiterin von Daniel Keel, dem 2011 verstorbenen Verleger des Diogenes Verlags. Sie ist aktuell Mitglied der Jury der SWR-Bestenliste und Jury-Vorsitzende des Solothurner Literaturpreises und als Dozentin an der Ringier-Journalistenschule tätig. Ein ganz schön strammes Programm. Umso mehr habe ich mich gefreut, dass Nicola Steiner mir im Interview ein paar Fragen zum Literaricum Lech, das 2023 zum dritten Mal am Arlberg stattfinden wird und dessen Kuratorin sie außerdem noch ist, beantwortet hat. Besonders da ab 1. September 2023 eine neue herausfordernde Aufgabe auf sie wartet: Nicola Steiner übernimmt als Nachfolgerin von Gesa Schneider die Leitung des Zürcher Literaturhauses. Weiterlesen „Literaricum Lech 2023 – Ein Interview mit Nicola Steiner“
Lektüre Juni 2023
Meine Lektüre im Juni 2023: nur außergewöhnlich gute Bücher, die ich alle – in ihrer Unterschiedlichkeit – von Herzen empfehlen kann. Von der episch breiten historischen Erzählung zum verdichteten poetisch-experimentellen Roman: alle waren wirklich herausragend, weswegen ich diesen Monat keinen Favoriten vorstellen kann. Es ist die bunte Vielfalt, die meine Lektüre Juni 2023 so erfolgreich gemacht hat. Weiterlesen „Lektüre Juni 2023“
Asta Nielsen – Im Paradies
Die Dänin Asta Nielsen war der weibliche Star des deutschen Stummfilms. Weniger bekannt ist, dass sie nach Beendigung ihrer Schauspielkarriere zahlreiche Erzählungen geschrieben hat. In der wunderbaren Reihe Lieblingsbücher von Kat Menschik illustriert erscheinen nun fünf kurze Texte in der gewohnt liebevoll-aufwendig gestalteten Aufmachung des Galiani Verlags: dreiseitiger silbriger Buchschnitt, Glanz-Prägung und in frischen Blau-Tönen gehaltene Illustrationen mit roten Akzenten. Weiterlesen „Asta Nielsen – Im Paradies“
Abdulrazak Gurnah – Die Abtrünnigen
Es geht weiter mit der Neuveröffentlichung von älteren Werken des Literaturnobelpreisträgers von 2021 bei Penguin. Nachdem im letzten Jahr das aktuellste Buch von Abdulrazak Gurnah, Nachleben, im Original 2020 erschienen, veröffentlicht wurde, folgt nun ein Roman von 2006, Die Abtrünnigen. Wieder taucht der Autor tief in die Kolonialgeschichte Tansanias, Kenias und Sansibars ein und verwebt sie mit einer Liebesgeschichte und autobiografischen Elementen zu einem Roman über Familientradition, Kolonisation und Migration. Weiterlesen „Abdulrazak Gurnah – Die Abtrünnigen“
Susanne Gregor – Wir werden fliegen
Ein Geschwisterroman, eine Flucht- und Migrationsgeschichte, ein Text über das Fortgehen und (Nicht)Ankommen, über die Suche nach Identität, Zugehörigkeit und den eigenen Weg im Leben – all das vereint Susanne Gregor in ihrem neuen Roman Wir werden fliegen, der an ihr voriges Buch Das letzte rote Jahr anknüpft, sich aber auch ganz wunderbar ohne Vorwissen lesen lässt (ich habe vom Vorgänger auch erst nach dem Lesen erfahren). Weiterlesen „Susanne Gregor – Wir werden fliegen“
Arno Frank – Seemann vom Siebener
Ein Spätsommertag im Freibad des kleinen fiktiven Ortes Ottersweiler in der Pfalz. Ein Tag, der nochmal alle Schönheit des Sommers auffährt, von dem man aber nicht weiß, ob es nicht vielleicht der letzte des Jahres sein wird. Neben zahlreichen mehr oder weniger liebenswerten Figuren steht das Provinzbad im neuen Roman von Arno Frank, Seemann vom Siebener, im Mittelpunkt. Hier warten keine Attraktionen auf die Besucher, keine Riesenrutsche, keine Erlebnisgastronomie. Liegewiese, 50 Meter-Becken, schon etwas marode Holz-Umkleidekabinen mit den üblichen Spannerlöchern, Kassenhäuschen und Kiosk mit Pommes und Langnese-Eiskarte – das war`s. Und dann ist da noch der 7er, der Sprungturm, dessen oberste Plattform seit einem tragischen Vorfall dauerhaft geschlossen ist. Weiterlesen „Arno Frank – Seemann vom Siebener“
Andrej Blatnik – Platz der Befreiung
Boy meets girl: Andrej Blatnik lässt seinen Protagonisten auf einer Demo im Sommer 1988 auf dem Platz der Befreiung auf eine ihn faszinierende junge Frau treffen. Es ist die erste große Massendemonstration in Slowenien. Drei Jahre später, im Juni 1991 verkündet das Land seine Unabhängigkeit, die es auch nach dem 10-Tage-Krieg behaupten kann, während andere jugoslawische Teilrepubliken in jahrelange, blutige kriegerische Auseinandersetzungen verfallen. Vor dem Hintergrund dieser Zeit der Unabhängigkeitserklärung bis in die Gegenwart hinein erzählt Blatnik vom Erwachsen- und Älterwerden von Protagonist und Land. Weiterlesen „Andrej Blatnik – Platz der Befreiung“
Olga Tokarczuk – Empusion
Es ist September 1913, am Vorabend des Ersten Weltkrieges, als ein junger, polnischer Student der Kanalisationsbautechnik aus Lemberg im Lungensanatorium Gröbersdorf (das heutige Sokolowsko) in Niederschlesien ankommt. Natürlich denkt die Leserin/der Leser sofort an Thomas Manns Zauberberg und seinen Helden Hans Castorp. Dass die Nobelpreisträgerin von 2019 Olga Tokarczuk mit ihrem neuen (und ersten Post-Nobel)Roman Empusion nicht nur einen Wiederaufguss oder eine Reminiszenz an den berühmten Sanatoriumsroman schreiben wollte, zeigen bereits der ungewöhnliche Titel und die beigefügte Gattungsbezeichnung „Eine natur(un)heilkundliche Schauergeschichte. Weiterlesen „Olga Tokarczuk – Empusion“
John Hersey – Hiroshima
Am 31. August 1946 erschien eine Sonderausgabe der Zeitschrift New Yorker. Sie war einer einzigen Reportage gewidmet und in Windeseile ausverkauft. Bis heute hat sich der Text Hiroshima von John Hersey weltweit über 30 Millionen Mal verkauft. Die Reportage über sechs Überlebende des Atombombenabwurfs auf Hiroshima am 6. August 1945 war ein Schock für die amerikanische Öffentlichkeit. Auch mit Hilfe von Zensur und Propaganda wurden die entsetzlichen Wirkungen und Spätfolgen der Bombe heruntergespielt, verharmlost, als unabdingbar für das Kriegsende und den Frieden dargestellt. Wenige Amerikaner wussten um die Wahrheit. Weiterlesen „John Hersey – Hiroshima“









