Die junge alleinerziehende Mascha Heerdmann lebt mit ihrer Tochter Tinka von Hartz IV. Auch wenn es ihre Sachbearbeiterin im Jobcenter noch vergleichsweise gut mit ihr meint, sind die Gänge dorthin erniedrigend und lästig. Doch Kürzungen der Leistungen kann sich Mascha nicht erlauben, das Geld reicht auch so kaum fürs Essen (Nudeln mit Butter, ein bisschen Toast), für den Schulausflug, den Hort. Und jetzt ist die Heizung kaputt. Wie soll sie das bezahlen? Die Armut ist im Debütroman von Grit Krüger wie ein dunkler Tunnel, in den man hineingezogen wird und an dessen Ende man kein Licht sieht. Ja noch nicht einmal das Ende ist zu erkennen. Weiterlesen „Grit Krüger – Tunnel“
Schlagwort: Autorinnen
Marlen Hobrack – Schrödingers Grrrl
Es liest sich wie ein modernes Märchen, das viral gehen könnte: Eine junge Frau Anfang Zwanzig aus Dresden, Schulabbrecherin mit 15, danach Hartz IV, bildungsfern mit Messie-Mutter und massiven Depressions-Problemen, schreibt einen autofiktionalen Roman, der nicht nur ein authentisches Bild einer Vertreterin der Generation Z mit ihrer Affinität zu Digitalem, Dating-Apps und Online-Shopping, ihrer Ziellosigkeit und den Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt zeigt, sondern auch noch verblüffend gut geschrieben und aufgebaut ist. Ein Bestseller aus dem Nichts. Die Buchszene kocht vor Begeisterung. Den Leser:innen ist aber von Beginn an bewusst, das verrät der Klappentext des neuen Romans von Marlen Hobrack, dass Mara Wolf, die unter dem Instagram-Kanal „Schrödingers Grrrl“ versucht, sich eine Influencer-Karriere aufzubauen, nur eine Fake-Autorin ist. Weiterlesen „Marlen Hobrack – Schrödingers Grrrl“
Emilienne Malfatto – Möge der Tigris um dich weinen
Möge der Tigris um dich weinen nennt die Fotografin, Journalistin und Autorin Emilienne Malfatto ihren mit knapp 90 locker bedruckten Seiten sehr kurzen, aber ungemein intensiven Roman über einen Ehrenmord im Irak. Möge der vorderasiatische Fluss Tigris, der zusammen mit dem Euphrat das legendäre, einst hochentwickelte Zweistromland Mesopotamien bildete, um all die Frauen weinen, die auch heute noch oder mit Blick auf das benachbarte Afghanistan gerade heute wieder, im 21. Jahrhundert, mit aller Gewalt Opfer der überlebten und doch so machtvollen patriarchalen Systeme werden. Weiterlesen „Emilienne Malfatto – Möge der Tigris um dich weinen“
Kristine Bilkau – Wasserzeiten
„Wasser ist H2O, zwei Teile Wasserstoff, ein Teil Sauerstoff. Aber da ist noch etwas Drittes, das erst macht es zu Wasser, und niemand weiß, was dieses Etwas ist.“ So der englische Schriftsteller D.H.Lawrence in seinem Gedicht „the third thing“. Und was dieses Dritte ausmacht, was die Faszination von Wasser und der Bewegung des Schwimmens in ihm sein könnte, darüber macht sich die Autorin und passionierte Schwimmerin Kristine Bilkau in ihrem zauberhaften Essay Wasserzeiten Gedanken. Weiterlesen „Kristine Bilkau – Wasserzeiten“
Sylvie Schenk – Maman
Bereits in Schnell, dein Leben und Eine gewöhnliche Familie hat uns Sylvie Schenk, 1944 in Chambéry, Frankreich, geboren, seit 1966 in Deutschland lebend und auf Deutsch schreibend, Einblicke in ihre Familie gegeben, jetzt hat sie sich mit Maman auf ihre Mutter konzentriert, mit der sie eine nicht leichte Beziehung verband.
„Unsere Mutter, die sprach nur mit der Wäsche und mit Babys.“
Unnahbar war diese Mutter, verschlossen und distanziert bis gleichgültig ihren Kindern gegenüber. Zärtlichkeiten und Vertrautheit gab es wenig und die Kinder, zumindest die kleine Sylvie, spürten schon bald, dass die Mutter nicht glücklich war, nicht in ihrer Ehe, nicht in ihrer Mutterrolle, nicht als doch recht gut situierte Zahnarztgattin in Lyon. Da gab es etwas, dass sie von ihrem Glück abhielt, über das sie aber beharrlich schwieg. Erst nach ihrem Tod erfahren Sylvie und ihre vier Geschwister, wer diese Frau eigentlich wirklich war, welche Gespenster aus der Vergangenheit ihr zeitlebens nachhingen. Weiterlesen „Sylvie Schenk – Maman“
Virginie Despentes – Liebes Arschloch
„Überraschend versöhnliche Töne“ vom weiblichen „Enfant terrible“ der französischen Buchszene hieß es verbreitet in der Literaturkritik zum neuen Roman von Virginie Despentes, Liebes Arschloch. Und tatsächlich verheißt der Titel und auch der unmittelbare Beginn des Romans eine der literarischen Provokationen, mit denen die Autorin ab 2002 viel Beachtung fand. Weiterlesen „Virginie Despentes – Liebes Arschloch“
Dörte Hansen – Zur See
Die See ist für Millionen Menschen Sehnsuchtsort und Ausflugsziel. Was das mit der Landschaft, den dort lebenden Menschen und deren Traditionen macht, daran nähert sich die Bestsellerautorin Dörte Hansen mit ihrem neuen Roman Zur See auf so tiefgründige wie unterhaltsame Weise. Weiterlesen „Dörte Hansen – Zur See“
Lisa Weeda – Aleksandra
Zahlreiche Bücher erscheinen zurzeit in Deutschland über die Ukraine und zeigen ein bisher eher zurückhaltendes Interesse an osteuropäischer Literatur. Meistens beschäftigen sich die Autor:innen anhand von mehr oder weniger fiktionalisierten Familiengeschichten mit der Geschichte der Ukraine und ihren meist unheilvollen Beziehungen zum großen Nachbarn Russland. So auch die 1989 in Rotterdam geborene niederländische Autorin Lisa Weeda, die großmütterlicherseits aus der Ukraine abstammt, mit ihrem Roman Aleksandra, der wenige Monate vor dem Beginn des Angriffskriegs Russlands im Original erschien. Weiterlesen „Lisa Weeda – Aleksandra“
Bernardine Evaristo – Mr. Loverman
2019 erhielt die britische Autorin Bernardine Evaristo für ihren polyphonen, feministischen Roman „Girl, Woman, Other“ (dt. Mädchen, Frau etc.) den Booker Prize. Ausgezeichnet wurde sie, und das war etwas ganz besonderes, zusammen mit der großen kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood. Ein großartiges Duo, das auch ganz wunderbar zusammenpasste. 2022 folgte dann ihr Memoir Manifesto und nun erscheint ein etwas älterer Roman von Bernardine Evaristo, Mr. Loverman (2013). Weiterlesen „Bernardine Evaristo – Mr. Loverman“
Victoria Belim – Rote Sirenen
In Folge des furchtbaren Angriffskriegs auf die Ukraine erscheinen im Moment erfreulicherweise zahlreiche Bücher über das Land und/oder von ukrainischen Autor:innen. Eines davon ist das Memoir der 1978 dort geborenen Victoria Belim. Aufgewachsen in der Gegend von Poltawa, ca. 140 km südöstlich von Charkiw, ging Belim in Kiew zur Schule, besuchte ein Internat auf der Krim und verließ mit 14 Jahren zusammen mit ihrer Mutter die Ukraine Richtung USA. Bereits sechs Jahre zuvor hatten sich die Eltern getrennt, der Vater lebte auch in Amerika. Belim spricht 18 Sprachen und hat in Yale Politikwissenschaften studiert. Heute lebt sie in Belgien. Nachdem sie lange Zeit eher lose Bindungen zu ihrem Heimatland verspürt hat, waren die Ereignisse 2014 für sie der Impuls, sich wieder intensiver mit ihm auseinanderzusetzen. Wie sehr sich das Verhältnis von Victoria Belim zur Ukraine und zu ihrer dort lebenden Großmutter Valentina verändert hat, erzählt sie in Rote Sirenen. Weiterlesen „Victoria Belim – Rote Sirenen“









